Seniorenclub startet mit Reisebericht ins Programm

Lesedauer: 6 Min
Claudia Buchmüller

Der erste Seniorennachmittag im neuen Jahr begann etwas ungewohnt, lautete doch die Begrüßung durch das Organisationsteam Annemarie Blersch, Waltraud Romer und Gertrud Weber „Namaste“.

In bunte Schals gehüllt, zeichneten sie den Gästen mit roter Farbe ein Tika (Segenszeichen) auf die Stirn. So saßen dann gut 60 Senioren bei Kuchen und indischem Tee statt des sonst üblichen Kaffee‘s, an den Tischen. Pfarrer Anantham Antony startete mit einem melodiös gesungenen Om, bevor er das Begrüßungswort Namaste mit „Ich grüße das Göttliche in Dir“ übersetzte. Er turbanähnlich gewickeltes Tuch um die Stirn, gab er zuerst einen allgemeinen Überblick über sein Heimatland. Von der Entdeckung durch Vasco da Gama über die Namensgebung, die ursprünglich auf den Strom Indus zurückgeht, die Bevölkerungszahl und deren prozentuale Religionszugehörigkeit und nicht zuletzt der Sprachenvielfalt von über 1500 Dialekten erfuhren die Anwesenden viele interessante Details über die Republik Indien.

Mit 29 Aulendorfern in Indien

Danach nahm der Geistliche die Besucher anhand von eindrucksvollen, farbenfrohen Fotos mit auf die 14-tägige Studien- und Erlebnisreise, die er mit 29 Aulendorfern im vorigen Jahr unternommen hat. Anders als für die Reisenden, welche knapp anderthalb Tage unterwegs waren, verging die Zeit vom Abflughafen München mit einem nächtlichen Blick auf die Lichter von Dubai bis zur Ankunft in Cochin, der ersten Station dieser Reise, für die Zuschauer wie im Flug. Die folgenden fotografischen Eindrücke aus dem fernen Land zeugten von großer Gastfreundschaft und dem Interesse der Bevölkerung an den deutschen Touristen.

Tänze und Geschenke

„Früher wollten die Touris unbedingt Fotos von Hindus schießen, heute bitten diese um ein gemeinsames Foto“, kommentierte Antony lachend. Selbst in einem Dorf der Unberührbaren seien sie überaus freundlich begrüßt worden. Beim Besuch einer Schule wurde die Reisegesellschaft mit Tänzen und Geschenken empfangen. Diese Schule wird seit vielen Jahren von der Aulendorfer Kirchengemeinde unterstützt. Wie Antony ausführte, haben die Kinder dort oft einen Schulweg von mehreren Stunden zu bewältigen.

Indisches Essen und architektonische Kunst

Im Dorf Pallithammam in der Provinz Tamil Nadu, der Heimat des Priesters, wurden die Deutschen von seiner Familie zu einem typisch indischen Mittagsmahl eingeladen, bevor die Reise mit Stopps an vielen interessanten Orten weiterging. Architektonische Kunstwerke mit wunderschönen Holzarbeiten, weitläufige Palastanlagen und Straßenmärkte standen ebenso auf dem Reiseprogramm wie Besuche in der St.-Thomas-Kathedrale, wo einst der Apostel Thomas gestorben sein soll. Dort bescherte der Zufall den Reisenden die Begegnung mit einem indischen Bischof der Steyler Missionare, der überraschenderweise Deutsch sprach.

Erholung im Hotel

Neben dem unglaublichen Getümmel auf den Straßen, das Antony mit „Wer kann, kann fahr’n“, kommentierte, gab es interessante Nahaufnahmen von abenteuerlichen Strominstallationen zu sehen. Ebenso erhielten die Zuschauer einen kleinen Eindruck der reichhaltigen Pflanzenwelt, erfuhren von Fischereimethoden und verschiedenen Riten. „Vor manch indischer Gottheit hatten wir Kinder Angst“, gestand der Referent im Rückblick. Dass auch die Erholung nicht zu kurz kam, zeigte sich an Bildern von den Hotelanlagen, in denen die Pilger nächtigten. Während das farbenprächtige Bild von Hindupilgerinnen im Meer vor der Insel mit der Statue des Dichters Tiruvalluvar auf die Leinwand projiziert wurde, konnten sich die Senioren Verse aus dessen Vermächtnis aussuchen, welche der Pfarrer vorlas. Dass ein Miteinander der Religionen möglich ist, zeigte sich beim Besuch des größten Marienwallfahrtsortes Indiens, Velankanni.

Das Gotteshaus dort ist „Unserer Lieben Frau der Gesundheit“ geweiht, und einer Wallfahrt werden heilende Kräfte zugeschrieben. So besuchen neben Christen viele Moslems und Hindus diese Stätte und beten dort. In seinem kurzweiligen Vortrag spannte Pfarrer Antony einen weiten Bogen von Kultur, Religion, Land und Leuten und bescherte den Anwesenden viele Eindrücke, wofür er dankbaren Schlussapplaus erhielt.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen