Selbstverteidigung für Mädchen: Über das Recht, Nein zu sagen

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 Gewaltpräventionstrainerin Bianka Neußer (hinten Mitte) übt im Kurs „Jedes Mädchen kann sich wehren“ mit den Teilnehmerinnen Ve
Gewaltpräventionstrainerin Bianka Neußer (hinten Mitte) übt im Kurs „Jedes Mädchen kann sich wehren“ mit den Teilnehmerinnen Verteidigungsstrategien (Foto: Claudia-Evelyn Buchmüller)
Claudia Buchmüller

„Ich finde es toll, was wir hier lernen, vor allem weil ich im Zug schon einmal eine Situation hatte, wo mich ein Mann die ganze Zeit angeredet hat“, sagt die elfjährige Olivia, jüngste Teilnehmerin des Gewaltprävention-Projektes beim Sport- und Aktivtag der Schule am Schlosspark.

Zwanzig Schülerinnen haben sich zum Kurs „Selbstverteidigung für Mädchen“ im Rahmen der Schul-Projekttage am Donnerstag angemeldet. Finanziert wird die Maßnahme vom Landratsamt Ravensburg, wie die betreuende Beratungslehrerin Imme Leiding bestätigt. Bianka Neußer, Trainerin für Gewaltprävention, vermittelt den Mädchen im Musiksaal in Theorie und Praxis verbale und körperliche Techniken zur Selbstverteidigung, fördert selbstbewusstes Auftreten und Handeln sowie das Einschätzen von Gefahren im Vorfeld. Dabei wird sie von den Therapiehunden Amoun, Dylan und Janosch unterstützt. Und tatsächlich, als die Trainerin äußerst stimmgewaltig demonstriert, wie sie einen vermeintlichen Angreifer in die Flucht schlägt, beginnen die Hunde laut zu knurren. „Sie merken, ob es einem ernst ist und spiegeln dies dann sehr deutlich“, weiß Neußer.

Die eigenen Grenzen wahrzunehmen und dem Gegenüber deutlich zu machen, sich Grenzüberschreitungen nicht gefallen zu lassen sondern laut und deutlich „Stop“ zu sagen, sowohl verbal als auch mit entsprechender Körperhaltung, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu stärken, all dies sind wichtige Elemente des Kurses.

Neben der Theorie, bei der Neußer zur besseren Veranschaulichung einen vermeintlichen Angreifer äußerst realistisch spielt, kommt auch die Praxis nicht zu kurz. So lernen die Mädchen etwa die gegnerische Schwachpunktreihe Unterleib, Knie, Kehlkopf, Kiefer, Nase und Augen kennen und entsprechende Verteidigungsstrategien wie den Handballenschlag einzusetzen. „Es geht nicht um das Erlernen komplizierter Kampfmethoden, sondern darum einfache, Techniken zu vermitteln, die man sich gut merken kann“, bekräftigt die Trainerin im Gespräch mit der SZ.

Verbal spielen neben der Lautstärke die drei W‘s eine große Rolle – Was geschieht? - Was macht wer? - Wo geschieht was? „He Sie nehmen Sie ihre Hände von meinem Po!“ lautet der Beispielsatz. Körperhaltung und -sprache, Stimme und Stimmlage seien international und durch die W‘s würden bei entsprechender Lautstärke auch Umstehende aufmerksam.

Sowohl Mathilda (14), als auch Shaminah (15) bestätigen, dass sie ein wenig stärker aus dem Kurs in den Alltag hinaus gehen würden, sich aber nicht sicher sind, ob sie die Hemmungen, einem Angreifer mit Gegenwehr zu begegnen, in Gefahr tatsächlich anwenden würden. Expertin Neußer dagegen weiß aus Berichten von Betroffenen, dass das Gelernte in Gefahrensituationen oftmals instinktiv zum Einsatz kommt.

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