Schlossbesucher können per Tablet und App ins Mittelalter reisen

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Elke Cambré

Sich in der Zeit zurückversetzt fühlen und Aulendorfs Schlossgeschichte neu erfahren – beim Schloss-Erlebnis-Parcours gehen Besucher mit Tablet oder mit der App auf eine Zeitreise ins Mittelalter. Nach der Testphase sind die „Aulendorfer Schlossgeschichten“ am Samstagmittag eingeweiht worden. Zum offiziellen Start war ein buntes Rahmenprogramm im und um das Schloss geboten.

Zahlreiche Bürger und Interessierte hatten sich zur Einweihung am Mittag vor dem Schloss versammelt. Lena Schuttkowski, stellvertretende Geschäftsführerin der Regionalentwicklung Mittleres Oberschwaben, überreichte Bürgermeister Matthias Burth zur Einweihung die Leader-Plakette. Das Leader-Förderprogramm hatte den Parcours mit 90000 Euro bezuschusst.

Hanna Kropp, Ausstellungsdesignerin der beauftragten Designagentur Demirag aus Stuttgart, sagte: „Ein besonderer Ort mit Geschichte wird hier mit Geschichten neu gefüllt.“ Zusammen mit Schuttkowski und Kropp durchschnitt Burth symbolisch ein rotes Band vor dem Schlossportal. Der Bürgermeister wertete den Parcours als innovative Möglichkeit, die Geschichte des Schlosses und des Ortes zu erzählen. „Mit dem Schloss-Erlebnis-Parcours ist ein Angebot geschaffen worden, mit dem Geschichte erlebbar wird. Es werden nicht nur Daten und Fakten aufgezählt, sondern auch die Geschichten drumherum“, so das Stadtoberhaupt. Der Parcours solle für Bürger, Familien, Touristen sowie für Kur- und Klinik-Gäste gleichermaßen sein. Der Fanfarenzug begleitete die Einweihung musikalisch.

Familien gefällt das Angebot

Den Schloss-Erlebnis-Parcours wollte am Eröffnungstag Familie Schirrner aus Aulendorf gleich einmal testen. An der Gästeinfo haben sie sich ein Tablet ausgeliehen und versuchten, das Kinderquiz zu lösen. Astrid Schirrner zeigte ihren Töchtern Frederike und Charlotte die Frage auf dem Bildschirm: Wie hoch war die Schildmauer des Schlosses? Die Mädchen schauten sich nach der höchsten Mauer im Innenhof um und schätzten die Höhe ab. „Acht Meter“, tippte Charlotte auf ein Auswahlfeld und Konfetti erschien im Display. „Das war richtig“, freuten sich auch Oma Christine und Opa Wolfgang.

Rund um das Schloss gab es an diesem Tag vor allem für Kinder neben Ponyreiten und Kutsche fahren noch einiges zu entdecken. Neben der Bankfiliale stand für die Kleinen der Spielofant. Diana Stengler schob ihren dreijährigen Sohn Luis in einem Spielzeugauto an. Es ist viel für die Kinder da, das finde ich richtig toll“, meinte die Aulendorferin. Als nächstes wolle sie die Kinder-Stadtrallye ausprobieren.

Aussehen wie ein richtiger Ritter

Doch nicht nur bei den Kinderstationen war viel los, auch im Schlossinnenhof sammelten sich einige Interessierte. An einem Fotowand-Aussteller mit Rittermotiv hatte der dreijährige Linus Eisele seinen Spaß. Der Junge steckte seinen kleinen Kopf durch das untere Loch der Fotowand und grinste. Von vorne sah er nun wie ein richtiger Ritter aus. Vater Dieter Eisele zückte sein Smartphone und schoss ein Foto. „Linus ist ein großer Ritterfan“, erzählte der Aulendorfer. Das Kinderprogramm gefalle ihm gut, die App für die Schlossgeschichten habe er sich auch schon heruntergeladen.

Hadwig Schühly-Wiedenmann hatte den Parcours schon getestet. Am Treppenaufgang zum Marmorsaal stand die Aulendorferin an einer der Stationen. Die Rentnerin hatte selbst 15 Jahre lang durchs Schloss geführt und zeigte sich sehr angetan von der medialen Gestaltung der Schlossgeschichten. Mit dem ausgeliehenen Tablet in der Hand sagte sie: „Ich finde es gut umgesetzt und verständlich.“

In die Welt von früher entführt

Im Marmorsaal trafen die Besucher auf die Edelleute von Montfort. Die Damen in historischen Kostümen zeigten den Kindern die Schreibweise mit Federn und wie man aus einer Handspindel einen Faden zum Nähen erhält. Die achtjährige Lia probierte, mit der großen Feder ihren Namen zu schreiben. „Ich finde das ganze Programm total toll“, lobte Mutter Kathrin Fischer. Man werde in die Welt von früher entführt und könne sich gut in die Zeit hineinfühlen. „Wenn die Darsteller in den mittelalterlichen Kostümen an einem vorbeilaufen, sind die Kinder völlig fasziniert“, so die Aulendorferin.

Rund ums Schloss flanierten Gräfin Paula und ihre Zofe Rosalie, im Schlossinnenhof ging es bei den Schaukämpfen der Gruppe um „Fechter Fähnlein Frundsberg“ richtig zur Sache. Schwerter und andere historische Waffen schlugen krachend aufeinander.

Familie Schirrner war zwischenzeitlich mit dem Erlebnis-Parcours vorangekommen. Die Videos und Erklärungen am Tablet mit dem Chronisten als Erzähler gefielen den Aulendorfern gut. „Das ist schön gemacht“, lautete die Zwischenbilanz. Einige Punkte des Außen- und Innenparcours lagen noch vor ihnen. Astrid Schirrner stellte fest: „Es sind schon viele Stationen, da kann man einen ganzen Nachmittag damit verbringen.“

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