Raiffeisenbank Aulendorf denkt über Fusion nach

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Überlegen, zu fusionieren (von links): Vorstand Karl Heinz Gropper, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Edgar Raisch und
Überlegen, zu fusionieren (von links): Vorstand Karl Heinz Gropper, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Edgar Raisch und Vorstand Norbert Gaisbauer. (Foto: Rudi Heilig)
Rudi Heilig

Diese Nachricht bei der 118. Generalversammlung der Raiffeisenbank am Donnerstag im Kursaal des Hofgartenrestaurants ließ aufhorchen: Die Raiffeisenbank Aulendorf denkt derzeit intensiv über Fusionsoptionen mit einer der benachbarten Genossenschaftsbanken nach. Die Gründe dafür seien nicht hausgemacht, sagt Vorstand Karl Heinz Gropper. Die nun schon seit vielen Jahren anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank schränke den Zinsüberschuss und damit die Haupteinnahmequelle bei Kreditinstituten enorm ein. „Mit unserem sehr gut aufgestellten Immobilien- und Bauträgergeschäft haben wir zwar seit langer Zeit erfolgreich dagegengesteuert. Doch auch diese Einnahmequelle reicht in Zukunft nicht mehr aus, um die notwendige Ertragskraft und Leistungsfähigkeit unserer örtlichen Bank sicherzustellen“, sprach Gropper Klartext. Auch die an Intensität gewinnenden regulatorischen Anforderungen bringe die Bank wegen notwendiger Personalkapazitäten an ihre Grenzen.

Norbert Gaisbauer, seit beinahe 30 Jahren Vorstand der Aulendorfer Bank, sprach vom harten Wettbewerb im Kreditgeschäft: „Freie Finanzdienstleister, die als Vermittler für Finanzierungen auftreten, mischen mehr und mehr mit.“ Und weiter: „Unsere Finanzierungsmodelle halten wir für unsere Kunden in aller Regel verständlich und überschaubar, daher erklärt sich der hohe Marktanteil. Jedoch wegen der in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Herstellungskosten bei privaten wie auch gewerblichen Gebäudeinvestitionen und dem daraus resultierenden gestiegenen Finanzierungsbedarf stoßen wir immer öfters an unsere aufsichtsrechtlich vorgegebenen Kreditgrenzen.“ Die Kreditrisiken der Bank seien überschaubar: „Unsere zehn höchsten Engagements entfallen durchweg auf Kreditnehmer mit guter Bonität“ erklärt Norbert Gaisbauer.

Die Aussprache über die Fusionsüberlegungen mit einer Nachbarbank eröffnete Konrad Schmid, Tannhausen, mit der Frage: „Wenn es sein muss, mit wem und wann?“. Karl Heinz Gropper bat um Verständnis, dass über einen möglichen Fusionspartner noch keine Aussage gemacht werden kann. „Wir stehen ja noch ganz am Anfang unserer Sondierungsgespräche.“ Schon etwas konkreter wurde er bei der Zeitfrage: Er könne sich die Abstimmung über eine mögliche Fusion auch schon im nächsten Jahr vorstellen. Franz Schwägler vom gleichnamigen Autohaus möchte vor allem nicht alle paar Jahre mit einer weiteren Fusion konfrontiert werden: „Als Michelwinnader Bürger weiß ich, wovon ich spreche.“

Wichtige Diskussionspunkte betrafen auch die künftige Kundenbeziehung: „Kann ich meinen Kundenberater behalten, und wie weit ist er dann möglicherweise von mir entfernt?“, fragten sich manche. Dazu gab es eine klare Vorstandsaussage: „In der Vergangenheit haben wir uns durch den Mehrwert einer guten Kundenbeziehung Marktanteile sichern können. Diese wollen wir auf keinen Fall verscherzen. Eine qualifizierte Beratung darf auch gerne zu Hause stattfinden.“ Dass das letzte Wort bei einer Fusion ausschließlich die Mitglieder sprechen, legt die Satzung fest. Eine Änderung kommt nur bei einer Dreiviertelmehrheit der abgegebenen Stimmen zustande.

Bei der Gewinn- und Verlustrechnung der Bank punktet der Provisionsüberschuss. Er konnte um knapp 60 Prozent auf 474 000 Euro gesteigert werden. Während sich die Personalkosten mit 1,4 Millionen Euro auf Vorjahreshöhe hielten, steigerte sich der übrige Verwaltungsaufwand um 21 Prozent auf 957 000 Euro. Als Hauptauslöser dafür wurden einmalige Beratungsaufwendungen sowie gestiegene Prüfungskosten genannt. Im Prüfungsbericht des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes werden neben einer schwachen Ertragslage eine zwar unterdurchschnittliche, aber noch angemessene Eigenkapitalausstattung, eine zufriedenstellende Vermögenslage sowie eine jederzeit gegebene Zahlungsfähigkeit dokumentiert. Gerne stimmten die anwesenden Mitglieder einer Dividende auf ihre Geschäftsguthaben in Höhe von vier Prozent zu. Diese wurde vom stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Edgar Raisch vorgeschlagen. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurde (wegen Krankheit in Abwesenheit) der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Marquart einstimmig wiedergewählt.

Gute Nachrichten konnte Norbert Gaisbauer von diversen Bauträgergeschäften verkünden. Der Slogan: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ treffe zu einem hohen Prozentsatz auf einen Immobilienerwerb zu. „Komplett verkauft“ stehe auf einer Bautafel für 30 Wohnungen beim Zeppelinpark in Kißlegg. In Reute steht der Bau eines 14-Familien-Hauses in der Ortsmitte kurz vor der Fertigstellung. Eine ausgereifte Architektur, manche Wohnungen mit Bergsicht sowie eine Heizungsversorgung über Erdwärme verleihe diesem Bauvorhaben einen besonderen Akzent. In Pfullendorf ist nächste Woche Spatenstich beim Projekt „Linzgaublick“. Hier entstehen 25 Wohnungen. Weitere Objekte in Weingarten, Markdorf und Isny sind in Planung.

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