Pflastersteine bringen Grundsatzdiskussion mit sich

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Das rote Straßenpflaster soll auch hin zum Schloßplatz weiter verlegt werden. Es stammt aus Indien und zog im Gemeinderat eine
Das rote Straßenpflaster soll auch hin zum Schloßplatz weiter verlegt werden. Es stammt aus Indien und zog im Gemeinderat eine Debatte über Kinderarbeit nach sich. (Foto: Paulina Stumm)
Schwäbische Zeitung

Die Pflastersteine für den Ausbau des nördliche Teils des Aulendorfer Hauptstraße werden teurer. Dafür bestätigt ein Zertifikat, dass die indischen Steine nicht aus Kinderarbeit stammen. Um die Kosten zu drücken, hat sich der Rat zudem auf einen Zusatzpassus geeinigt, demnach ein Teil der Fläche mit günstigerem Pflaster gestaltet wird – sofern der Eigentümer der Fläche mitspielt. So kompliziert das Ergebnis klingt, so lang und grundsätzlich hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung auch darüber diskutiert. Dabei standen auch ein Abschied von der bisherigen Gestaltungsidee, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zertifikate und das Streichen der versenkbaren Poller zur Disposition.

Lange Lieferzeiten machen Druck

Zwischen Alter Apotheke und Schloßplatz soll noch in diesem Jahr ein platzartiger und verkehrsberuhigter Bereich gepflastert werden – und zwar mit den selben roten Steinen aus Indien namens „Manga“ wie sie bereits in der Fortsetzung der Hauptstraße verwendet wurden. Die Steine sollen gesägt und gestockt und in Absprache mit dem Eigentümer vor den Geschäften verfugt verlegt werden, um eine bessere Begehbarkeit zu erreichen – beides Punkte, die den Belag schon im Vorfeld teurer machten. Bestellt werden müssen die Steine jetzt, das stellte Bürgermeister Matthias Burth zu Beginn des Tagesordnungspunkts klar, da die Lieferzeit 14 bis 16 Wochen beträgt und mit den Arbeiten soll noch vor Herbst begonnen werden. Denn die Neugestaltung wird zum Teil über Fördergelder aus dem Stadtsanierungsprogramm finanziert und dieses läuft zum Jahresende aus.

Baumamtsleiter prüft Zertifikate

Regelrecht investigativ klangen die Recherchen von Bauamtsleiter Wolfgang Winter, der sich mit den Zertifikaten auseinandergesetzt hatte, die ausschließen sollen, dass die Steine aus Kinderarbeit stammen. Von den zehn Lieferanten, bei denen Angeboten für die Pflastersteine eingeholt wurden, waren nicht alle in der Lage entsprechende Zertifikate vorzulegen. Zudem müsse man die Glaubwürdigkeit der Zertifikate hinterfragen, sagte Winter und stellte drei Zertifizierungsinstitutionen, deren Geschichte und Schwerpunkte vor. „Eigentlich kommt nur Xertifix in Frage“, zog Winter das Fazit aus seinen Recherchen, zu denen auch ein Gespräch mit dem Kinderhilfswerk gehört habe. Entsprechend blieben nur zwei Angebote übrig, selbst das günstigere von beiden bringe Mehrkosten von 30 000 Euro mit sich. „Es ist eine Frage der Konsequenz, ist man bereit das auszugeben, es ist ein Haufen Geld“, fragte Bürgermeister Matthias Burth den Gemeinderat.

In der sich anschließenden Diskussion stellten einige Räte die Glaubwürdigkeit der Zertifikate generell in Frage. Und auch Vorschlägen, die den bisherigen Gestaltungsrundsätze in Frage stellten, kamen auf. Etwa der von Pascal Friedrich (SPD), die Stilbruch-Kante vorzuziehen und bereits für diesen Bereich auf ganz andere Steine umzuschwenken. Bislang sollte der Wechsel aus optischen Gründen erst an der Einmündung zum Schloßplatz geschehen. Planer Christoph Kapitel schlug später vor, auf gespaltenes rotes Manga-Pflster auszuweichen, das sei zwar nicht so gut begehbar, aber billiger. Dafür könne an den Gebäuden und Schaufenstern entlang ein etwa drei Meter breiter Streifen Betonpflaster verlegt werden, der dann gut begehbar sei. Damit bleibe der Grundgedanke eines einheitlichen Platzcharakters, der Fahrbahn und Fußgängerbereich nicht klar trennt, wie es vor allem auch zur Verkehrsberuhigung gewünscht wurde, erhalten. Eine Idee, die Friedrich aufgriff und mit kleiner Variation beantragte.

Einsparungsvorschlag abgelehnt

Letztlich entschieden die Räte mit neun Stimmen dafür sowie drei Enthaltungen und drei Gegenstimmen, die einfacher begehbaren roten Manga-Steine mit Xertifix-Zertifikat zum Angebotspreis von rund 74 700 Euro zu bestellen. Allerdings wurde die Verwaltung beauftragt, für die Gestaltung des Gehstreifens entlang der Gebäude das Gespräch mit dem Eigentümer zu suchen, und dort gegebenenfalls auf das günstigere Pflaster auszuweichen. Etwa 35 000 Euro, so errechnete Kapitel, ließen sich damit wohl einsparen. Der von Hans-Peter Reck (CDU) gestellte Antrag im Falle der „großen Lösung“ auf die im Zuge der Umgestaltung ebenfalls vorgesehenen versenkbaren Poller zu verzichten, um Geld einzusparen, fand indes keine Mehrheit.

Aufstocken im Haushalt nötig

Die Maßnahme wird im Nachtragshaushalt 2016 finanziert. Bislang sind im Haushalt 394 00 Euro für die Umgestaltung der nördlichen Hauptstraße – samt Bachlauf, Poller und neuem Belag – eingestellt. Die jüngst Kostenberechnung von Anfang Juni geht aber bereits von rund 450 000 Euro aus.

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