„Pack dei Hupa aus und spiel mit!“

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Sybille Glatz

Wie klingt es wohl, wenn 40 Musiker, die noch nie zusammengespielt haben, spontan ein Ständchen spielen? Wie sich das anhört, konnten die Besucher des Dorffestes am Sonntag in Tannhausen erfahren. Der Musikverein Tannhausen feierte am vergangenen Wochenende sein 30-jähriges Jubiläum. Zu diesem runden Geburtstag sollte er ein Ständchen bekommen, von Musikantenkollegen aus Nah und Fern. Motto der Aktion war „Pack dei Hupa aus, spiel mit!“ – und das taten sie auch.

Rund 40 Musiker versammelten sich mittags mit ihren Instrumenten vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Tannhausen. Die Erste Vorsitzende Margit Zinser-Auer begrüßte die Gäste und übergab den Dirigentenstab an den Ehrendirigenten des Vereins, Hugo Nägele. Nägele stellte sich vor die zusammengewürfelten Musiker, hob den Taktstock, zählte ein und es erklang das Lied „In Harmonie vereint“.

Zuhörer klatschen kräftig mit

Das Lied hieß nicht nur so, es klang auch so. Harmonisch, gekonnt, als ob die Musiker schon immer zusammengespielt hätten. Drei weitere Lieder folgten: „Die Fischerin vom Bodensee“, „Der Bozener Bergsteigermarsch“ und „Wir Musikanten“. Die Zuhörer, die sich auf dem Platz versammelt hatten, klatschten kräftig mit und applaudierten der spontanen Musikkapelle. Den Taktstock hatte zwischenzeitlich Hugo Nägele an die Dirigentin des Vereins Vanessa Brauchle und diese zum Schluss an den Dirigenten der Durlesbacher Musikanten Eugen Maucher weitergegeben.

Nach dem Ständle ging es weiter mit dem eigentlichen Fest. Die Besucher hatten die Wahl: Wollten sie ins Zelt, das neben dem Feuerwehrhaus aufgestellt war und in dem die Durlesbacher Musikanten spielten, oder in den Obstgarten hinter dem Dorfgemeinschaftshaus, wo man es sich im Schatten der Obstbäume gut gehen lassen konnte? Neben Steaks, gegrillten Würsten und Schweinebraten gab es eine große Auswahl an Kuchen und Torten. „Was die Tannhausener Frauen da backen, ist phänomenal“, freute sich Margit Zinser-Auer. „Fast schon ein Tortenwettbewerb.“

Zinser-Auer ist seit 30 Jahren im Musikverein aktiv, davon 29 Jahre im Vorstand. Zusammen mit Hugo Nägele und Alfred Pfeiffer wurde sie beim Festabend am Samstag für 30 Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt. Eine Anerkennung erhielten auch 55 Mitglieder für 30 Jahre passive Mitgliedschaft. „Die Gründungsmannschaft des Vereins“, nennt Zinser-Auer die Geehrten. Sie alle waren dabei, als 1988 der Musikverein gegründet wurde. „Unser damaliger Ortsvorsteher Manfred Langlouis wollte unbedingt in seiner Ortschaft einen Musikverein gründen, und bezirzte immer wieder unseren heutigen Ehrendirigenten Nägele so lange, bis dieser dann seine Zusage gab. Beide versuchten nun den Musikverein auf die Beine zu stellen, suchten Unterstützer und Helfer und so entstand 1988 der Musikverein Tannhausen zumindest auf dem Papier“, erzählte Zinser-Auer bei ihrer Ansprache am Festabend.

Dass der Schritt vom Papier hin zu einem lebendigen Verein gelang, lag laut Zinser-Auer an jungen Leuten, die ihre Ausbildung beim Musikverein begannen, als auch an Musikern wie Karl Hehl, die auf ein Blasinstrument umsattelten. Und an aktiven Unterstützern wie Helmut Zipprich. Innerhalb eines dreiviertel Jahres brachte Hugo Nägele die Musiker zu ihrem ersten Auftritt. „Für Manfred Langlouis ging sein Wunsch in Erfüllung. Der Musikverein war sein ganzer Stolz bis zu seinem Lebensende.“

„Ich bin mehr als begeistert“

Auch Zinser-Auer ist stolz auf ihren Verein und zufrieden mit der Bilanz des dreitägigen Dorffestes. „Es war topp, ich bin mehr als begeistert. Zuvor hatte ich schon etwas Bauchschmerzen, ringsum sind Feste und bei dem guten Wetter gehen manche lieber ins Freibad.“ Aber die Besucher kamen, viele auch von außerhalb. Der Musikverein Seckbach reiste sogar extra aus dem Oldenwald an. Über ein Vereinsmitglied, das in Seckbach eine Fortbildung machte, kam die Verbindung zwischen dem Odenwald und Schussental zustande. Die Seckbacher spielten am Festabend und sorgten für eine „sehr gute Stimmung im Zelt“, so Zinser-Auer.

Was Zinser-Auer besonders freut, ist der Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft. „Einer macht was und alle helfen mit.“ So übernahm der Verein „Dorfgemeinschaft“ die Spielstraße, auf der hinter dem Festzelt Kinder spielen konnten. Und er bot einen Postkarten-Schreibservice an. Gegen eine Spende konnten die Besucher eine Postkarte von Tannhausen schreiben und in die ganze Welt verschicken lassen. Mit musikalischen Grüßen aus Tannhausen.

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