Offener Mittagstisch startet in Aulendorf

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 Engagieren sich mit Begeisterung für den Offenen Mittagstisch (von links): Annemarie Blersch, Waltraud Romer, Christa Näßler,
Engagieren sich mit Begeisterung für den Offenen Mittagstisch (von links): Annemarie Blersch, Waltraud Romer, Christa Näßler, Anita Decouter, Waltraud Kloker und Diakon Willy Schillinger. (Foto: Paulina Stumm)

Den offenen Mittagstisch gibt es ab kommendem Donnerstag, 18. Oktober, ein halbes Jahr lang immer donnerstags von 12 bis 13.30 Uhr im frisch renovierten katholischen Gemeindehaus. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

In der kommenden Woche, am Donnerstag, 18. Oktober, startete in Aulendorf wieder der offene Mittagstisch. Bereits zum sechsten Mal organisiert ein ehrenamtliches Betreuungsteam der katholischen Kirchengemeinde dieses gemeinsame Mittagessen im katholischen Gemeindehaus. Ein halbes Jahr wird dabei jeden Donnerstag zwischen 12 und 13.30 Uhr eine warme Mahlzeit in Gesellschaft anboten, für alle, die beides gut gebrauchen können.

„Es geht gar nicht um arm und bedürftig, sondern um Gesellschaft beim Essen“, verdeutlicht Christa Näßler den Ansatz der offenen Mittagstischs, der grundsätzlich allen Menschen offenstehe, egal ob gut betucht oder mit knapper Rente, jung oder alt. „Es ist aber auch so, dass 48 Prozent aller Rentner weniger als 800 Euro im Monat zur Verfügung haben – das gilt auch in Aulendorf“, spricht Diakon Willy Schillinger das Thema Altersarmut dann doch an. Scham, sagt er, spiele dabei oft eine Rolle. So mancher traue sich nicht, zum offenen Mittagstisch zu kommen, „weil es zeigt, wie die Situation ist“. Daher sei es umso wichtiger, ist sich die Gruppe einig, dass der Mittagstisch allen Menschen offen stehe. In der Vergangenheit seien auch schon Mitarbeiter der Stadtverwaltung zum Essen gekommen oder auch Mitglieder des Stadtseniorenrats.

Dreigängiges Menü

Fester Bestandteil bevor das Essen ausgeteilt wird, ist auch ein Tischgebet oder ein Impuls. Ausgegeben wird dann stets ein drei-gängiges Menü und Tee dazu – Kaffee gibt es nur zu besonderen Anlässen. Vier Euro veranschlagt das Team dafür, wie in den Vorjahren. Dabei gilt: wer hat, der gibt, wer wenig hat, gibt wenig, und wer nichts zahlen kann, ist trotzdem eingeladen. Die einen werfen ihren Beitrag in ein bereit gestelltes kleines „Kässle“, andere geben ihren Beitrag Näßler direkt, wenn diese für ein Schwätzchen am Tisch vorbei schaut. So sei sicher gestellt, dass niemand mitbekomme, wer wie viel bezahle oder eben auch nicht.

Das Mittagessen aus Suppe oder Salat, Hauptgang und Dessert wird in Warmhalteboxen vom Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Bad Schussenried geliefert. Das Mittagstisch-Team hat sich dessen Küche bei seinem Jahresausflug einmal selbst angeschaut. Die riesigen Kochtöpfe und Schöpfkellen sowie die moderne Computertechnik einer Großküche sind dem Team besonders in Erinnerung geblieben. Festzulegen, wie viele Essen tatsächlich in Aulendorf gebraucht werden, sei aber gar nicht so einfach, berichtet das Team. Im Schnitt seien es mittlerweile etwa 33 Besucher pro Donnerstag, allerdings schwanken die zahlen zwischen 20 und 40 Leuten. Die Erfahrung aus den Vorjahren und der Blick auf den Wetterbericht helfen bei der Planung: bei schlechtem Wetter kämen weniger Leute, berichtet Näßler, und hat auch bei mehr Besuchern als gedacht eine pragmatische Lösung parat: „Es wird eben geteilt.“

Insgesamt sind es seit dem ersten Jahr offener Mittagstisch immer mehr Besucher geworden. Was aber eher daran liege, dass sich das Angebot etabliert habe, dass es mehr Bedürftige oder eine größerer Sehnsucht nach Gemeinschaft gebe, könnten sie nicht beobachten. Die Idee, Menschen für ein Mittagessen aus der Einsamkeit heraus und zusammen zu bringen, trägt übrigens auch über die Zeit des Mittagstisch hinaus Früchte. „Eine Dame hat mir letztes Jahr erzählt, sie treffen sich nach der Zeit des offenen Mittagstischs weiterhin“, berichtet Schillinger. Immer wieder gebe es auch Gruppen, die nach dem Mittagessen noch gemeinsam irgendwo einen Kaffee trinken würden.

Den offenen Mittagstisch gibt es ab kommendem Donnerstag, 18. Oktober, ein halbes Jahr lang immer donnerstags von 12 bis 13.30 Uhr im frisch renovierten katholischen Gemeindehaus. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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