Nach Großbrand steht Ursache noch nicht fest

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Redaktionsleiter
  • Eine Halle auf dem Wertstoffhof in Aulendorf ist am Samstagabend in Brand geraten
  • Befürchtete Explosionen waren geplatzte Reifen
  • Die Polizei forderte die Bürger auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten
  • Am Sonntagmorgen war dieser Warnhinweis nicht mehr aktiv
  • Der Schaden wird auf rund eine Million Euro geschätzt
  • Fasnetsumzug findet statt
  • Die Brandursache soll frühestens im Laufe der kommenden Woche feststehen
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Schwarzer Rauch ist am Samstagabend über dem Gewerbegebiet Hasengärtle in Aulendorf aufgestiegen. Der Grund: Auf dem Wertstoffhof loderten stundenlang Flammen. Wie die Feuerwehrsprecher Marcel Huber, Matthias Lessig und Peter Sonntag der Schwäbischen Zeitung mitteilten, stand eine Halle – 80 mal 20 Meter – in Vollbrand. Die Feuerwehr war mit den intensiven Löscharbeiten auf dem Gelände beschäftigt.

Die Brandursache ist noch unklar. Im Rahmen der Möglichkeiten sei die Kriminalpolizei damit beschäftigt gewesen, die eventuelle Ursache zu bescheinigen, so ein Polizeisprecher gegenüber schwäbische.de am frühen Sonntagmorgen. Konkretes konnten die Beamten aber nicht mitteilen. Die Brandursache werde frühestens im Laufe der kommenden Woche feststehen, teilte die Polizei auf Anfrage mit.

Zunächst gemeldeten Explosionen stellten sich als platzende Reifen der Fahrzeuge heraus, die in der Halle abgestellt waren, teilt die Feuerwehr mit.

Kurz vor 23 Uhr teilte die Polizei in einer Pressemeldung mit, dass das Feuer auf dem Wertstoffhof im Bereich der dort gelagerten Abfälle gegen etwa 19:45 Uhr ausgebrochen sei und von dort auf die Halle übergegriffen habe. „Die darin gelagerten Gerätschaften sowie die Halle brannten vollständig nieder“, hieß es. Den Sachschaden bezifferte die Polizei auf rund eine Million Euro.

Zwar haben man auf dem Wertstoffhof schon Übungen gemacht, sagt Aulendorfs Feuerwehrkommandant Markus Huchler, trotzdem sei ein solcher Großbrand eine besondere Situation. Das Löschwasser sei am Anfang etwas knapp gewesen, dann aber wurden Leitungsschläuche aus der Stadt und auch aus Zollenreute heraus verlegt, Landwirte lieferten zudem in ihren Fässern Wasser an, berichtet Huchler. Ein Problem sei auch die starke Rauchentwicklung und eine mögliche Gefahr für die Bevölkerung gewesen.

Um 23.30 Uhr war das Feuer weitestgehend gelöscht, wie Feuerwehrsprecher Matthias Lessig bestätigte. Die Nachlöscharbeiten liefen die ganze Nacht weiter. Das kontaminierte Löschwasser wurde mithilfe des Saugwagens abgepumpt und entsorgt. Das Deutsche Rote Kreuz sorgte mit warmen Getränken und Essen für die Verpflegung und stellte die medizinische Sicherheit. Spezialisten führten Luftmessungen durch.

„Die Einsatzmaßnahmen werden noch mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Die Halle selbst ist komplett ausgebrannt und teilweise eingestürzt, mehrere Bagger und Radlader sind ebenfalls zerstört“, beschrieb Lessig die Situation am späten Samstagabend vor Ort.

Polizei warnt Bürger vor Rauch

Die Polizei fuhr am Abend durch Teile der Stadt und forderte die Aulendorfer per Lautsprecherdurchsagen auf, die Fenster und Türen geschlossen zu halten. Diese Sätze schallten durch die Straßen: "Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei. Die Polizei hat eine wichtige Durchsage für alle Personen. Auf dem Gelände des Wertstoffhofes hat sich ein größerer Schadensfall ereignet. Zu ihrem eigenen Schutz fordern wir deshalb alle Anwohner auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten und nicht ins Freie zu gehen. Ende der Durchsage."

In sozialen Netzwerken wurde kurz nach dem Brand folgender Sicherheitshinweis veröffentlicht: „Türen und Fenster geschlossen halten. Aufgrund eines Großbrandes im Wertstoffhof in Aulendorf wird die Bevölkerung in angrenzenden Ortschaften des Landkreises Ravensburg und Sigmaringen gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten.“ Als Handlungsempfehlung wurde außerdem angegeben, die Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Die Warnung, verbreitet über die Katastrophenwarnapp "Nina" wurde in der Zwischenzeit aufgehoben.

Spezialisten des Fachbereichs Umwelt der Feuerwehr Ravensburg führten im gesamten Stadtgebiet weiträumig Luftmessungen durch. Keine Werte waren als gesundheitsgefährdend eingestuft worden, heißt es von der Feuerwehr.

„Mütter machen sich Sorgen“

Eine Aulendorferin beschrieb die Situation vom Schloss aus so: „Alle sind schalu. Die Mütter machen sich Sorgen, weil die Kinder auf der Gass sind und auf der Fasnet in Tannhausen waren. Man riecht es schon. Aber man sieht es nicht direkt. Auf den Straßen ist es sehr ruhig.“ Die Feuerwehrsirenen prägten die Szenerie am Abend. Die roten Fahrzeuge und die blauen Warnmelder waren sehr präsent.

Wie die Narrenzunft Aulendorf am Sonntagmorgen auf ihrer Facebookseite mitteilte, werde man den geliebten Fasnetssonntag wie gewohnt feiern können. Zuvor hatte es eine Absprache mit Feuerwehr und Bürgermeister gegeben.

Am Abend waren Polizei, Rettungsdienst und die Feuerwehren aus Aulendorf und Bad Waldsee sowie der Abteilung Michelwinnaden im Einsatz. Die Feuerwehr Altshausen wurde hinzugerufen. Auch der Gerätewagen Atemschutz aus Weingarten und der Messwagen (Schadstoffe) der Messgruppe Ravensburg fuhren nach Aulendorf. Der Fachberater Umwelt- und Chemie wurde angefordert.

Insgesamt waren rund 150 Rettungskräfte vor Ort. Auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Michael Klotz und Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth machten sich auf dem Wertstoffhof ein Bild der Brandausmaße. „Es geht einem durch Mark und Bein, wenn so ein Gebäude in Flammen steht“, beschreibt Burth den Anblick. Es sei schnell klar gewesen, dass nichts mehr zu retten sei. Die Stadt stehe hinter dem betroffenen Familienunternehmen, so Burth.

Eine Halle auf einem Wertstoffhof in Aulendorf ist am Samstagabend abgebrannt. Die Polizei forderte die Bürger wegen der starken Rauchentwicklung auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Am Sonntagmorgen war dieser Warnhinweis nicht mehr aktiv. Der Sachschaden wird auf rund eine Million Euro geschätzt.
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