Nach Großbrand muss der Betrieb weiterlaufen

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Schwäbische Zeitung

Das Landwirtschaftliche Zentrum Baden-Württemberg ist als öffentliche Anstalt dem Geschäftsbereich des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg zugeordnet und untersteht dessen Dienst- und Fachaufsicht. Sein Schwerpunkt liegt heute auf der Vermittlung von Wissen in Verbindung mit praxisorientierten Versuchen und Erhebungen zum Zwecke der überbetrieblichen Ausbildung, des Unterrichts für landwirtschaftliche Fachschulen, der Erwachsenenbildung sowie Fort- und Weiterbildung von Beratungskräften. (sz)

Es ist kurz vor 16 Uhr am Mittwochnachmittag, da schlendern sieben Milchkühe in der Nachmittagssonne auf den mobilen Melkstand vor dem neuen Milchviehstall des Landwirtschaftlichen Zentrums in Aulendorf (LAZBW) – beinahe, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht, beinahe, als hätte es die Brandnacht nie gegeben, in der auch der eigentliche, vertraute Melkstand zerstört wurde. Es ist die Suche nach einem Stück Normalität inmitten dieser Szenerie der Unfassbarkeit, die dieser Tage die Stimmung auf dem Hof zu bestimmen scheint. Und die „Normalität“ muss schnell gefunden werden, denn der Betrieb läuft weiter.

„Wir leben“, sagt Caroline van Ackeren, während sie vom unversehrten Verwaltungsgebäude über den Hof und an der Brandruine vorbei zum provisorischen Melkstand läuft, „in zwei Welten“. Van Ackeren ist am LAZBW verantwortlich für den Bereich Ausbildung und Kälberaufzucht. „Der Feuerball, der hier gewütet hat, das kann man sich gar nicht vorstellen.“ Noch fehle ihnen allen die Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, sagt sie, und spricht lieber davon, wie es den Tieren geht: Keine Euterentzündungen, reguläre Milchleistung, die Herdenstruktur wieder intakt. „Die Kühe“, findet van Ackeren, „unterstützen uns in unserer Rückkehr in die Normalität. Und sie geben uns Kraft zurück.“

Mitarbeiter halten zusammen

Und irgendwie muss der Betrieb ja weiterlaufen, auch wenn der komplette Kälberstall mit Fütterungs- und Tränketechnik, der Melkstand und die Futtermischzentrale samt Heu und Kraftfutter verbrannt sind. Für die wesentlichen Dinge ist zumindest eine provisorische Lösung gefunden: Die Kälber sind umgezogen in einen Außenstall nach Ebisweiler, die Schleppergarage wurde kurzerhand zum Abkalbestall umfunktioniert, neues Futter bestellt – und den mobilen Melkstand unter freiem Himmel, der vor dem geretteten neuen Milchviehstall aufgebaut wurde, scheinen die Milchkühe schon gewohnt. Dass das Arbeiten im provisorischen Zustand länger dauert und organisatorisch eine Herausforderung darstellt, „schlauche“ die Mitarbeitern schon, sagt Franz Schweizer, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg, aber: „Unsere Truppe hat fantastisch zusammen gehalten. Sie stehen zusammen und wissen, dass wir es gemeinsam stemmen müssen. Das macht mich stolz.“

Den Flammen zum Opfer gefallen ist auch der Schulungsbereich für Klauenpflege und Geburtshilfe sowie die Lehrwerkstatt. Im Lehrgangbetrieb müsse man daher nun improvisieren, sagt Schweizer. Ziel sei es, nach dem Sommer wieder einen geordneten Lehrgangsbetrieb zu haben. Abgesagt habe er aber kaum etwas. Alle Bildungsmaßnahmen fänden statt, lediglich Dinge wie den Ferienmelkkurs im Sommer würden gestrichen. Auch der aktuelle Lehrgang samt Prüfung, zu dem auch die Teilnehmer gehörten, die am späten Sonntagabend den Brand bemerkten und die Kälber ins Freie trieben, sei regulär abgehalten worden.

Forschung wird ausgesetzt

Das LAZBW ist auch eine Versuchsanstalt, in der etwa zu Futter und Fütterungstechniken geforscht wird. Für den Forschungsbereich „Rinder und Milchvieh“ hat der Brand nicht unerhebliche Auswirkungen. Einige Versuche müssen wohl gestoppt werden. „Ich will im Versuchsgeschehen keine Störelemente haben“, erklärt Schweizer, und Stress ist ein solches. „Wir könne alle eine Weile lang alles wegstecken, aber ich will sechs Wochen warten.“

Offensichtlich nicht abwarten, einen Blick auf die Brandruine zu werfen, kann es indes am Mittwochnachmittag eine Familie, die wie so viele andere derzeit auf den Atzenberg kommen und ungebeten das Gelände betreten. Die offensichtlich zur Schau gestellte Sensationslust einiger „Besucher“ löst bei den Mitarbeitern vor Ort Kopfschütteln aus. Van Ackeren berichtet allerdings auch von einer großen Anteilnahme, die ihnen zuteil werde. Es hätten auch schon ehemalige Azubis angerufen und gefragt, ob sie zum Helfen kommen sollten. „Es hilft sehr zu wissen: Wir sind nicht allein.“

Das Landwirtschaftliche Zentrum Baden-Württemberg ist als öffentliche Anstalt dem Geschäftsbereich des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg zugeordnet und untersteht dessen Dienst- und Fachaufsicht. Sein Schwerpunkt liegt heute auf der Vermittlung von Wissen in Verbindung mit praxisorientierten Versuchen und Erhebungen zum Zwecke der überbetrieblichen Ausbildung, des Unterrichts für landwirtschaftliche Fachschulen, der Erwachsenenbildung sowie Fort- und Weiterbildung von Beratungskräften. (sz)

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