Marc Grünbaum im Interview: Was der neue Schulleiter in St. Johann vorhat

 Marc Grünbaum ist Klaus Schneiderhan auf den Chefsessel des Studienkollegs St. Johann nachgefolgt.
Marc Grünbaum ist Klaus Schneiderhan auf den Chefsessel des Studienkollegs St. Johann nachgefolgt. (Foto: Sybille Glatz)
ist derVon Sybille Glatz

Das Studienkolleg St. Johann in Blönried hat seit Sommer einen neuen Leiter. Marc Grünbaum folgte Klaus Schneiderhan auf den Chefsessel nach. Welche Ziele hat er für die Schule? Und wie reagieren Eltern, Schüler und Lehrer auf den ersten evangelischen Leiter des katholischen Studienkollegs? Sybille Glatz hat mit Marc Grünbaum über diese und andere Fragen gesprochen.

Herr Grünbaum, wie waren die ersten Wochen in Ihrem neuen Job für Sie? Was lief so wie erwartet, was hat Sie überrascht?

Grundsätzlich lief es gut. Es waren ereignisreiche Wochen mit vielen für mich neuen Dingen, und das in hoher Frequenz. Überrascht hat mich, wie viele unterschiedliche Anfragen zu mir kommen, von Schülern, von Eltern, von Kollegen – von persönlichen Dingen über Schul- und Unterrichtsentwicklung bis zu neuen Böden fürs Untergeschoss. Ich fand es angenehm, dass die überwiegende Zahl sehr konstruktiv war, es waren wenig Problemgespräche darunter und ich bin von Konflikten verschont geblieben. Insgesamt ist eine positive Grundstimmung an der Schule. Ich fühle mich wohl. Was mir zudem sehr gutgetan hat, war der angenehme Übergang mit Klaus Schneiderhan, der sehr unterstützend und freundschaftlich war.

Welche Themen sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig in den nächsten Jahren? Wo soll das Studienkolleg hin, was sind Ihre Ziele?

Bei diesen Fragen möchte ich weiter ausholen. Zum einen muss man sehen, was die Corona-Zeit angerichtet hat, ob es Dinge gibt, die man quasi reparieren muss. Speziell bei den Kindern, die neu von der Grundschule ans Studienkolleg gekommen sind, müssen wir schauen, wie wir sie fachlich fördern, sie abholen und unterstützen. Ein weiterer Aspekt dabei ist, Möglichkeiten zu schaffen, dass Schüler sozial zueinander finden und eine Gemeinschaft bilden. Dass man die Erlebnisse, die den Schülern während der Pandemie entgangen sind wie Ausflüge, Studien- oder Klassenfahrten, wieder ermöglicht. Man kann nicht alles, was ausgefallen ist, eins zu eins nachholen, aber versuchen, Alternativen in kleinerem Rahmen zu finden.

Andererseits hat die Corona-Krise auch die Digitalisierung vorangebracht, in dieser Zeit hat es hier einen großen Fortschritt gegeben. Wichtig ist mir, Digitalisierung auf eine vernünftige Art und Weise in die Schule zu integrieren. In meinen Augen geschieht das manchmal zu pauschal. Nur dadurch, dass ein Schüler ein Tablet in der Hand hat, wird daraus noch kein guter Unterricht. Beim individualisierten Üben, beim differenzierten Lernen bietet die Technik jedoch ein riesiges Potenzial, das noch nicht ausgereizt ist. Wir sind da in St. Johann schon ganz gut aufgestellt und auf einem guten Weg, aber es sollte unbedingt weiterentwickelt werden.

Was ist Ihnen darüber hinaus noch wichtig?

Es gibt einen weiteren Punkt, der mir wichtig ist: Die ganzen Krisen, die jetzt auf die Kinder einbrechen, erfordern eine Anpassung von uns allen, wir müssen uns damit arrangieren und Schlüsse ziehen. Ich glaube ganz stark, dass jetzt gebraucht wird, was wir in St. Johann haben: eine persönliche Bildung und eine erlebte Gemeinschaft. Jetzt ist es wichtig für Kinder ein Umfeld zu haben, wo sie eine innere Haltung spüren und auch Heimat erleben. Ich denke, dass Schule eine Art Heimat sein kann, dass man sich hier angenommen fühlt und merkt: Die Schulgemeinschaft ist für mich da und man hilft mir. Die Lehrerinnen und Lehrer und meine Mitschüler sehen mich als Mensch.

Das ist das Ziel einer christlichen Schule, dass die Kinder aus einem Gefühl von Angenommensein und Geborgenheit auf andere zugehen und Solidarität zeigen können. Mir ist wichtig, dass Kinder nicht nur Könner in Fächern werden, sondern verantwortungsbewusste Menschen, die Hilfsbereitschaft leben wollen.

Ich finde es sehr wichtig, dass man aus einer Dankbarkeit und positiven Haltung heraus Verantwortung übernimmt. Und ich glaube, das tut gerade heute gut. Was die Schüler heute umtreibt, sind die Themen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz, aber auch Fairness und Toleranz. Viele dieser Gedanken sind zutiefst christliche Gedanken.

Wie ist es nun als Chef mit ehemaligen Kollegen zusammenzuarbeiten?

Ich empfinde es als angenehm, dass ich die Leute kenne und schon Orientierung habe, wen ich wozu befragen kann. Ich fühle mich sehr willkommen. Und ich muss auch nur etwa das halbe Kollegium neu kennenlernen.

Wie fühlen Sie sich als erster evangelischer Schulleiter an einer katholischen Schule?

Ich habe das Gefühl, dass das hier an der Schule kein Thema ist. Doch ich selbst hatte zunächst nicht damit gerechnet, dass dies möglich sein würde. Damals, 2001, als ich als Lehrer hier angefangen habe, hat man mir gesagt: „Sie können alles werden außer Schulleiter.“ So habe ich vor meiner Bewerbung auf die Schulleiter-Stelle erst nachgefragt, ob das geht – und bekam zum Glück nach ein paar Wochen grünes Licht: „Ja, Sie können sich bewerben.“

Ich bin froh, dass ich an einer christlichen Schule Schulleiter sein kann. Nicht nur Weihnachten fühlt sich anders an, auch der Schuljahresanfang und das Schuljahresende. Es ist eine starke Sache, wenn am Anfang des Schuljahres Lehrer für ihre Schüler beten und Schüler für ihre Lehrer. Es hat etwas Tragendes. Bei allem, was uns gelingt und auch bei dem, was uns vielleicht nicht gelingt, sagen wir: Wir bitten um Gottes Begleitung. Das macht etwas mit einer Gemeinschaft. Ich habe das immer als sehr wertvoll empfunden.

Wollten Sie schon immer Schulleiter werden?

Nein. Eigentlich nicht, mein Interesse daran hat sich über die Jahre entwickelt. Und wenn irgendwo, dann hier in St. Johann.

Zur Person

Marc Grünbaum stammt ursprünglich aus Vaihingen/Enz und wurde 1971 geboren. In Stuttgart und Norwich (Großbritannien) hat er Mathematik und Englisch studiert. Seine erste Stelle nach dem Referendariat war am Studienkolleg St. Johann in Blönried, wo er von 2001 bis 2011 als Lehrer tätig war.

Danach wechselte er ans Gymnasium Markdorf. Dort war er von 2011 bis 2022 nicht nur Lehrer, sondern sammelte darüber hinaus als Abteilungsleiter für Fremdsprachen und Unterstufenorganisation Erfahrungen bei der Übernahme von Schulleitungsaufgaben. Seit Sommer 2022 ist er der Schulleiter des Studienkollegs St. Johann.

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