Lernwerkstatt ist voll belegt

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Werkstattleiter Achim Bernhard (Zweiter von rechts) und Monika Kordula (Zweite von links) vom Liebenau Berufsbildungswerk freue
Werkstattleiter Achim Bernhard (Zweiter von rechts) und Monika Kordula (Zweite von links) vom Liebenau Berufsbildungswerk freuen sich mit Kursteilnehmern, Besuchern und Bürgermeister Matthias Burth (Dritter von links) darüber, dass die Lernwerkstatt gut Fahrt aufgenommen hat. (Foto: Paulina Stumm)
Schwäbische Zeitung

Seit Februar diesen Jahres gibt es in Aulendorf eine Lernwerkstatt, in der Geflüchtete sich sprachlich und in handwerklichen Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt qualifizieren können. Am Freitagnachmittag hat die Einrichtung zu einem Tag der offenen Türe eingeladen. Zum Auftakt gegen 14.30 Uhr waren zumindest eine gute Handvoll Interessierte gekommen, um sich in der Werkstatt und dem Klassenzimmer zwischen bunten Holzskulpturen, bemalten Kisten und Häppchen sowie in Gesprächen mit den Teilnehmern einen Eindruck zu verschaffen.

Zehn Plätze bietet die Lernwerkstatt. Derzeit sind es allerdings neun Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 24 und 60 Jahren, die dort den Unterricht besuchen. Vier Monate lang lernen sie vormittags bei Ulrike Ahlfänger Deutsch und nachmittags den Umgang mit Holz, Metall und Farbe. Danach schließt ein zweimonatiges Praktikum in einer Firma an, bei dem ihnen die Grundqualifikation helfen soll. Letztendliches Ziel ist es, die Werkstattteilnehmer in Arbeit zu bringen.

Wörter für die Arbeit lernen

„Es läuft sehr gut und es interessiert uns sehr“, zieht Ali Hussein, einer der Teilnehmer, sein Fazit über die erste Zeit. „Danach wird es einfacher sein, einen Job zu finden“, hofft der aus Syrien stammende junge Mann. Mitteilnehmer Ghaled Hussam nennt einen der Punkte, die es einfacher machen können: „Wir lernen hier neue Wörter, die wir auch für die Arbeit brauchen.“

„Wir haben jetzt einen Flow in der Gruppe“, sagt Werkstattleiter Achim Bernhard vom Liebenau Berufsbildungswerk, das die Werkstatt im Auftrag der Stadt betreibt. Dabei laufe es, auch wenn die Teilnehmer aus Syrien, Sri Lanka und Russland kämen, und sich sprachlich nicht immer einfach verständigen könnten. „Sie kommunizieren übers Schaffen miteinander.“ Derzeit lotet er die Neigungen und Talente der Teilnehmer aus. In Einzelgesprächen gibt es auch Bewerbertraining und werden Bewerbungsmappen und -schreiben erstellt. „Wir versuchen, einen passenden Praktikumsbetrieb und Arbeitgeber zu finden“, erklärt Monika Kordula vom Bildungsmanagement des Liebenau Berufsbildungswerks, die Vorgehensweise.

Mehrere Geldgeber im Boot

Bürgermeister Matthias Burth verteilt in seinem Grußwort Lob – an den Helferkreis Asyl Aulendorf, auf dessen Erfahrungen und Initiative hin erst die Idee der Lernwerkstatt Form annahm, an die Stiftung Liebenau, bei der man „offene Türen und offene Ohren“ und letztlich einen Träger gefunden habe, und an den Europäischen Sozialfond (ESF), der das Projekt in diesem Jahr mit 80 000 Euro fördert. Zudem finanziert die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit je 30 000 Euro in diesem und im kommenden Jahr kräftig mit. Noch offen ist, ob der ESF auch 2019 wieder Fördergelder zuschießt, ein entsprechender Antrag kann erst im September gestellt werden. Die Stadt Aulendorf will die Lernwerkstatt indes als zweijähriges Projekt haben. Entsprechend stellt sie neben den 35 000 Euro in diesem Jahr auch für 2019 nochmals 50 000 Euro bereit. Ein vom Gemeinderat mehrheitlich gefasster und damit mit breiter Zustimmung hinterlegter Beschluss, wie Burth betonte.

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