Landwirtschaft geht nachhaltig, aber nicht CO-neutral

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 Martina Braun (links) und Petra Krebs.
Martina Braun (links) und Petra Krebs. (Foto: Steffi Rist)
Steffi Rist

Interessant, informativ und teilweise emotional ist die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag zu nachhaltiger Landwirtschaft gewesen. Eingeladen dazu hatte die Landtagsabgeordnete Petra Krebs (Bündnis 90/Die Grünen) mit Unterstützung des Ortsverbandes Aulendorf vom Bündnis 90/Die Grünen. Dem Vortrag von Martina Braun (Sprecherin für ländlichen Raum in der Grünen Fraktion im Landtag) hörten etwa 30 Besucher zu.

Braun ist nicht nur seit mehr als 30 Jahren Landwirtin, sondern hat auch zehn Jahre Erfahrung in der Pharmabranche. Sie erklärte, dass seit zwei Jahren etwa 1000 Liter Wasser pro Quadratmeter fehlen und dass diese wohl auch nicht mehr aufgeholt werden können. Ferner müsse ein Landwirt sehr breit aufgestellt sein, um langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Nicht umsonst sei dies ein Lehrberuf, dem weiterhin hohe Aufmerksamkeit gezollt und Unterstützung zuteilwerden muss, so Braun.

Interessant waren auch die Ausführungen zum Thema CO2. Der größte CO2-Speicher in Baden-Württemberg sei demnach das Grünland, das es zu erhalten gelte. Aber trotz aller Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes seien sich die zu Rate gezogenen Experten einig, dass die Landwirtschaft hier nicht auf eine Null kommen könne. Braun erzählte von einem Forschungsprojekt, an dem sie teilgenommen hat, das zeige, wo Einsparpotenziale vorhanden seien, wie etwa durch Gebäudesanierungen und Optimierungen des Verkehrs. Die wissenschaftliche Analyse eines Hofes habe gezeigt, dass es wichtig ist, dass die Tierhaltung an die Grünflache gebunden ist.

An dieser Stelle fragten einige Besucher des Abends, wieso dann ein Stall von 1000 Kühen, wie derzeit in Ostrach, genehmigt werden konnte. Braun verwies auf die geltenden Gesetze, die in dem vorliegenden Fall eingehalten wurden. Man habe ja versucht, mit einer Petition gegen diese Größe vorzugehen – erfolglos. Es gelte aber nach wie vor, solche Massentierhaltungen kritisch zu hinterfragen und zu kontrollieren, so Braun.

Ziel der Landwirtschaft müsse es sein, nahm Braun den Faden des Vortrags wieder auf, Strukturen zu schaffen, die nicht einseitig sind. So soll der Anteil des Ökolandbaus bis 2030 von derzeit 14 Prozent auf 30 Prozent steigen – unterstützt von einem Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg.

Die lebhafte Diskussion setzte sich auch nach dem Vortrag fort. Es wurde so auch die Kritik laut, dass viele Biogasanlagen gefördert würden, die mit Mais befüllt werden. Hierauf entgegnete Braun, dass bei diesem Thema zwei Herzen in ihrer Brust schlagen würden. Auf der einen Seite sei die Kritik daran, dass Futter in die Anlage kommt, berechtigt, andererseits sei eine sinnvolle Energiegewinnung durch Biogasanlagen möglich. Deshalb sprach sich Braun für Biogasanlagen aus sowie für eine sinnvolle Resteverwertung in diesen.

Wie zukünftig Hagelnetze etwa durch lichtdurchlässige Solarpaneele ersetzt werden könnten, dem gehe das Projekt der Agrophotovoltaik nach, das als Modellversuch in Hegelbach seit drei Jahren läuft. Hagelschutz und Energiegewinnung, ein doppelter Nutzen.

Kritisch diskutiert wurde das Abkommen mit den USA, das vorsieht, dass 45 000 Tonnen Rindfleisch aus den USA importiert werden, um im Gegenzug die Exporte der deutschen Autoindustrie zu forcieren. Schlusswort von Krebs: „Bleiben Sie im Gespräch, gangad Sie aufeinand’ zu und bleiben Sie auf Augenhöhe.“

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