Kostümführung mit Archivar Anselm Büchle begeistert Teilnehmer

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Claudia Buchmüller

Das neue tagestouristische Konzept der „Aulendorfer Schlossgeschichten“ scheint voll und ganz aufzugehen. Wie Susanne Krause von der Stadtverwaltung bestätigte, war die Führung mit Archivar Anselm Büchle alias Holger Starzmann schnell ausgebucht. Dieser begrüßte am Samstagmittag im historischen Kostüm 34 Interessierte aus Aulendorf und Umgebung.

Gleich zu Beginn hatte er alle Lacher auf seiner Seite, setzte er doch voraus, dass die Teilnehmer Handwerksleute seien, „um im Schloss ebbes zu richten“, was für die Rückkehr der gräflichen Herrschaft in Ordnung gebracht werden müsse. Er selbst sei vom Verwalter beauftragt, bei einem Rundgang alle Mängel zu notieren, und da biete es sich an, die Handwerker gleich mitzunehmen.

Auf dem Weg fragte er den einen oder anderen, wo er denn her komme. Der Chronist verstand es hervorragend, die Teilnehmer auf lustige Art mit einzubinden und bekam im Gegenzug so manche schlagfertige Bemerkung zurück. Dabei blieb die Historie keineswegs auf der Strecke. Angefangen vom Bauernkrieg über den schwäbischen Bund erfuhren die Teilnehmer, wie sich aus der ehemaligen Burganlage das jetzige Schloss entwickelt hat. Und neben Jahreszahlen, Ereignissen und Berichten über das Geschlecht der Königsegger gab es auch Erklärungen zu den unterschiedlichen Baustilen von Renaissance über Barock und Klassizismus.

„So gelacht habe ich lange nicht mehr“

All das fand in köstlichem Tübinger Dialekt, gespickt mit Wörtern wie etwa „Oierhaber“ (ein altes schwäbisches Gericht), statt. Sprachlicher Höhepunkt der knapp zweistündigen Führung war aber der Satz „dia send it auf dr Brennsuppa dahergschwomma“. Dieser Spruch bedurfte dann doch einer Erläuterung, da einige nicht wussten, was damit gemeint war. „Wenn einer gar nichts hat, dann gibt es eine Mehl- oder Grießschwitze, die wird abgelöscht und das ist dann die Brennsuppe, also keine Fleischbrühe und auch nichts weiter drin“, erklärte der Chronist, „und mit dem neuen Anbau wollten die Grafen zeigen, dass sie etwas haben, also eben nicht arm sind“. Später seien zu diesem Erweiterungsbau noch Ökonomiegebäude und eine Brauerei dazu gekommen. Neben den Baulichkeiten wusste Büchle auch Wissenswertes über die Gartenanlagen, etwa dass der Mammutbaum aus Wilhelmasaat stammt und in der ehemaligen Orangerie früher Ananas angebaut worden sind.

Nach dem ausgiebigen Rundgang außerhalb ging die Führung in den Räumlichkeiten weiter. Selbst im Marmorsaal, in dem einige Teilnehmer schon bei anderen Gelegenheiten zu Gast waren, gab es Neues zu entdecken, von den vier Elementen über die vier Jahreszeiten bis hin zu einem Jagdfalken. Dort verabschiedete sich Schlossführer Holger Starzmann, nicht ohne zu betonen, dass zwar alle Jahreszahlen und Fakten gestimmt hätten, die Figur des Anselm Büchle jedoch frei erfunden sei. Seinen wohlverdienten Applaus bekam er natürlich dennoch. „So gelacht habe ich schon lange nicht mehr“, war beim Hinausgehen zu hören oder „das war echt toll, informativ und unterhaltsam zugleich.“

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