Klein-Venedig, Klein-Frankreich und der Menschenfresser

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 Die Aulendorfer-Gruppe auf einer Brücke im Klein-Venedig-Viertel von Colmar.
Die Aulendorfer-Gruppe auf einer Brücke im Klein-Venedig-Viertel von Colmar. (Foto: Paul Glück)
Schwäbische Zeitung

Seit einigen Jahren führt der Jahrgang 1940 jährlich mehrtägige Reisen durch. Das Ziel des diesjährigen Ausflugs war Straßburg und das Elsass, teilt der Jahrgang mit.

Erste Station für die Aulendorfer Gruppe war die Stadt Colmar, deren Sehenswürdigkeiten es zu erkunden galt. Vom Museum Unterlinden ging es zur ehemaligen Dominikanerkirche. Hier konzentrierte sich das Interesse auf die berühmte Madonna im Rosenhag von dem renommierten Colmarer Maler Martin Schongauer. Wenige Schritte entfernt war das Martinsmünster im Stil der rheinischen Gotik. Seine Umgebung wartete mit Häusern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert auf. Doch die Vorliebe der zahlreichen Touristen, einschließlich der Aulendorfer Gruppe, habe dem ehemaligen Viertel an dem Flüsschen Lauch gegolten, wo sich früher die Gerber und Fischer niedergelassen hatten. Dieser malerische Stadtteil trägt heute den Namen „Klein-Venedig“.

Der zweite Tag machte die Aulendorfer Gruppe mit weiteren Perlen der Elsässischen Weinstraße bekannt, den Weinorten Kaysersberg, Ribeauvillé und Riquewihr. In der ehemaligen Reichsstadt Kaysersberg ist der Arzt und Nobelpreisträger Albert Schweitzer geboren. Der idyllische Ort Riquewihr gehörte jahrhundertelang zusammen mit Mömpelgard zu den linksrheinischen Besitzungen von Württemberg. Ein Tagesausflug führte nach Straßburg, wo die Aulendorfer Jahrgänger das Münster besuchten. Zunächst aber wurde das Dach des Vauban-Sperrwehrs bestiegen, von dem aus sie einen faszinierenden Blick auf die Stadt erhalten hätten.

Zum Straßburg-Besuch gehörte auch eine Schifffahrt auf der Ill rund um den alten Stadtkern mit einem Abstecher zum europäischen Parlamentsviertel. Trotz großer Hitze folgte anschließend ein Bummel durch das pittoreske Viertel „Klein-Frankreich“. Der letzte Tag galt den Vogesen. Über das Münstertal erreichte die Gruppe den Pass „Col de la Schlucht“ und die Vogesen-Kammstraße, die „Route des crêtes“, die im Ersten Weltkrieg von den Franzosen zur Versorgung ihrer Truppen westlich unterhalb der Gipfellinie angelegt wurde.

Die Passfahrt fand ihren Abschluss am Hartmannswillerkopf, dem im Ersten Weltkrieg hart umkämpften Berg, der auch „Menschenfresser“ genannt wird. Der dortige Soldatenfriedhof, die Krypta, der mächtige Altar des Vaterlandes und die Dokumentationen in der neu geschaffenen französisch-deutschen Gedenkstätte hätten eindrucksvoll die ganze Absurdität des Kriegs gezeigt, heißt es abschließend.

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