Katharina Sinz verlässt das Parksanatorium

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Katharina Sinz war sechs Jahre lang am Parksanatorium in Aulendorf, seit 2014 als Klinikdirektorin. Nun zieht es sie beruflich
Katharina Sinz war sechs Jahre lang am Parksanatorium in Aulendorf, seit 2014 als Klinikdirektorin. Nun zieht es sie beruflich und privat ins Allgäu zurück. (Foto: Paulina Stumm)
Schwäbische Zeitung

Katharina Sinz verlässt nach sechs Jahren das Aulendorfer Parksanatorium. Die Klinikdirektorin lässt die onkologische Rehabilitationsklinik hinter sich und wechselt an die Fachkliniken in Wangen, ebenfalls eine Einrichtung des Waldburg-Zeil-Klinikverbunds. „Ich bin schon sehr wehmütig, aber auch dankbar. Die Erfahrungen, die ich in Aulendorf machen durfte, nimmt mir niemand mehr“, sagt die 35-Jährige, die sich nach dem Einzug von Flüchtlingen ins ehemalige Alten- und Pflegeheim auch im Helferkreis Asyl Aulendorf einbrachte.

Neue berufliche Herausforderung

„Ich habe die einmalige Chance bekommen, an die Fachkliniken in Wangen zu wechseln“, erklärt Sinz, die ihren Lebensmittelpunkt damit auch wieder näher ans heimatliche Allgäu verlegt. Die Klinikleitung dort werde neu strukturiert und man sei auf sie zugekommen, berichtet sie. Sie freue sich, dass man ihr auch dort eine leitende Funktion zutraue. „Manchmal muss man Dinge wagen, es ist eine Herausforderung“, gesteht sie. Die Fachkliniken in Wangen mit knapp 800 Mitarbeitern sei nicht nur größer als das „familiäre Parksanatorium mit 200 Mitarbeitern“. Auch die fachliche Ausrichtung ist mit dem Lungenzentrum Süd-West sowie der Klinik für Neurologie und der Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche. Die beiden letzter wird Sinz leiten.

Leicht fällt ihr der Abschied aus Aulendorf, wo sie auch die vergangenen vier Jahre wohnte, nicht. „Wer im PSA (Parksanatorium, Anmk. d. Red.) Chefin sein darf, kann sich wirklich glücklich schätzen, weil es tolle Arbeitsbedingungen, engagierte Mitarbeiter und verlässliche Kollegen in der Klinikleitung gibt“, lobt sie, aber auch die „Stadt der kurzen Wege“ werde sie vermissen. „Die Gemeinschaft in Aulendorf habe ich sehr geschätzt. Man gehört schnell dazu. Die Oberschwaben und speziell die Aulendorfer haben eine sehr herzliche Art.“

In die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung ist Sinz eingestiegen, als in direkter Nachbarschaft zum Parksanatorium Flüchtlinge ins ehemalige Alten- und Pflegeheim eingezogen sind und Befürchtungen laut wurden, dass es im Klinikumfeld etwa wegen Lärm zu Problemen kommen könnte. „Wir sind das offensiv angegangen“, erklärt die scheidende Klinikdirektorin. Die Idee sei gewesen, dass sich Vorbehalte bei Patienten und Mitarbeitern ehesten aus der Welt schaffen ließen, „wenn wir uns kennenlernen“. Die Klinik holte einen Ombudsmann, der eine Aufklärungsveranstaltung für Mitarbeiter zusammen mit Flüchtlingen organisierte. Patienten seien per Aushang direkt informiert und gebeten worden, sich bei Problemen zu melden. „Wir hatten in den bald zwei Jahren nicht eine Beschwerde.“

Noch heute hat Sinz eine Art Patenschaft für zwei Syrern übernommen und hilft ihnen etwa bei Behördengängen oder Alltagsfragen. Mit der Idee, ein rollierendes Praktika-System für die Geflüchteten zu etablieren, sein sie zwar gescheitert. Allerdings habe es an der Klinik immer wieder Praktikanten aus diesem Kreis gegeben. „Das hat gut geklappt.“

Masterstudium abgeschlossen

Mittlerweile habe sie sich etwas aus dem Helferkreis zurückgezogen, da sie mit einem berufsbegleitenden Fernstudium in allgemeinem Management an der Universität Hagen, das sie jüngst mit einem Masterabschluss beendete, stark ausgelastet gewesen sei, berichtet die gelernte Physiotherapeutin. Nach Aulendorf gebracht hatte sie 2011 ihr erster sozialwirtschaftlicher Studienabschluss an der Hochschule in Kempten; ihre Bacherlorarbeit schrieb sie als damals als Assistentin der Klinikleitung ans Parksanatorium kam. 2012 wurde sie zunächst stellvertretende, 2014 dann Klinikdirektorin.

Katharina Sinz wird sich nach ihrem letzten Arbeitstag in Aulendorf am Freitag, zunächst eine zweimonatige Auszeit nehmen. „Dadurch, dass ich emotional hier sehr verwurzelt bin, wollte ich mir Zeit nehmen, um abschließen zu können und dann mit freiem Kopf in etwas neues starten“, sagt sie.

Den Kopf frei bekommen wird sie bei einer Radtour im Pamirgebirge in Tadschikistan. „Ich wollte schon lange eine Radreise machen“, sagt sie, die sich in Aulendorf auch der Radsportgruppe der SGA angeschlossen hatte. Jetzt wird sie einen Bekannten ein Stück auf dem Pamir-Highway auf bis zu 4600 Meter Höhe begleiten. Am 18. Oktober tritt sie dann ihre neue Stelle als Klinikdirektorin in Wangen an. Nach Aulendorf will sie dann für einen Bildvortrag ans Parksanatorium zurückkommen.

Als Nachfolgerin wird Susanne Kastl Klinikdirektorin des Parksanatoriums und den Posten im September antreten. Kastl ist bislang stellvertretende kaufmännische Leiterin der Klinik Schwabenland, ebenfalls ein Standort der Waldburg-Zeil-Kliniken in Isny-Neutrauchburg.

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