Elke Oberländer

Hitzewelle und anhaltende Trockenheit machen der Landwirtschaft zu schaffen. Vor allem in Nord- und Ostdeutschland fällt die Getreideernte geringer aus und das Tierfutter wird knapp. So schlimm sieht es im Kreis Ravensburg lange nicht aus, sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Waldemar Westermayer. „Aber wir hoffen, dass die Hitzewelle bald vorbei ist.“

Wer dieser Tage von Reute nach Aulendorf fährt, den Kreisverkehr bei Carthago passiert und einen Blick in den Rübenacker rechts wirft, der kann sehen, was die Hitze dort angerichtet hat. Großflächig lassen die Rüben ihre Blätter hängen. „Die haben unter der Trockenheit sehr gelitten“, bestätigt Karl Fritz, Gutsverwalter des Gutsbetriebs Herzog von Württemberg, zu dem auch das Rübenfeld bei Aulendorf gehört. Der Boden sei an der Stelle sehr kiesig und halte Wasser daher nicht gut. „Dass sie die Blätter rollen und auf den Boden legen, ist eine Schutzfunktion, um Wasser zu sparen“, erklärt Fritz.

Die Auswirkungen der Trockenheit sind im Landkreis unterschiedlich stark ausgeprägt: „Bei uns im Allgäu ist es noch etwas grüner“, sagt Westermayer, Landwirtschaftsmeister aus Leutkirch. „Aber im Schussental und Richtung Horgenzell sind die Wiesen schon ganz nett braun, da sieht man fast nur noch Löwenzahn.“ Löwenzahn und Ampfer können dank tiefer reichender Wurzeln der Trockenheit länger trotzen. Was jetzt braun wird, sind die Gräser.

Getreide ist abgeerntet

Keine Probleme sieht der Vorsitzende des Kreisbauernverbands beim Getreide: Notreife habe es im Landkreis Ravensburg nicht gegeben. Nach der Saat und während der Entwicklung der Pflanzen hätten die Äcker genügend Regen bekommen. Jetzt sei das Getreide abgeerntet. „Der Ertrag ist ordentlich“, sagt Westermayer. Und im September, zur Aussaat der Winterfrucht, werde es dann wohl wieder Regen geben. Nur die Zwischenfrucht, die bis dahin den Boden bedecken sollte, müsse in diesem Jahr wegen Trockenheit ausfallen.

Etwas Sorgen macht dem Landwirtschaftsmeister der Mais: Die Pflanzen stehen zwar noch gut da. Aber jetzt beginnen sie, sich von unter her braun zu verfärben. Und gerade jetzt bildet sich der Kolben. Da könnte der Ertrag geringer ausfallen, wenn es nicht bald länger anhaltend regnet. Die wenigen Niederschläge der vergangenen Wochen haben sich im Kreis sehr ungleich verteilt, sagt Westermayer. Wo ein Gewitter kräftigen Regen gebracht hat, haben die Landwirte Glück gehabt. „Bei uns im Allgäu hat es immer mal wieder ein Gewitter gegeben.“

Seinen Kühen macht die Hitze nach Westermayers Worten nichts aus: „Die passen sich an – die gehen nachts raus auf die Weide und tagsüber liegen sie im Stall in ihren Boxen im Schatten.“ So wie die Wohnhäuser müsse man auch die Ställe zurzeit nachts gut durchlüften. Das sei im Allgäu leichter als anderswo: „Bei uns kühlt es nachts gut ab und es geht zum guten Glück immer ein Wind.“ Wo das Vieh tagsüber auf der Weide steht, müsse der Landwirt dafür sorgen, dass die Tiere Schatten finden.

Knapper Futtervorrat

Mit dem Wachstum auf seinen Wiesen war der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes bis jetzt ganz zufrieden: Der erste und der zweite Schnitt seien „ordentlich“ ausgefallen. Der dritte Schnitt habe weniger gebracht, und jetzt würden die Wiesen nicht mehr wachsen. Also fehlten zwei Grünlandschnitte. Einige Landwirte müssten schon jetzt damit beginnen, Silage und Heu zu verfüttern, die eigentlich für den Winter gedacht waren. „Wer knappen Futtervorrat hat, der bekommt jetzt Probleme“, sagt Westermayer.

Ähnlich wie Westermayer sieht auch Landwirt Josef Bentele aus Horgenzell die aktuelle Trockenheit eher gelassen. „Der Mais steht topp“, sagt der Milchbauer, „und das Grünland bringt halt weniger.“ Aus seiner Sicht: „keine Katastrophe.“ In nassen Jahren stehe dafür der Mais schlechter und das Grünland bringe mehr. „Irgendwann gleicht die Natur es wieder aus.“ Und wenn die Kühe in diesem Jahr weniger Milch geben und es auf dem Milchmarkt enger werde, dann steige der Milchpreis.

Bentele erinnert daran, dass in diesem Frühjahr die Grünlandsaison sehr früh begonnen hat. Der erste Schnitt sei schon Ende April erfolgt. „Das war ein guter Anfang, das hat gepasst.“ Und der gute Start habe natürlich Erwartungen geweckt, dass es so weiter geht. Wer solche Erwartungen hatte, dem habe die Trockenheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was das Gras auf seinen eigenen Wiesen angeht, setzt Bentele darauf, dass das Wetter bald wechselt. Und an den höheren Temperaturen kann er sich auch freuen. Denn dank des „italienischen Klimas“ liefert der Pfirsichbaum in seinem Hof zuckersüße Früchte.

Für Gutsverwalter Fritz war die Hitze in der vergangenen Woche etwas zu viel des Guten. Zwar seien Rüben und Mais sonneliebend, trotzdem wird er Anfang kommender Woche beginnen müssen, Teile des Maises zu ernten – einen Monat früher als üblich und mit entsprechenden Ertragseinbußen. Für die Rüben indes hat er Hoffnung, „wenn es bald richtig regnet“.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen