„Hochdeutsch war nie eine Alternative“

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Tobias Gayer (links) und sein Bruder Christoph Gayer haben ihr Debütprogramm überarbeitet.
Tobias Gayer (links) und sein Bruder Christoph Gayer haben ihr Debütprogramm überarbeitet. (Foto: privat/Gayer)
Schwäbische Zeitung

Die „Gruuschd Brothers“ Tobias und Christoph Gayer sind zurück. Die beiden 22 und 29 Jahre alten Brüder stammen aus Aulendorf-Tannhausen und widmen sich in ihrem knapp zweistündigen Comedy-Abend in schwäbischer Mundart allerlei mehr oder weniger weltbewegenden „Problemla“. Paulina Stumm hat vorab mit Tobias Gayer über den Auftritt gesprochen.

Herr Gayer, eine Definitionsfrage vorneweg: Was ist Gruuschd?

Das ist ein urschwäbisches Wort. Ich finde, es drückt auch eine Art Lebensgefühl aus. Man sagt zum Beispiel, bei mit liegt so viel Gruuschd daheim herum. Der stört zwar irgendwie, ist aber auch kein ernsthaftes Problem. Gruuschd, das sind kleine Probleme, Problemla quasi – und um solche geht es auch in unserer Comedy. Unser Name „Gruuschd Brothers“ ist außerdem eine klangliche Anlehnung an die „Blues Brothers“.

Was ist seit dem ersten Auftritt der „Gruuschd Brothers“ im Frühjahr geschehen?

Der Auftritt in Mochenwangen war eine Art Testlauf. Wir haben die Rückmeldungen aus dem Publikum aufgenommen und unser Programm überarbeitet. Einen Programmpunkt haben wir ersetzt, einige Nummern gekürzt und an den Texten gefeilt. Es hatte doch noch einige Schwächen, jetzt ist es besser – glauben wir zumindest.

Wie würden Sie Ihr Programm beschreiben?

Von der Form her sind es viele kurze Nummern und alle auf Schwäbisch. Es sind kurze gespielte Szenen als Gedichte, Lieder, Rap, aber eben auch klassische Spielszenen mit vielen Rollenwechseln – vom Familienvater über den gescheiterten schwäbischen Dichter, den Hundehalter bis zum trägen Beamten.

Sie spielen ausschließlich auf Schwäbisch. Ist Mundart-Comedy derzeit einfach besonders angesagt?

Würden wir machen, was hip ist, würden wir hochdeutsche Stand-Up-Comedy machen – beides gibt es bei uns nicht. Das Schwäbische ist unsere Muttersprache, wir sind es von zuhause aus so gewohnt. Und wir glauben, unser Publikum auch. Wir haben zum Beispiel eine Nummer über die Verwirrungen der vielfältigen Wahlmöglichkeiten in Sachen Kaffeebestellung. Darin kann sich unser Publikum bestenfalls selbst wiederentdecken. Aber diese Nähe und Identifikationsmöglichkeit zu schaffen, das geht nur über das Schwäbische. Wir haben auch Figuren, die eben nur im Schwäbischen funktionieren. Das bruddlige Allgäuschwäbisch im Vergleich zum Stuttgarter Honoratiorenschwäbisch oder auch zum Aulendorfer Schwäbisch – das macht es doch spannend. Hochdeutsch war nie eine Option.

Haben Sie einen schwäbisches Lieblingswort?

Also Gruuschd ist ganz vorne mit dabei, und natürlich bruddla – da schwingt im Klang schon die ganze Bedeutung mit. Einen netten, wenn auch etwas schwarzhumorigen, Ausdruck finde ich: „Leih mr s Gwehr.“ Das sagt man, wenn etwas nicht gut läuft, wenn beispielsweise das Auto nicht anspringt. Es ist so schön geizig-schwäbisch. Nicht: „Gib mr s Gwehr“, sondern nur leihen will man es. Da schwingt also mit, das Gegenüber bekommt es auf jeden Fall wieder.

Ihren Auftritt werden Sie und Ihr Bruder allerdings nicht alleine bestreiten...

Ja genau, der Aulendorfer Musiker Daniel „Earl“ Unger wird dabei sein und zwischen unseren Nummern spielen. Er spielt nicht nur Gitarre sondern mehrere Instrumente gleichzeitig. Er begleitet uns zudem bei den Liedern, die wir selbstgeschrieben haben.

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