„Hat das Piercing Ihre Karriere negativ beeinflusst?“

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„Hat das Piercing Ihre Karriere negativ beeinflusst?“
Simone Harr

Was macht eigentlich eine Bundestagsabgeordnete? Wie sieht ihr Tagesablauf aus? Wie ist Angela Merkel privat? Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben Aulendorfer Jugendliche Agnieszka Brugger gelöchert. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen war am Donnerstag in den Kinder- und Jugendtreffgekommen, um sich über die Jugendarbeit in Aulendorf zu informieren. Bruno Sing von der BUS hatte den Termin organisiert.

„Ich möchte Eure Ideen in einen Rucksack packen und mit nach Berlin nehmen“, sagte Brugger. Sie war beeindruckt von dem neuen Internetauftritt des Treffs. „Ich habe selbst einen Blog und eine Homepage und bin auf Twitter aktiv. Ich habe gesehen, dass der Jugendtreff auch auf Twitter ist. So eine tolle Online-Strategie wie bei Euch habe ich noch nirgendwo entdeckt“, sagte sie. Es sei eine tolle Ergänzung zur klassischen Jugendarbeit. Gerade in der ländlichen Region hätten Jugendliche nur wenig Möglichkeiten sich ohne Erwachsene zu treffen. „Jugendliche brauchen diese Räume. Daher ist es wichtig, dass die Politik die Jugendarbeit unterstützt“, sagte sie. Der Kinder- und Jugendtreff sei ein tolles Angebot, das wertgeschätzt werden muss“, betonte Brugger.

In einer kurzen Runde stellten sich die Jugendsozialarbeiter des CJDs Marco Eckle, Yauhen Lukashevich und Andreas Schirrmeister, Franz Thurn und Bruno Sing von der BUS, Klaus Poppenmaier vom AKA und Jugendbegleiter Ivan Tokarev sich selbst sowie den Jugendtreff, das Projekt Wika, den AKA und den CJD vor.

Die Jugendlichen hatten sich zuvor Fragen für Frau Brugger überlegt. Sie ist mit 26 Jahren die jüngste weibliche Bundestagsabgeordnete. „Mussten Sie häufig gegen Vorurteile ankämpfen?“, wollte Mehmet (13) von ihr wissen. „Politiker sind meist ältere Menschen. Da habe ich mich schon gefragt, wie sie reagieren, wenn ich den Bundestag komme. Ich war ganz froh, dass ich es nicht so erlebt habe“, antwortete Brugger. Sie habe schnell gemerkt, dass es viel mehr zähle was sie sagt und nicht wie sie aussehe. „Hat das Piercing ihre Karriere negativ beeinflusst?“, fragte der elfjährige Mehmet. „Während des Wahlkampfes kamen ältere Menschen zu mir an den Stand und haben gesagt: Eine Bundestagsabgeordnete mit Piercings das geht nicht. Es geht aber mehr darum was aus dem Mund rauskommt als was an dem Mund dran ist“, sagte Brugger. Artur wollte wissen, ob die Bundestagsabgeordnete Kanzelerin Angela Merkel persönlich kenne. „Ich sehe und höre Angela Merkel dort ganz häufig. Eine Kollegin von mir war einmal mit ihr auf Auslandsreise und hat mir gesagt, dass die Kanzlerin total nett und entspannt ist “, erzählt Brugger.

Lukas fragte die Bundestagsabgeordnete nach ihrem Gehalt: „Wieviel verdienen sie?“, fragte er. „Es ist nicht so wenig. Man möchte, dass die Bundestagsangeordneten unabhängig sind. Ich bekomme 7960 Euro brutto und eine Abgeordnetenpauschale von 4029 Euro. Das Geld von der Pauschale ist beispielsweise für die zweite Wohnung oder das Büro in Ravensburg. Ich habe ungefähr 5000 Euro netto im Monat“, sagte sie.

Die Jugendlichen sind beeindruckt. „Rechne das mal aufs Jahr um“, flüsterte der zehnjährigen Timo seinem Kumpel neben sich zu. „Wie sieht ihr Tagesablauf in Berlin denn aus?“, möchte er wissen. „Ich habe eher eine typische Wiche. Am Montag habe ich Besprechungen und plane mit meinen Mitarbeitern die Woche. Am Dienstag trifft sich die Grünen-Fraktion. Am Mittwoch treffe ich mich mit Kollegen aus den anderen Parteien in den Ausschüssen. Bis Freitag bin ich im Bundestagsplenum. Ein Tag dauert mindestens elf bis zwölf Stunden. Jede Minute ist verplant“, sagte sie. Jugendbegleiter Ivan Tokarev kann sich vorstellen in die Politik zu gehen. „Es ist interessant, man kann viel bewegen und verdient viel Geld“, sagte er.

Waren es in der Osteria rund 20 Jugendliche, die zum Treffen mit Agnieszka Brugger gekommen waren, waren es am Abend zum Bürgergespräch 15 Erwachsene. Hauptthema war der Bahn- und Straßenverkehr. „Wir haben in Baden-Württemberg einen Flickenteppich an Verkehrsverbünden“, sagte Manfred Blumenschein. Bruno Sing sprach sich für einen Verkehrsverbund von Ulm bis zum Bodensee aus. „Da müsste es im Zuge der Elektrifizierung der Südbahn ein Verkehrskonzept geben“, sagte er. Auch der Aulendorfer Bahnhof war Thema. „Ich kann es nicht verstehen, dass es hier keine Toiletten gibt und der Bahnhof nicht barrierefrei ist. Ich werde hier bei der Bahn nachhaken“, sagt Brugger. Auch mit dem baden-württembergischen Verkehrsminister möchte sie Kontakt aufnehmen. „Ich kann ihnen versprechen, dass ich mit Winne Hermann den Dialog suchen“, sagte sie.

Außerdem diskutierten die Bürger mit Agnieszka Brugger über den Ausbau der B30/B31, die Gesamtschulen, den Alkoholkonsum bei Jugendlichen, die Rüstungsindustrie und die Jugendarbeit.

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