Großbrand: Wind facht Glut erneut an

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Schwäbische Zeitung

Im Kreis Ravensburg scheinen sich derzeit die Großbrände zu häufen; die abgebrannte Lagerhalle des Aulendorfer Wertstoffhofs, der Großbrand in Wangen, bei dem ein Wohngebäude betroffen war, der Kirchenbrand in St. Jodok in Ravensburg und nun der Großbrand auf dem Gelände des LAZBWs. Im Moment gebe es sicher eine Häufung, sagt auch Kreisbrandmeister Oliver Surbeck, 2017 sei hingegen statistisch ein ruhiges Jahr in Sachen Großbrände gewesen. Viele Einsätze machten den ehrenamtlichen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren zu schaffen. „Viele gehen am nächsten Tag ja wieder zum Schaffen“, so Surbeck. Er sei aber überzeugt, dass es auch wieder weniger Einsätze würden. (pau)

Die Aulendorfer Feuerwehr ist nach dem verheerenden Brand auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Zentrums (LAZBW) in Aulendorf auch am späten Dienstagmittag wieder zu Nachlöscharbeiten ausgerückt. Die Rauchschwaden, die von den Strohbergen ausgingen, waren weithin sichtbar. Das Stroh und Heu war in der Brandnacht aus dem brennenden Gebäude dorthin ausgelagert worden. Die Ermittlungen zur Brandursache sind indes auch am Dienstag weitergegangen. Noch ist völlig offen, wie der Gebäudekomplex in Brand geraten konnte, heißt es vonseiten der Polizei.

Speziell ausgebildete Kriminalbeamte, die sogenannten Brandermittler des Kriminalkommissariats Ravensburg, sind im Einsatz. Dass sie ihre Arbeit aufgenommen haben, ist nichts ungewöhnliches bei einem Brand dieses Ausmaßes. Sie würden, so teilt ein Sprecher des Polizeipräsidiums auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ mit, immer dazukommen, wenn nicht klar sei, wie und wodurch ein Brand entstanden ist und aufwändige Ermittlungen anstehen. Auf ihrer Spurensuche wird die Kriminalpolizei auch ein Brandsachverständiger unterstützen. Das hat die Staatsanwaltschaft Ravensburg angeordnet. Solche Brandsachverständige können etwa vom Landeskriminalamt kommen.

Während die Brandursache derzeit noch völlig unklar ist, wird zumindest vermutet, dass das Feuer im Bereich des Rauhfutterlages ausgebrochen ist, wie Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidiums Konstanz bereits am Montag in einer gemeinsamen Pressemitteilung berichteten.

Spurensuche muss warten

Sobald ein sicheres Betreten des Brandortes möglich sei, würde geschaut, ob die Ermittler an Brandschutt gelangen könnten, der für sie interessant sei, beschreibt ein Polizeisprecher das Vorgehen. Betreten werde das Gebäude aber erst, wenn keine Gefahr, etwa durch herabfallende Gebäudereste, mehr bestehe. Das könne noch ein paar Tage dauern. Zeitdruck gebe es dabei keinen. Auch, bis wann mit Ergebnissen zu rechnen ist, ist derzeit nicht absehbar. Sollten noch Brandschuttproben untersucht werden, kann es Tage bis Wochen dauern, bis deren Ergebnisse feststehen.

Grundsätzlich arbeiten die Brandermittler nach dem Ausschlussverfahren. Zunächst würde versucht, zu lokalisieren, wo der Brand entstand. Und dann geprüft, ob dort etwa Elektrik vorhanden sei oder nicht, und man eine technische Ursache ausschließen könne. In einem solchen Fall bliebe, in Richtung fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung zu ermitteln. „Aber soweit sind wir in diesem Fall noch nicht, noch ist alles völlig offen“, so der Sprecher.

Bei der Aulendorfer Feuerwehr hoffte man am Dienstagnachmittag, dass der Einsatz endgültig abgeschlossen ist. Noch am späten Montagnachmittag war sie wieder bis gegen 23 Uhr zu Nachlöscharbeiten ausgerückt. „Es war ein 36-Stunden-Tag“, sagte Feuerwehrkommandant Huchler. „Irgendwann reicht es“, sagt Huchler, denn nach jedem Einsatz steht für die Feuerwehrangehörigen auch immer noch das Aufräumen und Putzen an, schließlich muss alles sofort wieder einsatzbereit gemacht werden. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Gegen 18.30 Uhr zogen am Dienstag erneut starke Rauchschwaden von den Strohbergen aus, die aus dem Brandgebäude stammen und auf den Wiesen unterhalb des Zentrums abgelegt wurden. Der Wind hatte die Glutnester wieder entfacht. Dort und am Brandgebäude selbst musste die Feuerwehr wieder mehrere Stunden nachlöschen.

Einsatz verlangt viel ab

Der Einsatz in der Nacht zum Montag hat den Feuerwehrangehörigen und Einsatzleiter Huchler volle Aufmerksamkeit abverlangt. Noch vor ein paar Jahren hatte die Aulendorfer Wehr auf dem Gelände des LAZBWs eine Übung abgehalten. Die Örtlichkeit etwas zu kennen, half bei dem Einsatz. Sehr froh zeigt sich Huchler auch darüber, dass Kursteilnehmer und Mitarbeiter des LAZBWs die Tiere bereits aus den Ställen getrieben hatten, so habe man sofort mit dem Abschirmen des neuen Milchviehstalls beginnen können. „Ich weiß nicht, was noch stehen würde, wenn die Lehrgangsteilnehmer nicht gewesen wären.“

Wie aber trifft ein Einsatzleiter Entscheidungen, wenn um ihn herum quasi Feuerchaos ausgebrochen ist? Er habe erst „ein paar Mal durchgeschnauft“, sagt Huchler und dann entschieden, was wichtig ist und was gemacht werden muss. „Am Anfang, bis die Führungsgruppe steht, bist du allein und triffst Entscheidungen.“ Die Führungsgruppe ist quasi „die rollende Schreibstube“ mit vier entsprechend ausgebildeten Feuerwehrangehörigen. Hier laufen die Informationen zusammen. Auch die Bad Waldseer Führungsgruppe war zur Unterstützung vor Ort. Insgesamt waren fünf Feuerwehren mit rund 170 Männern und Frauen im Einsatz. Ihr Einsatz musste entsprechend koordiniert, eine Befehlskette eingerichtet und die Hierarchie eingehalten werden; „und dann galt es, gemeinsam zu arbeiten und Ruhe zu bewahren“.

Millionenschaden bei Brand in Aulendorf
Schon wieder hat es in Aulendorf gebrannt. Diesmal am Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg. Erst im Februar war auf dem Aulendorfer Wertstoffhof ein Feuer ausgebrochen. Und auch diesmal geht der Schaden in die Millionen. Am Tag nach dem Großbrand haben die Aufräumarbeiten und auch die Suche nach der Brandursache begonnen.

Im Kreis Ravensburg scheinen sich derzeit die Großbrände zu häufen; die abgebrannte Lagerhalle des Aulendorfer Wertstoffhofs, der Großbrand in Wangen, bei dem ein Wohngebäude betroffen war, der Kirchenbrand in St. Jodok in Ravensburg und nun der Großbrand auf dem Gelände des LAZBWs. Im Moment gebe es sicher eine Häufung, sagt auch Kreisbrandmeister Oliver Surbeck, 2017 sei hingegen statistisch ein ruhiges Jahr in Sachen Großbrände gewesen. Viele Einsätze machten den ehrenamtlichen Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren zu schaffen. „Viele gehen am nächsten Tag ja wieder zum Schaffen“, so Surbeck. Er sei aber überzeugt, dass es auch wieder weniger Einsätze würden. (pau)

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