Gregor Simon und Hermann Ulmschneider überzeugen bei „Trompete und Orgel – festlich virtuos“

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Gregor Simon (links) und Hermann Ulmschneider verstehen sich auch privat gut.
Gregor Simon (links) und Hermann Ulmschneider verstehen sich auch privat gut. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Beim Konzert von Gregor Simon an der Orgel und Hermann Ulmschneider an der Trompete haben die goldverbrämte Barockausstattung der Martinskirche und die virtuos interpretierten Stücke barocker Komponisten für ein Hörerlebnis gesorgt, das die Gefühlswelt des Barock, schwankend zwischen Heiterkeit und Melancholie, eindrucksvoll nachzeichnete.

Drei Jahre ist es her, dass Gregor Simon und Hermann Ulmschneider ihr erstes gemeinsames Konzert bestritten. Seither treten die beiden gerne als Duo auf und beweisen dem Publikum nicht nur ihre Virtuosität am Instrument, sondern auch ihre absolute Homogenität im Zusammenspiel. Dies zeigte sich schon beim Auftaktstück, dem Konzert in D-Dur von Georg Philipp Telemann: Die Einsätze beider Instrumente erfolgten wie aus einem Guss, gefolgt von kristallklaren Trompetentönen, die der Organist dezent untermalte. Daran schlossen sich die temporeich voranpreschenden Tonfolgen des Allegros, die ebenfalls von einem blinden Verständnis zwischen Orgel und Trompete zeugten.

Vier kleine Präludien von Johann Sebastian Bach gaben Gregor Simon Gelegenheit, seine Souveränität an der Orgel solistisch unter Beweis zu stellen. Ebenso wie in Bachs Fuge c-Moll BWV 574 lotete er das ganze Spektrum der Orgel aus, die durchaus in der Lage ist, ein komplettes Orchester zu ersetzen. Dabei wechselten hingetupfte Tonfolgen mit scherzoähnlichen Momenten, auf grummelnde Bässe folgten perlende Läufe bis zum markanten Schlussakkord.

Die Sonate D-Dur von Johann Christoph Pepusch betonte die heitere Seite des Barock. Im Largo ebenso wie im Marsch unterstrich Hermann Ulmschneider seine Bläserkunst durch strahlende, teils fanfarenartige Trompetentöne, die selbst in den höchsten Lagen makellos erklangen. Schön auch jene Passagen, die an ein Zwiegespräch zwischen den Instrumenten erinnerten. Im Wechsel gaben die Orgel und Trompete kleine Sequenzen vor, die jeweils vom Partner aufgenommen und weitergeführt wurden. Das Prinzip des Dialogs erlebte man auch in einer freien Meditation zwischen den Interpreten, zu der Ulmschneider die Orgelempore mit den Stufen des Hauptaltars vertauschte. Mannigfach wurden Tonvolumen und Tonhöhe variiert. Dazu kamen Echoeffekte, markant akzentuierte Stellen verwandelten sich in hurtige Läufe, Töne schienen zu verfliegen, um sich schließlich zu einem furiosen Ende aufzubäumen. Ein Feuerwerk, das mit Szenebeifall und Bravorufen belohnt wurde.

Seine kompositorischen Fähigkeiten stellte Gregor Simon im Programmpunkt „Freie Orgelimprovisation“ unter Beweis. Als Grundlage der Improvisation sollte ein Lied aus dem dem Gotteslob dienen, das sich die Besucher beim Eintritt wünschen konnten, wobei der Titel „Geborgen in dir Gott“, die meisten Stimmen erhielt. Mit Guiseppe Tarinis von volksliedhaften Momenten durchsetztem Concerto in d-Dur kam erneut beschwingte Heiterkeit ins Spiel und die Musiker zogen nochmals alle Register ihres Könnens. Damit setzten sie ein weiteres Glanzlicht und einen imponierenden Schlusspunkt hinter ein Konzert, das seinem Titel „Trompete und Orgel – festlich virtuos“ mehr als gerecht geworden war.

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