Gott zur Ehr und den Menschen zur Freud

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Die Aulendorfer Martinskirche ermöglicht den Musikern eine hervorragende Akustik.
Die Aulendorfer Martinskirche ermöglicht den Musikern eine hervorragende Akustik. (Foto: Monika Fischer)
Schwäbische Zeitung
Monika Fischer

Dass ein umfangreiches Ensemble aus Blech- und Holzbläsern, unterstützt durch Schlagwerke, in einer Kirche auftritt, ist eher selten der Fall. Klar, dass sich eine erkleckliche Zahl von Musikfreunden dieses Ereignis nicht entgehen ließ. Der Dirigent des Musikvereins Blönried-Zollenreute, Christoph Schoch, hat für seine über 40 Instrumentalisten ein Konzertprogramm zusammengestellt, das in der hervorragenden Akustik der Martinskirche voll zur Geltung kam.

Wer am späten Sonntagmittag das Bläserkonzert in St. Martin besuchte, den begleitete ein Teil des frühlingshaften Sonnenlichts ins Kircheninnere. Einzelne Strahlen tanzten sogar über Hörnern und Trompeten und ließen sie golden aufblitzen. Entsprechend fröhlich gestalteten die Musiker das Eingangsstück, Jacob des Haans Concerto d’Amore, das mit einem raumfüllenden Fortissimo begann.

Zu den Blechbläsern der Anfangstakte gesellten sich Zug um Zug weitere Instrumentalregister. Begleitet von Schlagzeug und Trommel kreierten sie eine Bandbreite von Gefühlen, die l’amore, die Liebe, umschrieben. Im Folgestück „Prayer of St. Gregory“, dem „Gebet des heiligen Gregor“, übernahm Daniel Kieble die solistischen Einsätze und blies mit schönem Ansatz glasklare Trompetentöne, die sich in schwindelerregende Höhen schraubten.

Mit „Bist du bei mir“, gab es eine Hommage an Johann Sebastian Bach, während „Carrickfergus“ die Zuhörer nach Nordirland in die gleichnamige Stadt entführte. Die gefühlvollen Soli blies diesmal Martin Bücheler auf seinem Tenorhorn. Für Albert Freys Titel „Jesus berühre mich“, der auch als Song bekannt ist, hatten die Veranstalter den Text im Programmflyer abgedruckt. Trotz der Einladung von Dirigent Schoch waren die Sänger jedoch gewaltig in der Minderzahl. Vermutlich ist die Melodie einfach zu wenig bekannt, oder das Publikum wollte sich den Hörgenuss des schön musizierten Stücks nicht entgehen lassen.

Aus der Feder des amerikanischen Komponisten Stephen Melillo hatte Christoph Schoch zwei Werke ins Programm genommen. Im Song „Never forgotten“ gestalteten Querflöten, Klarinetten und Saxofone einen sehr melodischen Beginn, an den sich markante Trommel- und Beckentöne schlossen, während leicht schräge Harmonien den Schluss bildeten. Melillos zweites Stück „For the Love of Johann“ basierte auf einem Thema von Johann Sebastian Bach und bestach durch meditativ-fließende Passagen. Zwischen beiden Stücken erklang Leonard Cohens mitreißendes „Hallelujah“, bei dem das Thema eingängig variiert und durch Schlagwerke untermalt wurde.

Als Programmschluss hatte der Dirigent den Hit „We are the world“ gewählt, der von Michael Jackson und Lionel Richie komponiert wurde. Der Song stammt aus einem Projekt von 45 weltberühmten Popstars, die 1985 gemeinsam Geld sammelten zur Linderung der katastrophalen Hungersnot in Äthiopien. Das Ensemble musizierte überaus homogen, wobei das Thema von Register zu Register sprang. Nachdem sich die Zuhörer ausnahmslos an die Vorgabe gehalten hatten, nicht zwischen den Stücken zu klatschen, gab es endlich Gelegenheit für Applaus – und der erfolgte mit viel Herzlichkeit.

Doch damit war das Konzert noch nicht beendet, denn die Musiker griffen erneut zu ihren Instrumenten. Mit viel Gefühl intonierten sie das Lied „Großer Gott wir loben dich“, in das die Konzertbesucher diesmal begeistert einstimmten . Hatte Ensemblemitglied Reinhard Müller schon bei der Begrüßung des Publikums zum Mikrofon gegriffen, so übernahm er auch die Verabschiedung. In sein großes Dankeschön schloss er Sybille Leser ein, die für eine erkrankte Flötistin eingesprungen war. Dafür gab es sogar Blümchen.

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