Schwäbische Zeitung
Dietmar Hermanutz

Aulendorf - Die Stadtkapelle Aulendorf hat am Wochenende ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert und die Besucher begeistert.

Gänsehaut, wenn rund 1000 Musiker auf dem Aulendorfer Schlossplatz zusammen mit den Highland Pipe and Drums unter der Leitung von Horst Dölle „Highland Cathedral“ anstimmen. Gänsehaut, wenn die Fahnenträger von 30 Musikkapellen unter frenetischem Jubel aller Musiker in das Festzelt einziehen. Gänsehaut, wenn Kinderscharen beim Festumzug herzallerliebst hergerichtet Themenschwerpunkte aus der Geschichte und dem Leben Aulendorfs präsentieren. Gänsehaut, wenn im Festgottesdienst die befreundete Brassband Hauptwil aus der Schweiz das Stück Stål Himmel anstimmten.

Auf der Ehrentribüne, die mit dem Schirmherr des Jubiläums, Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf, Landrat Kurt Widmaier, Bürgermeister Mathias Burth, Landtagsabgeordneter Paul Locherer und Reinhard Koppers, Präsident des Kreismusikverbands, machte das Wort Gänsehaut erstmals die Runde – und fürwahr: Besser und prägnanter lässt sich nicht beschreiben, was die Aulendorfer da am Sonntag alles auf die Beine gestellt haben.

Burth sprach aus, was wohl alle so spürten, es war ein wunderbares Geschenk für die Stadt mit ihren Bürgern, das Vereinsjubiläum mit einem großen Fest und einem Gesamtchor auf dem Schlossplatz zu feiern. Der Landrat dirigierte, vermutlich zum letzten Mal vor so großer Kulisse, den Allgäu-Schussenmarsch. Jochen Schlagmann dirigierte beim Fehrbelliner Reitermarsch sowohl die knapp 1000 Blasmusiker, als auch den Fanfarenzug Aulendorf, und dem langjährigen Dirigenten Horst Dölle war es vergönnt, noch einmal „Highland Cathedral“ mit den Dudelsäcken aus Bad Waldsee und Bad Saulgau zu leiten.

Pünktlich zum Umzugsbeginn schob die Sonne die Wolken beiseite und zwischen den Kapellen marschierten abwechslungsreiche Kindergruppen zur Stadtgeschichte, zum Handwerk und zu Märchen und Fabelwesen. Als der bunte Lindwurm am Festzelt ankam, waren es die Musiker vom Musikverein Kressbronn, die mit ihrem Repertoire genau den Nerv der Musikerkollegen trafen und das Zelt in eine brodelnde Menschenmasse verwandelten.

Helmut Heydt nutzte souverän die gute Stimmung und moderierte den Fahneneinzug, bei dem das ganze Zelt auf den Bänken stand und den Fahnenabordnungen frenetisch Beifall spendete. „Es ist der Applaus für den Umzug, jede Kapelle wird einzeln begrüßt und präsentiert“, erklärt Thomas Jans vom Musikverein Baienfurt. Zum Frühschoppen hatte der Musikverein Ebersbach aufgespielt und Dirigent Fridl Schoch dirigierte eine Welturaufführung. Als Gastgeschenk für alle Kapellen hatte der Aulendorfer Trompeter den Marsch „Ewige Freunde“ komponiert. Georg Eisele, ein Ehemaliger der Stadtkapelle, ist einer der Zuhörer dieser Uraufführung. „Das hat mir sehr gut gefallen, wir sind richtig stolz, wenn wir solche Musiker im Verein haben“.

Ein Grund, dankbar zu sein

Der lange und schöne Festtag begann mit dem Festgottesdienst um 8.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin – für manchen vielleicht etwas zu früh, nachdem es am Abend zuvor mit der Partyband Alpenmafia spät geworden war. Die Brassband aus Hauptwil im Thurgau beeindruckte im Gottesdienst mit konzertant anspruchsvoller Musik. Pfarrer Gebhardt Gauss oblag die Ehre der Predigt: Auf bemerkenswerter Weise legte er das Evangelium aus, schuf Beziehungen zwischen dem Jubiläumsfest und der Hochzeit zu Kanaan und kam zum Ergebnis, dass man in der 150-jährigen Geschichte nicht nur das Bier genossen, sondern auch das Weihwasser geschätzt habe. Solch ein Fest und solch ein dauerhaftes Vereinsleben gelingt nur, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt und das, so Gauss, ist sehr wohl ein Grund dankbar zu sein.

Weitere Bilder finden Sie unter

www.schwäbische.de/stadtkapelle

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