Familie Ahnert geht nach Tansania

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Thomas und Doris Ahnert fühlen sich mit Tansania und den Menschen dort verbunden. Immerhin haben sie schon einmal zehn Jahre do
Thomas und Doris Ahnert fühlen sich mit Tansania und den Menschen dort verbunden. Immerhin haben sie schon einmal zehn Jahre dort gelebt. (Foto: Paulina Stumm)
Schwäbische Zeitung

Morogoro ist eine Stadt in Tansania, gute 6800 Kilometer Luftlinie von Aulendorf entfernt und ab Herbst das neue Zuhause von Familie Ahnert aus Zollenreute. Denn Doris und Thomas Ahnert gehen als Entwicklungshelfer in das ostafrikanische Land und nehmen zwei ihrer vier Kinder mit. „Wir sind hier so gesegnet in diesem Land, da können wir gut ein paar Jahre dort investieren, wo Menschen Hilfe brauchen“, sagen sie. Dabei ist die Auswanderung auf Zeit für die Ahnerts auch eine Art Rückkehr, denn Tansania ist das Land, in dem die Geschichte der Familie 1994 beginnt. „Für uns ist es ein Stück Heimat“, sagt Thomas Ahnert.

Noch sind einige Monate Zeit, bis die Ahnerts voraussichtlich im September ins Flugzeug steigen. Die Vorbereitungen laufen aber bereits, wie die beiden in ihrem Wohnzimmer in Zollenreute erzählen. Doris Ahnert ist gelernte Erzieherin, Mutter und hat sich am Institut für christliche Lebensberatung in begleitender Seelsorge fortgebildet. Ihr Mann ist studierter Elektrotechniker und arbeitet als Klinikingenieur in der Strahlentherapie. Kennen- und lieben gelernt haben sich die beiden 1994 in einem Sprachkurs in Tansania, wo sie sich in verschiedenen Entwicklungshilfeprojekten einbrachten. Zehn Jahre blieben sie dort, bekamen drei Kinder, bevor die Familie nach ihrer Rückkehr 2004 bei der christlichen Dornbuschgemeinschaft in Zollenreute landete. „Als wir gegangen sind, haben wir gehofft, dass es uns noch mal möglich sein würde, in Tansania zu arbeiten“, sagt Thomas Ahnert.

Beide sprechen Swahili

Dieser Wunsch erfüllt sich nun für den 48-Jährigen, seine Frau und die jüngeren der mittlerweile vier Kinder. Die Älteren werden für Studium und Ausbildung in Deutschland bleiben. Dass es ein Projekt in Tansania wurde, freut die Ahnerts besonders. „Wir wären auch in ein anderes englischsprachiges Land gegangen“, sagt Doris Ahnert, aber für Tansania würden sie auch sprachliche Vorkenntnisse mitbringen. „Sprache ist der Schlüssel zu den Menschen“, sagt die 50-Jährige. Beide sprechen die Nationalsprache Swahili.

Ein Schlüssel, der sicher sehr von Nutzen sein wird, denn ansonsten steigen die Ahnerts in ein Projekt der Jugendsozialarbeit ein, das es eigentlich noch gar nicht gibt. Sie unterstützen den Aufbau eines Wohn- und Ausbildungszentrums für ehemalige Straßenjungen. Bislang gibt es dafür allerdings lediglich die Idee und das Grundstück, dass die tansanische Organisation Safina Street Network als Träger des Projekts gekauft hat. „Es führt schon eine Straße dorthin“, verdeutlicht Thomas Ahnert, demnächst soll mit dem Bau der ersten Gebäude begonnen werden. Neben der Baubegleitung werden die Ahnerts auch inhaltliche Konzepte ausarbeiten.

Hilfe für ehemalige Straßenkinder

„Man hat oft erlebt, dass ehemalige Straßenkinder, wenn sie eine Ausbildung machen, noch Hilfestellung benötigen“, erklärt Doris Ahnert den Ansatz des Projekts und mit Blick auf die oft traumatischen Erfahrungen der Straßenkinder. Auf dem Safina-Gelände sollen daher Wohngruppen entstehen, wo die Jugendlichen begleitet von einheimischen Sozialarbeitern lebenspraktische Fähigkeiten entwickeln sollen. Vorgesehen ist auch, Ausbildungswerkstätten dort anzugliedern. „Erst mal geht es ums Anfangen und darum, mit einem Ausbildungszweig zu starten“, erklärt Thomas Ahnert und hat dabei den IT- und Computerbereich als Erstes im Blick. Aber auch die Bereiche Gastronomie und Landwirtschaft könnten folgen. „Ziel ist es“, sagt Doris Ahnert, „die Jugendlichen praktisch zu fördern, in ihrer Persönlichkeit zu stabilisieren und in ihrem Glauben zu stärken.“

Keine leichte Entscheidung

Leicht gemacht haben sich die Ahnerts die Entscheidung, nochmals als Entwicklungshelfer in ein fernes Land zu gehen, nicht. Die Entscheidung reifte über drei Jahre. „Wenn unsere Kinder gesagt hätten, das können sie sich nicht vorstellen oder das wollen sie nicht, hätten wir den Gedanken nicht weiterverfolgt“, sagen sie. Ab Juli und über die Sommerferien werden die Ahnerts zusammen mit anderen staatlich geförderten Entwicklungshelfern in einer Akademie der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) auf ihren Einsatz vorbereitet. Dazu gehören neben einer Einführung in Kultur und Sprache auch ein Sicherheitstraining und Englischunterricht für die Kinder, die in Tansania eine internationale Schule besuchen werden. Statt eines Gehalts werden die Ahnerts ein sogenanntes Unterhaltsgeld bekommen. Die Kosten ihres Aufenthalts trägt zu drei Vierteln der deutsche Staat, ein Viertel wird über Spenden finanziert.

Kraft, diesen „Schritt, der auch Mut braucht“ zu gehen, so Doris Ahnert, gibt ihnen ihr Glaube. „Es war wie eine Tür, die aufging, und Gott sagte: Das dürft ihr jetzt machen“. Den Grund, wegzugehen, hätten sie keinen, es gehe ihnen hier sehr gut. „Wir fühlen uns von Gott getragen und gestärkt, das zu tun“, erklärt Doris Ahnert, Abenteurer seien sie beide von ihrer Persönlichkeit her nicht.

Die Ahnerts gehen über die Organisation Christliche Fachkräfte International (CFI), einem staatlich anerkannten Entwicklungsdienst und Partner der Trägerorganisation vor Ort, nach Tansania. Ihr Vertrag läuft über drei Jahre und kann danach um maximal weitere drei Jahre verlängert werden. CFI entsendet weltweit Fachkräfte, die einheimische evangelische Kirchen und christliche Organisationen in ihrem Dienst vor Ort unterstützen. Schwerpunkt ist die Förderung und Ausbildung einheimischer Mitarbeiter. Safina Street Network ist der Projektpartner von CFI in Tansania. Die 202 gegründete Organisation kümmert sich vor allem um die Belange von Straßenkindern und deren Familien. (pau)

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