Erntesaison: Auf den Straßen sind wieder Mähdrescher unterwegs

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Große Maschinen sind bei der Ernte im Einsatz und für Anwohner und Autofahrer mitunter eine nervenaufreibende Sache.
Große Maschinen sind bei der Ernte im Einsatz und für Anwohner und Autofahrer mitunter eine nervenaufreibende Sache. (Foto: pr/Seifert)
Schwäbische Zeitung

Die Erntezeit hat begonnen. Für das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Seifert aus Tannhausen bedeutet das: viel Arbeit, mitunter bis spät in die Nacht. Über Konfliktpotenzial mit Anwohnern, neue Vorgaben zum Naturschutz und Corona-Auswirkungen hat Paulina Stumm mit Unternehmer Harald Seifert gesprochen.

Herr Seifert, die Erntezeit steht an. Womit geht es los?

Los geht es immer mit der Wintergerste, die haben wir jetzt schon zu 80 Prozent geerntet. Dann geht es Ende Juli weiter mit Raps, dann kommen Sommergerste, Weizen und Hafer. Der Mais kommt als letztes, ab Ende September.

Wird es eine gute Ernte dieses Jahr?

Überraschend gut für die Witterung, die wir im Frühjahr hatten. Die Trockenheit war für das im Hebst gesäte Getreide ein Problem. Wenn in einem gewissen Entwicklungsstadium der Regen fehlt, wird das Wachstum zurückgefahren. Auf Feldern mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit reift das Korn dann nicht gleichmäßig, da muss man abwägen, wann der richtige Zeitpunkt ist, zu dreschen.

Aktuell hat der Landtag neue Regeln für den Artenschutz verabschiedet. Ein Ziel: deutlich weniger Pestizide auf Äckern. Verändert das Ihre Arbeitsweise?

Es wird sich schon etwas ändern, ja. In der Landwirtschaft haben wir in den letzten Jahren aber schon viel gemacht, etwa mit Blühstreifen und Gewässerabständen. Es ist nicht der richtige Weg, uns in der Nahrungsmittelproduktion noch mehr Vorgaben zu machen. Letztlich leidet die Produktionsfläche darunter. In Coronazeiten sehen wir ja gerade, wie schnell Transportwege unterbrochen sind, und wie gering in Deutschland unser Selbstversorgungsgrad ist. Das größte Potenzial sehe ich ohnehin in den Gärten und öffentlichen Grünflächen. Auch was die Pestizide angeht, die außerhalb der Landwirtschaft verbraucht werden, sollte mal genauer erforscht und eingedämmt werden. Um Nahrungsmittel in der nötigen Menge zu erzeugen, brauchen wir in der konventionellen Landwirtschaft die Chemie. Wir setzen sie aber ohnehin schon sparsam ein.

Schlägt sich Corona bei Ihnen in den Betriebsanläufen nieder?

Von der Auftragslage her merken wir gar nichts, die Tiere brauchen weiter Futter und geerntet werden muss auch. Aber sonst müssen wir schon schauen, dass wir den Abstandregelungen nachkommen. Eng zusammen zu sitzen oder zu arbeiten, versuchen wir so gut es geht zu vermeiden. Wir sind so gut es geht im Freien und nicht mehr in Aufenthaltsräumen. Unsere Fahrzeuge werden jetzt fahrerspezifisch zugewiesen.

Mit wie vielen Fahrzeugen und Mitarbeitern sind Sie im Einsatz?

Wir sind im Umkreis von zehn Kilometern um Aulendorf im Einsatz mit acht Mähdreschern, die Getreide ernten, und zwei Strohpressen. Wir sind zehn, zwölf Mitarbeiter, alle wegen der saisonalen Arbeit geringfügig beschäftigt. Einige machen das so nebenher oder in ihrem Urlaub.

Gibt es Konflikte mit Anwohnern – immerhin fahren Sie auch bis in die späten Abendstunden?

Das können wir uns nicht aussuchen, wir müssen ernten, wenn es trocken ist. Das geht dann schon mal bis in die Nacht hinein oder auch samstags und sonntags. Gerade, wenn die Erntearbeiten in die Nacht hinein gehen, bekommen wir auch mal Polizeibesuch, weil sich jemand beschwert hat. Die Polizisten schauen dann, ob wir Arbeiten machen, die auch morgen oder bei Regen machbar sind, oder ob wir wirklich noch Arbeiten erledigen, die jetzt gemacht werden müssen. Die Behörden sind da mittlerweile gut geschult. Es gab aber auch noch nie eine Situation, wo wir wirklich streiten mussten. Oft hilft auch ein persönliches Gespräch mit denen, die sich beschweren. Ein anderes Thema ist, dass wir jetzt viel auf den Landstraßen unterwegs sind. Ich hoffe, dass sich die Autofahrer vor Augen halten, dass derzeit hinter jeder Kurve oder in unübersichtlichen Waldstücken ein landwirtschaftliches Fahrzeug unterwegs sein kann, und vorsichtig fahren. Wenn sich Schlangen hinter uns bilden, sind unserer Fahrer angewiesen, zügig raus zu fahren und sie vorbei zu lassen, aber das geht eben nicht überall und immer sofort. Wir müssen da gegenseitig rücksichtig aufeinander nehmen.

Was ist Ihr Lieblingsmoment im Erntegeschäft?

Mein Lieblingsmoment ist das Erntedankfest, wenn der letzte Wagen eingefahren ist, ein Saisonabschluss ohne dass etwas passiert ist. Und die Maisernte; auch wenn sie in einem so schlechten Licht steht, ist sie mein Highlight. Da sind fünf Fahrzeuge unterwegs, die abtransportieren, einer häckselt auf dem Feld, einer verdichtet auf dem Hof: da arbeiten immer sieben Leute Hand in Hand zusammen und es ist ein kleiner Wettbewerb: jeder will am Abend das bessere Team gewesen sein. Das macht einfach Spaß.

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