Eine ungewöhnliche Kinderführung mit Gruselfaktor

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 In der Bibliothek zeigt Martin Gallasch bei der Kinderführung die Kopie eines wertvollen, alten Buches über die Fechtkunst
In der Bibliothek zeigt Martin Gallasch bei der Kinderführung die Kopie eines wertvollen, alten Buches über die Fechtkunst (Foto: Claudia Buchmüller)
Claudia Buchmüller

Dieses Jahr hat sich die Stadt Aulendorf in Kooperation mit dem Fanfarenzug etwas Besonderes einfallen lassen, gab es doch im Anschluss an den Kürbisgeisterumzug eine Schlossführung für Kinder im Schein von Taschenlampen.

So drängten sich unzählige Kinder und Erwachsene ins Rathaus und kurzzeitig ging es höchst turbulent zu. „Wir werden gerade regelrecht überrollt“, sagte Susanne Krause von der Stadtverwaltung lachend, „das sind viel mehr, als angemeldet waren“. Als dann die Gruppen eingeteilt und die Eltern sich verabschiedet hatten, begaben sich je 25 Kinder ab sechs Jahren und mehrere erwachsene Begleitpersonen mit den Schlossführern Michael Osdoba und Martin Gallasch zeitgleich, aber auf verschiedenen Wegen auf Schlosserkundung.

Die „Schwäbische Zeitung“ war mit Martin Gallasch unterwegs, der mit seiner Gruppe zuerst den Schlossturm bestieg, von Angreifern berichtete und auf die dicken Mauern aufmerksam machte. Nach etlichen Treppenstufen öffnete er eine Tür und plötzlich standen alle vor der Theke der heutigen Gästeinformation. Nach einem Blick ins Gefängnis ging es weiter in die Männertoilette, was bei manchen Mädels ungläubiges Staunen, begleitet von einem schüchternen Kichern hervorrief.

Schlossführer Gallasch erzählte von den früheren Bewohnern und bezog auf äußerst sympathische, kindgerechte Art seine Gruppe mit ein. So lies er die Kinder etwa nach dem gräflichen Wappen suchen und viele Lichtkegel huschten gespenstisch durch den ansonsten dunklen Raum. Weiter ging es gefühlte 100 Treppenstufen hinauf zum Dachboden, vorbei an herunterhängenden Fledermäusen, die im Licht der Taschenlampen geisterhafte Schatten an die Wände warfen. Eine Riesenspinne am vergitterten Fenster und ein toter Rabe machten das Szenario perfekt. Wobei die Jungs das Tier unerschrocken auf Echtheit prüften und feststellten, dass es „nur aus Plastik“ ist.

Die Mädels interessierten sich mehr für den Blick über die Stadt. „Was sind das ganz dort hinten für Striche, die bis in den Himmel hoch gehen“, fragte ein Mädchen den Schlossführer, worauf dieser erklärte, das sei die Seilbahn auf den Hochgrat. Durch eine Dachluke kletterten die Kinder später sogar ins Freie, bevor es auf Dienstbotenwegen weiter ging zum Marmorsaal, ins Musikzimmer und in die ehemalige Schlossküche. In der Bibliothek warfen alle einen Blick in eine Kopie eines mehrere Hundert Jahre alten Fechtbuches und am Modell des Schlosses erklärte Gallasch abschließend die Wege durch die Gebäude, welche die Gruppe gegangen war.

Nach einer knappen Stunde konnten die Eltern ihre Sprösslinge, die begeistert vom nächtlichen Erlebnis berichteten, wieder in Empfang nehmen. Und für die Schlossführer ging es weiter mit den nächsten beiden Gruppen.

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