Eine deutsch-deutsche Geschichtslektion

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Auf der Bühne ist für das Stück eine Mauer aufgebaut.
Auf der Bühne ist für das Stück eine Mauer aufgebaut. (Foto: Monika Fischer)
mofi

Am Studienkolleg St. Johann ist eines der wohl aufwendigsten Projekte der Theaterklasse aufgeführt worden: das Stück „1989 – Die Wand“. Geschrieben hat es Geschichtslehrer und Theaterpädagoge, Pierre Groll, der die Euphorie um den Mauerfall als westdeutscher Schüler während einer Klassenreise im November 1989 hautnah miterlebte. Sein Ziel: das Leben unter einer Diktatur sowie das Glück einer Demokratie für die heutige Jugend erfahrbar zu machen

Der Aufführung ist dies dank des überzeugenden Textes, der sorgfältig geführten, höchst engagierten mehr als sechzig Schauspieler, hilfsbereiter Kollegen und Eltern sowie einer anspruchsvollen Bühnentechnik gelungen. Im Vordergrund stand der Gedanke, das Publikum gefühlsmäßig einzubinden. So mag sich vielleicht mancher Besucher schon beim Betreten des Foyers gefragt haben, warum der Strom der Zuschauer durch zwei verschiedene Eingänge in den Saal gelotst wurde. Der Grund: Eine eigens für die Aufführung gebaute Bühne zog sich durch die Halle, eine weiß getünchte Mauer versperrte den Blick in die jeweils andere Hälfte des Raums. So saß man links im Ost-, rechts im Westteil Berlins. Was im jeweiligen Teil der Stadt passierte, wurde per Video live auf eine Leinwand in der anderen Saalhälfte übertragen.

Zum Auftakt gab es eine Szene im Westen, in der sich eine Schülertruppe im Februar 1989 auf Klassenfahrt in Berlin mehr für Shopping und Saufgelage interessiert als für die geteilte Stadt. Durch den Fund einer bewusstlosen jungen Frau an der Bornholmer Straße wurde die Gruppe jedoch indirekt mit den Vorfällen an der DDR-Grenze konfrontiert. Den Grund für die Verletzung des Mädchens Kathrin erklärte die nachfolgende Szene.

Missglückter Fluchtversuch an der Bornholmer Straße

Dort spielte sich der Fluchtversuch von Kathrins Freund Martin und seinem Kumpel ab, die mittels eines von Kathrin über die Mauer geschleuderten Seils in den Westen zu klettern versuchten. Das Vorhaben scheiterte, Kathrins stürzte. Chris wurde durch Schüsse getötet, während Martin schwer verletzt überlebte und inhaftiert wurde. Weitere Szenen zeigten die Verhörmethoden der Staatssicherheit, die auf Linientreue getrimmten FDJ-Mädchen und Jungen und den beginnenden Widerstand in der Bevölkerung.

Begleitet wurden die Szenen durch Fotos von Originalschauplätzen, dazu kamen Einspieler historischer Szenen. Musikalische Unterstützung gab es von der Lehrerband „Burnout“. Sie begeisterten mit Songs wie „Another Brick In the Wall“ und „Wind Of Change“.

Jene Zuschauer, die in den „Osten Berlins“ geleitet wurden, wurden von einem echten Trabi überrascht, der per Radlader ins Gebäude gehievt wurde. Am Ende gab es eine Menge Beifall für die Lektion in deutsch-deutscher Geschichte.

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