Ein Verteidiger der Jugend nimmt Abschied

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Viele Jugendliche fragen Yauhen Lukashevich jetzt, wer sich künftig um ihre Belange kümmert. Sie haben eine Abschiedswand gestal
Viele Jugendliche fragen Yauhen Lukashevich jetzt, wer sich künftig um ihre Belange kümmert. Sie haben eine Abschiedswand gestaltet. (Foto: P. Stumm)

Es ist Leben an diesem Montagnachmittag im Aulendorfer Jugendtreff. Ein paar Jungs sind am Billardtisch beschäftigt, die anderen sitzen am Rand, schauen zu, unterhalten sich oder hören Musik. „Ich geh dann“, meldet sich ein Jugendlicher bei Yauhen Lukashevich ab. Dabei ist es der Jugendsozialarbeiter selbst, der bald geht. Nach sechs Jahren in Aulendorf widmet er sich ab dem kommenden Jahr einer neuen beruflichen Herausforderung. Leicht fällt dem 38-Jährigen der Abschied nicht, auch wenn die Anfänge vor sechs Jahren alles andere als einfach waren.

„Ich habe immer versucht, die Rechte und Freiheiten der Jugendlichen zu verteidigen“, sagt Lukashevich. 2010 war das auch nötig, hatte die Aulendorfer Jugend seiner Zeit doch keinen guten Ruf. „Es gab Probleme“, sagt der scheidende Jugendsozialarbeiter und zeigt auf ein Bild, das neben anderen Bildern, Berichten und Dokumenten im Jugendtreff ausgestellt ist. „Scheiß Polizei“ steht da auf einem Plakat, das in der Stadt hing. Gelassenheit, viel Geduld, aufsuchende Jugendarbeit und ein Kommunikationsstil, der die Jugendlichen nicht vorverurteilte, sei damals nötig gewesen, erinnert sich Lukashevich.

Anfängliche Skepsis überwunden

Dass ihm vonseiten der Jugendlichen in dieser Zeit auch einige Skepsis entgegenschlug, sei schon eine Herausforderung gewesen. Trotzdem, einige der Jugendliche von damals, die etwa den Jugendplatz im Spitalweg mit aufgebaut haben, trifft er noch heute ab und an. „Sie sagen dann: das habe ich mit aufgebaut und sind stolz, dass von ihrer Arbeit noch etwas übrig geblieben ist.“

Langfristig denken, darum dreht sich viel in der offenen Jugendarbeit, nicht alles auf einmal machen. Und auch in Aulendorf gab es verschiedene Projektphasen, die unterschiedliche Schwerpunkte hatten. Nachdem es in der Anfangszeit viel darum ging, Verständnis für die Jugendarbeit zu wecken, Netzwerkarbeit zu leisten und „den Konflikt zwischen jung und alt klein zu halten“, startete 2011 mit „Wir können auch anders“ (Wika) das bis 2014 laufende Projekt mit dem Fokus Prävention.

Die Einteilung in Projektphasen hat dabei auch einen finanziellen Hintergrund. Lange Zeit war die Jugendarbeit auf Bundesmitteln angewiesen, mit denen eben bestimmte Projekte und Konzepte geförderte wurden. „Sponsoring ist auch heute noch sehr wichtig“, sagt Lukashevich, auch wenn die Stadt mittlerweile einen Etat für die Jugendarbeit stellt.

„Wir haben die offene Jugendarbeit in einem gewissen Rahmen entwickelt“, sagt Lukashevich, „aber man darf jetzt keinen Punkt setzen, sondern muss sich über weitere Projekte unterhalten.“ Der Jugendsozialarbeiter denkt dabei auch an die Aufstockung der Stelle. Bislang umfasst sie 75 Prozent. Zu wenig, um allen Aufgaben gerecht zu werden. Dabei sieht Lukashevich ein Tätigkeitsfeld auch in der Jugendbeteiligung, wie sie in der neuen Gemeindeordnung verankert ist, bei der Umsetzung von Ideen aus dem Stadtentwicklungskonzept Isek, aber auch speziellen Gruppenangeboten, etwa nur für Mädchen oder einen Freizeittreff für Grundschüler.

Jugendteam springt ein

Dass Lukashevich Aulendorf Ende November verlassen wird, macht auch unter den Kindern und Jugendlichen mittlerweile die Runde. „Es ist eine große Verunsicherung, die Frage, wie es jetzt weiter geht, kommt immer“, sagt Lukashevich über die vergangenen Tage. Wer sich in Zukunft als Jugendsozialarbeiter um den Jugendtreff und seine Besucher kümmern wird, kann auch Lukasehvich ihnen nicht beantworten. Im Dezember allerdings, werde das Jugendbegleiterteam, koordiniert von Andre Gorte, einspringen. „Es ist toll. Egal, wie es weiter geht, es gibt einen ehrenamtlichen Kreis, der einspringt.“ Auch ein Zeichen, dass es eigentlich gut bestellt sei um die Jugendarbeit.

In den Räumen des Jugendtreffs stehen die Zeichen indes schon auf Abschied: über die Wand über der kleinen Bühne haben Jugendliche jüngst den Pinsel geschwungen. In neun Sprachen steht dort nun: Tschüss.

Eine von den ehrenamtlichen Jugendbegleitern organisierte Abschiedsfeier für Yauhen Lukashevich gibt es am Dienstag, 29. November, ab 15 Uhr im Jugendtreff. Welche Projekte es seit 2010 für die Kinder und Jugendlichen gegeben hat, zeigt ab sofort eine Fotogalerie sowie Dokumentationen und Berichten, die im Jugendtreff ausliegen. Für den Dezember hat das Jugendbegleiter-Team sich auf folgende leicht eingeschränkte Öffnungszeiten festgelegt: Montag: 12 bis 14 Uhr und 16 bis 20 Uhr, Dienstag: 16 bis 20 Uhr, Mittwoch: 16 bis 20 Uhr, Donnerstag: 12 bis 14 Uhr und 16 bis 20 Uhr, Freitag: 16 bis 20 Uhr.

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