Ehemaliges Altenheim soll Familien-Treff werden

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Ein Familienzentrum als Ort der Begegnung könnte im ehemaligen Speisesaal des APH entstehen.
Ein Familienzentrum als Ort der Begegnung könnte im ehemaligen Speisesaal des APH entstehen. (Foto: archiv: Pau)
Paulina Stumm

Das ehemalige Alten- und Pflegeheim in Aulendorf (APH) könnte künftig ein Familien- und Integrationszentrum beherbergen. Das sieht ein Konzept der Caritas Bodensee-Oberschwaben vor. Vorgestellt wurde es am Montagabend bei der ersten Sitzung des Integrationsbeirats der Stadt.

Derzeit wird das städtische Gebäude von der Stadt als Anschlussunterkunft für vor allem Syrer genutzt, die vor dem Bürgerkrieg aus ihrem Heimatland geflüchtet sind. Davor stand das Gebäude leer, die Stadt wollte es verkaufen. Im Obergeschoss ist zudem vorgesehen, Zimmer zusammenzulegen, um Flüchtlingsfamilien unterzubringen. Nun liegt mit den Ideen der Caritas auch für den ehemaligen Speiseraum und die Hausmeisterwohnung im Erdgeschoss ein Nutzungskonzept vor. „Unsere Idee ist der Aufbau eines Familienzentrums, in dem auch das Integrationsmanagement verankert ist“, erklärte Stefan Fischer, Flüchtlingssozialarbeiter der Caritas in Aulendorf und erläuterte das Konzept. Dazu müssten die Räume umgebaut werden, sodass Büros, ein Veranstaltungs- und ein Gruppenraum samt Teeküche entstünden.

Begegnungen ermöglichen

Demnach ist zum einen an eine Art Bürger- und Familientreff gedacht, in dem sich Familien und Senioren, einheimische und zugezogene, begegnen können – etwa in bestimmten Freizeit- und Bildungsangeboten, einer Eltern-Kind-Gruppe oder auch in Selbsthilfegruppen. Zudem soll das Familienzentrum Anlaufstelle für Informationen zu verschiedene Beratungs- und Hilfsangeboten sein, etwa der Migrationshilfe, der Sozial- und Lebensberatung oder auch für die Vermittlung von Tagesmüttern. Es gehe nicht darum, Parallelstrukturen aufzubauen, erklärte Fischer. Vielmehr solle ein Ort geschaffen werden, an dem vorhandene Angebote vernetzt und ausgebaut werden. Der Caritasmitarbeiter betonte zudem, dass ein „Eigenengagement“ nötig sei. Die Caritas geht in ihrem Konzept von einer halben Stelle für einen Leiter des Treffs und schlägt einen Programmbeirat vor, der im Sinne der Besucherbeteiligung neue Angebotsideen entwickelt und umsetzt.

Integrationsmanagement geplant

Als zweite Zielgruppe hat der Hofgarten-Treff geflüchtete Menschen im Blick, deren Asylverfahren noch läuft sowie diejenigen, die einen gesicherten und geduldeten Aufenthaltsstatus haben – aber auch an Menschen mit Migrationsgeschichte, die bereits seit längerem in Aulendorf leben. In diesem Bereich soll es ein spezielles, vom Land mindestens zwei Jahre lang gefördertes Integrationsmanagement geben. Ein bis zwei Sozialarbeiter in Vollzeit würden demnach Einzelpersonen oder Familien in ihrem Integrationsprozess begleiten und Bildungswege aufgezeigt, Ausbildung- und Berufsziele definiert. Aber auch Sprachförderung und Wohnungssuche sind Themenbereiche für das Integrationsmanagement.

Als zentrale Herausforderung nennt das Konzept die berufliche Integration von Geflüchteten und sieht etwa vor, zusammen mit der Integrationsbeauftragten und dem Helferkreis Asyl Aulendorf einen Stellenpool von gemeinnütziger und ehrenamtlicher Arbeit zu schaffen – „um sprachliche Fortschritte zu fördern und die Teilhabe am Arbeitsleben zu gewährleisten“, wenn die Betroffenen keiner regulären Arbeit nachgehen dürfen. Auch in diesem Bereich sollen vorhandene Strukturen genutzt und gebündelt werden. So sind etwa die Angebote des Helferkreises genauso unter diesem Dach gefasst wie etwa externe Behörden, etwa durch Außensprechstunden der Migrationsberatung und des Jobcenters.

Finanzierungsfrage klären

„Das ganze kostet Geld“, erklärte Bürgermeister Matthias Burth, der für die Finanzierung auch auf weitere Fördertöpfe hofft. Die Personalkosten für das Familienzentrum würde im Wesentlichen die Stadt übernehmen, gefördert möglicherweise durch einen Zuschuss des Landkreises. Die Sozialarbeiter für das Integrationsmanagement sollen weitgehend über Landeszuschüsse aus dem Pakt für Integration bezahlt werden. Dieser sieht vor, die baden-württembergischen Kommunen 2017 und 2018 mit jährlich insgesamt 90 Millionen Euro bei den Kosten für die Anschlussunterbringung und die Integration zu entlasten.

Geld in die Hand nehmen müsste die Stadt Aulendorf auch für den Umbau der Räume des Familien- und Integrationszentrums. Wie Stefan Fischer erläuterte, will sich die Caritas um Drittmittel bemühen, um die Stadtkasse zu schonen. Laut Sitzungsvorlage berät zudem die katholische Kirchengemeinde in Aulendorf darüber, ob sie das Vorhaben mit 10 000 Euro unterstützen kann. Der Gemeinderat wird sich am kommenden Montag in öffentlicher Sitzung mit dem Konzept befassen. Sollte er sich für das Projekt aussprechen, wird die Stadt einen Kosten- und Finanzierungsplan ausarbeiten. Starten könnte das Familien- und Integrationszentrum wohl frühestens zu Beginn des kommenden Jahres.

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