Drei Experten sprechen über Blühprojekte

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 Autorin Simone Kern gab eine „Unterrichtsstunde“ in Biologie, Botanik und Gartenbau.
Autorin Simone Kern gab eine „Unterrichtsstunde“ in Biologie, Botanik und Gartenbau. (Foto: Claudia Buchmüller)
Claudia Buchmüller

Eine Fülle von Informationen für einen naturnahen Gartens haben die etwa 150 Interessierten am Donnerstagabend im Hofgartensaal in Aulendorf bekommen. Der Vortrag ist Teil der Bürgerkampagne „Blühender Landkreis“, die von der Leutkircher Stiftung Elobau und dem Landkreis Ravensburg ins Leben gerufen wurde.

Anschaulich stellte Stiftungsvorstand Peter Aulmann die Idee hinter der Kampagne in vor: „Jeder soll mitmachen können, der ein Stück Garten ökologisch aufwerten und zum Blühen bringen möchte, um damit Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten einen Lebensraum zu bieten“. Hierfür standen drei verschiedene, ökologisch sehr wertvolle Saatgutmischungen, die per Internet bestellt werden konnten, kostenfrei zur Verfügung. Wie Aulmann ausführte, war die Reaktion auf die Blühkampagne riesig und das kostenfreie Saatgut ist bereits vergriffen, bereits bestelltes soll im April zugeschickt werden. Insgesamt haben 3675 Haushalte teilgenommen, was einer Blühfläche von acht Hektar entspricht.

Insekten bestäuben Nahrungspflanzen

Zum Thema „Natürlich gut gestaltete Gärten“ sprachen dann drei Experten. Landschaftsarchitektin und Autorin Simone Kern gab eine lebendige „Unterrichtsstunde“ in Biologie, Botanik und Gartenbau. Den bedrohlichen Rückgang der Insekten könne jeder nach einer Autobahnfahrt, bei der hinterher kaum mehr ein Insektenschwamm zum Einsatz komme, selbst feststellen, führte sie aus. Diesem weltweiten Problem müsse man aktiv entgegenwirken. Hier sei jeder Einzelne gefordert, wo doch 70 Prozent der Nahrungsmittel von der Bestäubung durch Insekten abhängig seien. Die Anwesenden erfuhren viel über den Lebensraum und die Bedürfnisse von Insekten und was im Garten getan werden kann, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. Hierzu gehöre die Wahl der richtigen, sprich überwiegend heimischen Pflanzen, möglichst keine überzüchteten Sorten.

Mit vielen Beispielen belegte Kern den Jahreskreislauf von den Frühblühern über Sommerblüher bis zur Herbstbepflanzung ebenso wie das Schaffen von Unterschlupfmöglichkeiten und Nistplätzen in Form von Totholz und Natursteintrockenmauern. Auch offene Flächen seien notwendig und selbst Giersch und Brennesseln, oftmals als Unkraut bezeichnet, hätten ihre Daseinsberechtigung als Nahrungsangebot. Die Raupe des Tagpfauenauges etwa sei so spezialisiert, dass sie ausschließlich auf der Brennnessel zu finden sei. In diesem Zusammenhang bat sie die Zuhörer, vor allem auf den Winter hin, auch Abgeblühtes und Stängel stehen zu lassen, worüber sich Insekten, Kleingetier und nicht zuletzt die Vögel freuen würden. Ein insektenfreundlicher, harmonisch gestalteter Garten spreche alle Bewohner an, Mensch und Tier, beendete die engagierte Gartengestalterin ihre Ausführungen.

Bad Saulgau setzt auf Blumenwiesen

Dass diese Harmonie von Mensch und Tier sich auch im urbanen Raum bewerkstelligen lässt, zeigten die Referenten aus Bad Saulgau. Gärtnermeister Jens Wehner, Leiter der Stadtgärtnerei, und Umweltbeauftragter Thomas Lehenherr stellten einige der ökologischen Projekte vor, die sie im Laufe der vergangenen Jahrzehnte auf den Weg gebracht haben. Nicht umsonst trägt die Stadt den Titel Landeshauptstadt der Biodiversität. Neben umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen wurden auch acht Naturlehrpfade angelegt. Am 17. Mai wird ein Naturthemenpark eingeweiht.

Sehr interessant waren die Ausführungen zur Umgestaltung des Straßenbildes weg von monotonen Anlagen überzüchteter Pflanzen hin zu einer naturnahen Form mit Blumenwiesen, heimischen Stauden und kleinen Apfelbäumchen. Selbst die Blumenkübel werden mit Gewürzen bepflanzt, die von den Bürgern geerntet werden dürfen. „Seither haben wir in Bad Saulgau kaum noch Vandalismus und Pflanzendiebstahl“, sagte der Gärtnermeister. Im Anschluss an die städtischen Beispiele erhielten die Gäste eine ausführliche Anleitung zum Anlegen einer Blühfläche im eigenen Garten.

Da während des offiziellen Teils aus Zeitgründen nicht alle Fragen der Zuhörer beantwortet werden konnten, bildete sich eine lange Schlange von Wissbegierigen, die das persönliche Gespräch suchten. Mit nach Hause nehmen konnten die Anwesenden etwa die Bad Saulgauer Gartenfibel einschließlich Pflanzlisten und verschiedenes Infomaterial vom BUND Aulendorf.

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