Dieter Langlouis: „Das Kreuz hat mich gesucht“

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Claudia Buchmüller

Flur- oder Wegkreuze sind im katholisch geprägten süddeutschen Raum keine Seltenheit. Aufmerksame Wanderer finden diese an Straßen und Wegkreuzungen, am Feldrand, im Wald oder auch auf dem Gelände eines größeren Gehöfts. Die meisten dieser Kreuze stammen aus vergangenen Jahrhunderten und wurden von der Bevölkerung als Zeichen ihres Glaubens aufgestellt. Auf ihrem Weg zur Arbeit haben die Menschen kurz angehalten, sich bekreuzigt oder ein Gebet gesprochen. Die Geschichte, die hinter dem von Pater Balthasar Rengga SVD eingeweihten Wegkreuz von Familie Langlouis ist in der heutigen Zeit dennoch ungewöhnlich.

Der gebürtige Tannhauser Dieter Langlouis ist überzeugt, dass das Kreuz ihn gesucht hat. „Schon als kleiner Junge war ich fasziniert von Feld- und Wegkreuzen“, erzählte er den 50 Gästen aus Tannhausen und Aulendorf, die am vergangenen Samstag zur offiziellen Kreuzweihe gekommen waren. Als der selbstständige Unternehmer beruflich im Heimatmuseum Weingarten zu tun hatte, sei er mit dessen Leiter, dem bekannten oberschwäbischen Heimatkundler Jürgen Hohl ins Gespräch über Feldkreuze gekommen.

„Sie schickt der Himmel“, habe dieser geantwortet. Sei ihm doch erst vor wenigen Tagen ein kunstgeschmiedetes Wegkreuz angeboten worden, das er wegen des Investitionsstopps nicht für das Museum erwerben könne. Stattdessen kaufte Langlouis das Kreuz und bekam dieses zufällig auch noch am „Weißen Sonntag“ geliefert. Leider ist über die Herkunft nicht bekannt, lediglich, dass es aus Tuttlingen kommt. Ob es ein ehemaliges Weg- oder Friedhofskreuz ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Viele Helfer wirken mit

Gut vier Monate war Langlouis dann in seiner knappen Freizeit mit einer Zahnbürste am Werk und befreite das Objekt vom Schmutz vieler Jahrzehnte. „Ich habe unzählige Tipps und Hinweise betreffs der Restaurierung bekommen“, freute er sich. Irgendwie habe sich dann eines zum anderen gefügt. Den Stein, der heute den Sockel des Kreuzes bildet, habe er bei Theoboldts entdeckt und sei von Volker mit dem Bagger gebracht worden. Und die notwendige Verlängerung für die Befestigung im Stein habe „der Reisch Gerd“ angeschweißt, fasste er den weiteren Verlauf der Aktion zusammen.

Die von Claudia Heinzelmann angebrachte Inschrift „Lieber Mensch, gedenk‘ für Dich, gehst Du vorbei, so grüße mich – Vater unser“ sei eine Mischung aus zwei Bibelversen und solle die Vorbeigehenden zum Innehalten und Nachdenken anregen. „Ein schnelles Vaterunser kann nie schaden“, meinte der Initiator, „das geht sogar im Auto beim Vorbeifahren“.

Ortsvorsteherin Margit Zinser-Auer übergab als Zeichen der Anerkennung seitens des Ortschaftsrates ein Geldkuvert für künftigen Blumenschmuck und bedankte sich für das Engagement der Familie Langlouis und die daraus entstandene Bereicherung des Ortsbildes. Sie hoffe, dass sich mancher Vorbeikommende von der Inschrift inspirieren lasse und einen kurzen Moment inne hält.

Nach der von Pater Balthasar vollzogenen Weihe, und dem gemeinsam gesungenen Lied „Laudato Si“ endete der offizielle Teil mit dem Segen für die Anwesenden und allen künftig vorbeikommenden Menschen. Danach ging es zum gemütlichen Teil mit Kaffee, Kuchen und Getränken im Schutz des Langlouis‘schen Carports über. „Es ist schön, dass der Glaube in allen Generationen noch einen Stellenwert hat, sonst wären heute nicht so viele junge Familien gekommen“, freute sich eine ältere Dame aus Tannhausen.

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