„Die Steyler Verbundenheit bleibt“

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Aus dem Archiv der Steyler Missionare: Ein Foto vom Grottenfest in Blönried. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung
Simone Harr

Der katholische Pfarrer Anantham Antony geht durch die Gänge des Missionshauses St. Johann der Steyler Missionare in Blönried. Am Ende eines Flures stapeln sich die Umzugskartons. Die Regale in der Bibliothek sind leergeräumt. Die Akten und Dokumente sind in das Missionshaus St. Wendel transportiert worden. Am Montag geht endgültig eine Ära zu Ende. Dann verlassen die Steyler Missionare nach fast 90 Jahren das Missionshaus in Blönried. Personelle und finanzielle Gründe zwingen sie, die Kommunität aufzulösen. Von seinen vier Mitbrüdern sind drei in das Missionshaus St. Wendel versetzt worden. Ein Mitbruder geht in die Niederlade ins Mutterhaus.

Pfarrer Antony fällt der Abschied sichtlich schwer. Bevor er die Pfarrstelle in Aulendorf antrat, lebte er zwei Jahre im Missionshaus in Blönried und war als Schulseelsorger am Studienkolleg St. Johann tätig. Auch danach war er oft im Missionshaus – sei es zu Gesprächen, Gottesdiensten oder einfach zum Mittagessen. „Es ist uns als Ordensleute wichtig, in der Gemeinschaft zu leben. Wir externen Patres müssen jetzt entscheiden, wo und wann wir uns in Zukunft treffen. Das ist momentan alles offen“, berichtet Pfarrer Antony. Bisher war das Missionshaus ihr Treffpunkt. „Wir haben hier die großen Geburtstage gefeiert oder wenn jemand frei hatte, dann konnte er unangemeldet kommen. Das war für und wie ein Zuhause uns dieses Zuhause fällt jetzt weg“, sagt Pfarrer Antony.

Doch bei all diesen Veränderungen ist es ihm wichtig zu betonen: „Wir lösen die Hauskommunität auf. Wir gehen aber nicht aus Oberschwaben weg. Die Steyler Verbundenheit bleibt.“ Es gebe nach wie vor acht externe Patres. „Sie wohnen von Ehingen bis an den Bodensee und wirken vor Ort. Vier von ihnen sind in der Pfarrseelsorge. Die anderen sind Hausgeistliche“, sagt Pfarrer Antony. In Aulendorf seien sie zu zweit.

Seit 1969 sei die Pfarrstelle in Aulendorf von den Steyler Missionaren besetzt und sei ist zugesichert, dass dies weiter so bleibt. „Es ist dennoch ein großer Umbruch für uns, daher müssen wir Gespräche mit der Diözese und der Provinzleitung der Steyler Missionare führen, wie wir uns in Zukunft entwickeln wollen“, sagt Pfarrer Antony.

Die Auflösung der Kommunität betrifft auch die drei Schwestern, die für den Haushalt im Missionshaus verantwortlich waren und in einem Arbeitsverhältnis zu den Steyler Missionaren standen. „Ihnen wurde betriebsbedingt gekündigt. Aber zwei haben schon neue Stellen in Deutschland bekommen. Eine von ihnen macht eine Ausbildung“, berichtet Pfarrer Antony. Auch die Sekretärin ist durch den Auszug arbeitslos. „Wir hoffen, dass sie schnell eine neue Arbeit findet“, sagt er.

Die gut erhaltenen Möbel aus Blönried werden in den Missionshäusern der Steyler Missionare weiterverwendet. „Die uralten Möbel werden entsorgt“, sagt Pfarrer Antony. Was mit dem restlichen Inventar passiert, werde mit der Schulstiftung Studienkolleg St. Johann Blönried abgesprochen. „Seit 2008 gehören das Missionshaus und die Kirche der Schulstiftung. Wir Steyler hatten bis jetzt kostenloses Wohnrecht“, erklärt Antony.

Am Sonntag, 29. September, ist der offizielle Abschied von den Steyler Missionaren. Dieser beginnt um 9.30 Uhr mit einem Dankgottesdienst, den Pater Ralf Huning, Provinzial der Steyler Missionare, als Hauptzelebrat gestaltet. „Wir danken Gott für die Begleitung in so vielen Jahren, in denen es Aufs und Abs gab inklusive der Kriegszeit. Wir wollen an die Menschen denken, die mit dem Missionshaus verbunden sind“, sagt Pfarrer Antony. Zu dem Dankgottesdienst seien viele Ehrengäste eingeladen – darunter Vertreter der Diözese, des Dekanats, des Studienkollegs St. Johann, der Ravensburger Landrat Kurt Widmaier und der CDU-Landtagsabgeordnete Rudi Köberle. Der Musikverein Blönried-Zollenreute und der Chor der Schule begleiten den Gottesdienst musikalisch. „Anschließend gibt es in der Mehrzweckhalle des Studienkollegs die Möglichkeit zur Begegnung“, sagt Pfarrer Antony.

Die Menschen in Blönried seien sehr verbunden mit dem Missionshaus. Sie hätten beim Aufbau mitgeholfen und in der Nachkriegszeit Mitbrüder aufgenommen. „Die Verbundenheit bleibt im Herzen, auch wenn wir nicht vor Ort sind“, ist sich Pfarrer Antony sicher.

Der 0ffizieller Abschied von den Steyler Missionaren aus Blönried beginnt am Sonntag, 29. September, um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Anschließend sind die Feierlichkeiten in der Mehrzweckhalle des Studienkollegs St. Johann mit Grußworten.

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