Die Schussen schlängelt sich wieder

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Gleich drei ökologische Maßnahmen werden derzeit in Aulendorf an der Schussen und am Steegersee umgesetzt. Planer Jürgen Rapp, Bauleiter der Firma Hebel Markus Wrage, ökologischer Fachbauleiter Jochen Kübler, Planer des Büro Wasser-Müller Niels Ullrich, Bürgermeister Matthias Burth und Sachgebeitsleiter des Landratsamtes Ravensburg Klaus Ruff (von links) machten sich ein Bild vor Ort. (Foto: Simone Harr)
Schwäbische Zeitung
Simone Harr

Die Renaturierung der Schussen in Aulendorf geht voran. Der ehemals begradigte Fluss schlängelt sich in einzeln Abschnitten wieder durch das Wiesental am Steegersee. Das Projekt ist eine Ausgleichsmaßnahme für das Gewerbegebiet Oberrauhen. Insgesamt werdeb derzeit drei ökologische Maßnahmen realisiert: Die Renaturierung der Schussen, die Vernässung der Storchenwiese und die Tiefenwasserableitung am Steegersee.

Die Schussenrenaturierung

Die Schussen war im Zuge der Flurbereinigung wie viele andere Gewässer begradigt worden. „Davor hat sich der Fluss durch die ganze Talaue geschlängelt“, berichtet Klaus Ruff, Sachgebeitsleiter für Gewässer des Landratsamtes Ravensburg. Durch die Begradigung habe sich unter anderem der Lebensraum der Tiere verschlechtert. Die Schussen sei im Abschnitt Aulendorf kanalartig ausgebaut gewesen und habe eine gleichmäßige Strömung gehabt. „Wir hatten hier keine Nischen für Wasserlebewesen“, erklärt Ruff.

Laut EU-Wasserrahmenrichtline sollen die Gewässer daher wieder in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden. „Die Länder und Landkreise sollen die Richtline bis 2015 umsetzten, aber das ist nicht leistbar“, sagt Ruff. Ein realistischer Zeitraum sei das Jahr 2027. Denn mit der Renaturierung seien hohe Kosten verbunden. Zudem müssten die Fläche dafür zur Verfügung stehen.

Im Aulendorfer Fall gehörte ein Großteil der Wiesen dem Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) und somit dem Land Baden-Württemberg. „Sie haben die Fläche bewirtschaftet und wollten sie erst nicht hergeben. Doch ohne Grundstücke keine Renautierung“, betont Ruff.

Laut Bürgermeister Matthias Burth wurde rund zwei Jahre mit dem LAZBW verhandelt und schließlich eine Einigung erzielt. „Ein großer Schritt war, dass wir die Wiesen als Ausgleichmaßnahme für das Gewerbegebiet Oberrauhen nutzen wollten“, so Burth. Die Stadt habe dann die Fläche vom Parkplatz am Steegersee bis zum Bahndamm kaufen können. Den Kaufpreis wollte er nicht nennen.

In den kommenden zwei Wochen soll die Schussen am südlichen Teil bepflanzt werden. Zudem werde der nördliche Abschnitt renaturiert. Bei der Bepflanzung ging es auch darum, sowohl den Störchen als auch den Tieren am und im Wasser gerecht zu werden. „Der Storch möchte möglichst keine Bäume. Andererseits erwärmt sich das Gewässer ohne Bepflanzung. Der Kompromiss sind daher Pflanzengruppen“, berichtet Ruff. Hauptsächlich werden Schwarzerlen gepflanzt. „Das ist ein prima Baum an Gewässern. Seine Wurzeln wachsen in den Fluss hinein. Das befestigt das Ufer. Zudem hat das Laub der Erle einen hohen Nährwert für die Wasserorganismen“, erklärt Ruff.

Jochen Kübler, ökologischer Fachbauleiter des Ingenieurbüros 365 Grad, geht davon aus, dass durch die Renaturierung auch der Bieber kommen wird. „In der oberen Schussen ist er schon zu hause. Die Jungbäume werden wir daher am Anfang sichern“, sagt er. Auch das Teichhuhn werde sich ansiedeln. „Es mag langsam fließende Gewässer. Daher haben wir eine Insel gefertigt, wo es geschützt vor dem Fuchs brüten kann“, berichtet Kübler.

Die Storchenwiese

Mit der Vernässung der Wiese von der Schussen bis zum Bahndamm soll die Futtergrundlage der Störche verbessert werden. „Im hohen Gras können die Tiere nichts finden. Daher haben wir spezielles Mahtsystem. Dabei wird die Wiese gestaffelt gemäht“, erklärt Ruff.

Die Kostenschätzung für die Schussenrenaturierung und die Wiesenvernässung liegen bei rund 540000 Euro. „Wir erhalten für die Schussenrenaturierung einen Zuschuss von 70 Prozent vom Land. Die anderen 30 Prozent zahlen wir als Ausgleichsleistung für Carthago“, sagt Burth. Ruff spricht dabei von einem Gewinn für zwei Seiten: „Das Gewässer kommt in einen guten Zustand und die Maßnahme kann als Eigenanteil für die Ausgleichsmaßnahme angerechnet werden.“ Die Storchenwiese ist eine reine Ausgleichsmaßnahme ohne Landeszuschuss.

Die Tiefenwasserableitung

Die Tiefenwasserableitung am Aulendorfer Steegersee ist Teil des Aktionsprogramms zur Sanierung oberschwäbischer Seen. „Am Grund des Steegersees gibt es schlechtes Wasser. Dieses wird durch die Tiefenwasserleitung in die Schussen abgeleitet. Als Fließgewässer macht ihr das nichts aus“, sagt Ruff. Zudem werde der Auslauf des Sees verbessert. Die Arbeiten kosten rund 157000 Euro und werden mit 70 Prozent vom Land bezuschusst. Mitte April sollen die Maßnahmen am See abgeschlossen sein – also rechtzeitig zum Beginn der Badesaison am 1. Mai.

Die gesamte ökologische Maßnahme an der Schussenin Aulendorf soll laut Kübler bis Ende Mai fertiggestellt sein.

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