Der gute Geist des Schönstattzentrums

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 Pfarrer Alfons Mai
Pfarrer Alfons Mai (Foto: Archiv: Paulina Stumm)

Der Wegbereiter der katholischen Schönstattbewegung in Aulendorf, Pfarrer Alfons Mai, ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Mai hatte in den 1950er- und frühen 60er-Jahren als Kaplan in Aulendorf gewirkt, kirchliche Jugendgruppen aufgebaut und den Grundstein für das dortige Schönstattzentrum gelegt.

„Er ist der gute Geist des Schönstattzentrums“, sagt dessen heutiger Leiter, Albert Sugg. „Er hat der Bewegung hier eine Heimat gegeben.“ Mai sei der Bewegung und dem Zentrum bis zuletzt sehr eng verbunden gewesen. Und auch das Schönstattzentrum in Aulendorf wäre ohne Mais Einsatz damals nicht entstanden.

Grundstück für das Zentrum organisiert

Als Schönstattpriester wurde Mai in seiner Zeit als Kaplan damit beauftragt, für die katholische Laienbewegung eine Bleibe zu finden. Nach jahrelangen Verhandlungen gelang es ihm 1958 in mehr als zehn Kauf- und Tauschverträgen das Gelände Marienbühl für die Bewegung zu erwerben. In den 1970er-Jahren wurde dort dann die kleine Kapelle und das Bildungszentrum gebaut. In einem Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ im Jahr 2017 sagte Mai über die Schönstattbewegung: „Ich habe dort Halt und Führung wie in keiner anderen Bewegung gefunden.“

Die Zeit in Aulendorf sei seine schönste Zeit gewesen, erklärte Mai damals auch. Dort war er von 1951 bis 1963 Kaplan. Neben der Seelsorge als Hauptaufgabe, widmete er sich dem Aufbau der kirchlichen Jugendarbeit in Aulendorf, gründete die Kolping-Jugend, die St.-Georgs-Pfadfinderschaft und die Schönstattjugend. Eine „Blütezeit“, findet Aulendorfs Pfarrer Anantham Antony, der Pfarrer Mai als „Mann des Gebets“ kennen und schätzen gelernt hat. „Auch in den letzten Jahren war es ihm wichtig, den Menschen am Ende eines Gesprächs zu segnen. Das hat mich sehr beeindruckt.“

Katholische Jugendarbeit aufgebaut

Einer, der Pfarrer Mai seinerzeit als Kaplan in der Jugendarbeit erlebte, ist Helmut Hecht. „Er konnte Jugendliche für den Glauben motivieren und begeistern – auch mich“, erinnert sich der Aulendorfer, der damals vor allem für Fußball schwärmte, über die neu gegründeten Pfadfinder dann allerdings seinen Weg in Richtung Religion sah. Mai erlebte er als stets freundlich, hilfsbereit und authentisch. „Er hat selbst einen unglaublich tiefen Glauben vorgelebt.“

Mai entstammt einem frommen Elternhaus. Er besuchte zunächst an das bischöfliche Internat in Rottenburg, das Martinihaus, wo ihn ein Schönstattpriester mit den Ideen der Erneuerungsbewegung vertraut machte. Später besuchte er das Konvikt Rottweil und studierte dann an der Universität in Tübingen. 1939 wurde er für die Wehrmacht eingezogen. Er hielt an seinem Glauben fest und besuchte nach dem Krieg das Priesterseminar in Rottenburg. 1947 wurde Mai im Heilig-Kreuz-Münster zu Schwäbisch Gmünd zum Priester geweiht.

Nach seiner Aulendorfer Zeit kam Mai als Pfarrer nach Mühlheim an der Donau mit einer Filiale in Neuhausen ob Eck, wo er fast 25 Jahre wirkte. In der Seelsorgeeinheit Schussenried war er seit 1987 Aushilfspriester bei Heiligen Messen, betreute psychisch Kranke und führte Beichtgespräche. Für seine letzten Jahre kam Pfarrer Alfons Mai nach Aulendorf zurück und lebte im Wohnpark St. Vinzenz, wo er am vergangenen Mittwoch gestorben ist.

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