Dem Zauber der Bäume auf der Spur

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Baumschulmeister Markus Kink (Zweiter von links) zeigt den Teilnehmern der baumkundlichen Führung die Knospen und Blätter des Ei
Baumschulmeister Markus Kink (Zweiter von links) zeigt den Teilnehmern der baumkundlichen Führung die Knospen und Blätter des Eisenholzbaumes. (Foto: Fotos: Claudia Buchmüller)
Claudia Buchmüller

Nur fünf Interessierte, allesamt Aulendorfer, haben sich am Freitagnachmittag vor dem Schloss zu einer zweistündigen baumkundlichen Führung im Stadtpark von Aulendorf eingefunden. Diese offene Veranstaltung gehört zu den Erweiterungen des touristischen Angebotes der Stadt.

Gemeinsam mit Baumschulmeister Markus Kink machte sich die Gruppe auf den Weg und stoppte bereits nach wenigen Metern beim großen Mammutbaum im Schlosspark. „Dieser Sequoia oder Redwood ist ein kleiner Kamerad“, erklärte Kink und fügte hinzu, dass es im Herkunftsland Kalifornien Exemplare gäbe, deren Stämme fünf bis acht Meter Durchmesser hätten und weit über 100 Meter hoch seien. Nach dem Alter des Aulendorfer Riesen gefragt, schätzte der Baumexperte, dass dieser locker 200 Jahre auf dem Buckel habe.

Kastanie, Magnolie und Co..: Weiter ging es dann hinter dem Reithof, wo zuerst Kastanienbäume begutachtet wurden. Dabei erfuhren die Teilnehmer, dass anhand der Knospen erkennbar ist, ob die Bäume später weiß oder rot blühen. „Wenn die Knospe klebrig ist, dann ist es eine gewöhnliche weiße, ansonsten eine rote Kastanie.“ Auf die Frage, was die grünen Schilder an den Bäumen bedeuten, erklärte Kink, der auch die Zusatzausbildung zum Baumkontrolleur absolviert hat, dass dies die Registriernummer der Bäume sei, welche mit der Verkehrssicherungspflicht der Stadt in Zusammenhang steht.

Im Weitergehen kam die ostasiatische Heimat der prächtig blühenden, weißen Sternmagnolie ebenso zur Sprache wie der Efeubewuchs des großen Ahorn, der laut des Experten ein rein mechanisches Problem sei und nichts mit Schmarotzertum zu tun habe. Viele Baumarten hätten sowohl einen asiatischen wie auch europäischen oder amerikanischen Entwicklungszweig.

Besondere Aufmerksamkeit bekam das seltene Exemplar einer über 100-jährigen Robinie, auch falsche Akazie (Robinia pseudoaccacia) genannt.

Schwarznuss und Walnuss: Fast wie ein Palmwedel, so sehen die Blätter der Schwarznuss aus. „Auch wenn die Frucht nicht giftig ist, als schmackhaft kann man sie wirklich nicht bezeichnen. Und wenn einer behauptet, die essbare und wohlschmeckende Walnuss dagegen sei ein Heimling, dann irrt er sich,“ schmunzelte der Experte „denn die Walnuss ist aus dem Mittelmeerraum zugewandert“. Unter dem Walnussbaum sei angenehmes Sitzen vorprogrammiert, da viele Insekten das ätherische Öl des Baumes meiden würden, führte er weiter aus.

Beulen und Elefantenohren: Im Stadtpark erklärte der Fachmann dann auch die Entstehung von Beulen und Elefantenohren. Wenn beispielsweise eine Astverbindung nicht stabil ist, dann entwickelt der Baum seitlich mehr Holz; so entstehen deutliche Verdickungen, die das Gleichgewicht wieder herstellen und oftmals wie Elefantenohren aussehen. Überhaupt seien Bäume unglaublich anpassungsfähig. Dennoch müssten Baumfachkräfte immer wieder helfend eingreifen, etwa wenn kranke Bäume gefällt werden und die bisher schattengewohnten Nachbarn dann plötzlich ungewohnter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Um keinen Sonnenbrand zu bekommen, erhalten diese dann einen weißen Anstrich.

„Werdet alle zu Entdeckern, berührt die Rinde oder umarmt die Bäume“, gab Markus Kink den Teilnehmern der ersten baumkundlichen Führung 2018 abschließend mit auf den Weg.

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