Abseits des gemähten Golfrasens blühen unzählige Pflanzen.
Abseits des gemähten Golfrasens blühen unzählige Pflanzen. (Foto: Martin Elsäßer)
Schwäbische Zeitung

Insektenschwund ist in aller Munde und als eine Ursache dieser Entwicklung wird das fehlende Blütenangebot in der Agrarfläche angesehen. Laut einer Mitteilung des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg (LAZBW) setzt genau hier das seit längerem praktizierte Erfolgsmodell des Waldsee Golfmanagements an den Plätzen des Fürstlichen Golfclubs Oberschwaben an. Bis zu 100 verschiedene Pflanzen stehen in den unterschiedlichen Roughflächen am Rand der Spielbahnen. Darunter sind echte botanische Besonderheiten, die es in der Region auf agrarisch genutzten Flächen und in den häufig übernutzten und mit Robotern gemähten Hausgärten so nicht mehr gibt. In den zweimal nach besonderem Mähplan genutzten Flächen finden sich zum Beispiel Orchideen, wie Bienenragwurz, Helm-Knabenkraut oder das Gefleckte Knabenkraut, die Knäuel-Glockenblume und Prachtnelken ebenso wie die Bachnelkenwurz, die Kuckuckslichtnelke oder der Wiesensalbei.

Der Mähzeitpunkt ist besonders wichtig

Ein in der Region einzigartiger Blütenflor, der auf ehemaligen Ackerflächen erst durch die gezielte Nutzung nach Plan des professionellen Waldseer Greenkeepings entstanden ist. Auch eine über 100 Meter lange Trockenmauer, die vielen Tierarten Lebensraum bietet, ist hier seit langem vorhanden. Zudem bietet der Platz noch Bereiche mit Rohbodenanschnitten, in denen sich im Laufe der Jahre Pflanzen und Tiere neu ansiedeln können. Wissenschaftlich wird die Entwicklung der Roughflächen beobachtet und betreut vom Fachbereich Grünlandwirtschaft des Landwirtschaftlichen Zentrums in Aulendorf. Der Leiter des Fachbereichs, Martin Elsäßer, ist gleichzeitig Professor für Grünland und Futterbau an der Universität Hohenheim und beschäftigt sich zusammen mit seinen Kollegen beruflich mit extensiv genutzten Grünlandflächen. Er betont die Wichtigkeit des Mähzeitpunktes nach der Blüte, den zwingend notwendigen Abtransport des Mahdgutes von der Fläche und eine insgesamt nur zweimalige Nutzung im Jahr. Ansonsten würden neu auflaufende Pflanzen im Wachstum unterdrückt.

Bundesweites Programm „Golf und Natur“

Dieser Abtransport ist allerdings für die Golfanlage sehr kostenträchtig, weil es nicht mehr allzu viele Landwirtschaftsbetriebe gibt, die spät gemähtes und damit futterwertmäßig nicht besonders gutes Futter verwerten können. Will man Milch und Fleisch erzeugen, muss das Futter von höherer Verdaulichkeit sein. Gerade deshalb ist das Engagement der Golfanlage für die Artenvielfalt im Landkreis und die Blütenvielfalt von besonderer Wichtigkeit. Waldsee ist aber nicht alleine, denn die Anstrengungen werden bundesweit im Programm „Golf und Natur“ zusammengefasst. Damit ist Golf die einzige Sportart die nicht nur Landschaft braucht, sondern sie im großen Stil auch selbst gestaltet. Das Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt des Landes Baden-Württemberg fördert denn auch die Erfassung der Artenvielfalt auf Golfplätzen. Die Bevölkerung ist eingeladen auf den öffentlichen Wegen im Golfgelände diese Blütenvielfalt zu bestaunen. Über die weiteren Zusammenhänge können Sie sich auf der Homepage des LAZBW informieren.

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