Baustelle an der L 284 hat Aulendorf fest im Griff

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„Das ganze Haus wackelt.“ Vor allem für die Betreiber des „Hotel & Diner Engel“ und ihre Gäste ist die Baustelle in der Hauptstr
„Das ganze Haus wackelt.“ Vor allem für die Betreiber des „Hotel & Diner Engel“ und ihre Gäste ist die Baustelle in der Hauptstraße eine große Belastung. (Foto: Claudia Buchmüller)
Claudia Buchmüller

„Als ich aus dem Urlaub kam, stand ich plötzlich vor der Absperrung und wusste im ersten Moment nicht, wie ich nach Hause kommen soll“, erzählt Pfarrer Paul Bantle, der in der Schussenrieder Straße wohnt. Lachend fügt er hinzu, dass man sich derzeit schon genau überlegen müsse, wie man in Aulendorf mit dem Auto irgendwo hinkommt. Er gehört zu den Anwohnern, die von der Sanierung der Landesstraße 284 direkt betroffen sind. Seit 19. August – und voraussichtlich noch bis Dienstag, 10. September – sind die Bauarbeiten in Abschnitt eins in vollem Gange. Dieser Abschnitt betrifft die Schussenriederstraße über die Hauptstraße bis zur Abzweigung Löwenbreite.

Auch das Ehepaar Helga und Klaus Wekenmann wohnt inmitten der Baustelle und kann sich noch gut an den Bau der Schussenrieder Straße in den Jahren 1968/69 erinnern, haben sie doch damals als junges Paar ihre erste gemeinsame Wohnung an dieser Straße bezogen. „Ich freue mich, dass das Land 50 Jahre nach dem Bau jetzt Geld für die dringend notwendige Sanierung hat“, sagt Klaus Wekenmann. „Die Straße war an vielen Stellen schon arg wellig und ziemlich ausgefahren, was beim Überqueren der Straße für ältere und gehbehinderte Fußgänger äußerst beschwerlich war“.

Lärm gehört eben dazu

„Und bei Anwohnern, die näher an der Straße wohnen, haben die vorbeifahrenden Fahrzeuge das Regenwasser, das sich in den Spurrinnen sammelte, bis weit über die Haustüre gespritzt“, weiß Ehefrau Helga. Dass eine Baustelle mit Lärm verbunden ist, müsse jedem klar sein, aber das sei ja nicht durchgängig von morgens bis abends, äußern die beiden verständnisvoll. Wenn dann der neue Belag aufgetragen und die Straße deshalb mehrere Tage komplett gesperrt werde, müsse man das Auto eben außerhalb unterbringen, blicken sie zuversichtlich in die nächste Bauphase.

Dagegen hat das Restaurant Mohren, das ebenfalls in der Schussenrieder Straße liegt, doppeltes Glück, einerseits weil durch den Betriebsurlaub bereits ein Teil der Bautätigkeit überbrückt wurde, andererseits weil die Zufahrt zu den Parkplätzen knapp außerhalb der Absperrung liegt. Umso härter trifft es das „Hotel & Diner Engel“. Das Gebäude liegt direkt an der Hauptstraße in Bauabschnitt eins und ist anschließend von den Baumaßnahmen im Bauabschnitt zwei betroffen, da dann die Zufahrt vom Bahnhof her nicht möglich ist.

„Das beutelt uns schon ganz ordentlich, vor allem was die Anreise und auch die Parkmöglichkeiten für unsere Gäste betrifft“, äußert Seniorchefin Brigitte Engel. Bedingt durch die vielen Onlinebuchungen könnten sie ihren Gästen, von denen sie oft nur den Namen wissen, nicht mitteilen, wie diese am besten zum Hotel gelangen, erklärt Tochter Stefanie die schwierige Situation. Prompt klingelt das Telefon und anreisende Hotelgäste bitten um Hilfe, da sie nicht zum Hotel finden würden, weil überall abgesperrt sei.

Zebrastreifen gewünscht

Brigitte Engel berichtet, dass das Regierungspräsidium kurz vor Baubeginn erklärt habe, dass in Abschnitt eins die Straße bis zur Einmündung Löwenbreite nur abgefräst und mit einem neuen Belag versehen würde. Die Hotelgäste könnten zu Fuß problemlos über die Straße zu den hoteleigenen Parkplätzen in der Löwenbreite kommen, sei versichert worden. Dass dies leider nicht so ist, zeigte sich bereits in den ersten Tagen nach Baubeginn, als vor dem Haus gut 25 Zentimeter tief ausgebaggert worden sei, wundern sich Mutter und Tochter. „Das ist für unsere Gäste mit den Koffern natürlich jetzt sehr beschwerlich“, seufzt Stefanie. Jetzt, in der zweiten Woche wackelt tatsächlich das ganze Haus beim Ausheben eines 1,20 Meter tiefen Grabens. Trotz gewaltigem Lärm und Dreck blicken die beiden Frauen optimistisch drein, wegen der Information dass die Straße gegen Abend wieder überquert werden könne.

Die Hoffnung, dass es im Zuge der Sanierung wieder einen Fußgängerüberweg über die Hauptstraße geben wird, hat Familie Engel aufgegeben. Obwohl der Gehweg auf der Straßenseite des Hotels wenige Meter nach dem Gebäude im Nichts endet, wurde der einstige Zebrastreifen schon vor etlicher Zeit entfernt. Seither seien die Fußgänger gezwungen, die stark befahrene Straße ohne Überweg zu queren, was schon öfter für brenzlige Situationen gesorgt habe, vor allem für Kinder auf dem Weg zum Kindergarten St. Martin und in die Grundschule, erläutert Brigitte Engel.

Für die von ihrer Familie initierte Unterschriftensammlung und die beigefügte Luftaufnahme, in welcher die Gefahrenstelle deutlich eingezeichnet ist, hätten sich bisher weder Stadtverwaltung noch das Land interessiert. „Vielleicht wird ja wenigstens die 30er-Zone, die bisher in der Schussenrieder Straße kurz nach der Ampel noch vor der Kurve endete, weitergeführt“, hofft sie. „Bis zum Ende der Bauarbeiten machen wir das Beste draus und freuen uns auf den hoffentlich ,flüsterleisen’ neuen Straßenbelag.“

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