Aulendorfs Bürgermeister wehrt sich gegen Luxus-Vorwurf beim Projekt „Neubau Kindergarten“

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 Architekt Andreas Hack zeigte anhand von Skizzen Vorentwürfe zum neuen Kindergarten auf dem Areal des Schulzentrums.
Architekt Andreas Hack zeigte anhand von Skizzen Vorentwürfe zum neuen Kindergarten auf dem Areal des Schulzentrums. (Foto: Claudia Buchmüller)
Claudia Buchmüller

Etwa 50 Bürger haben am Dienstagabend die Gelegenheit genutzt, sich bei der Einwohnerversammlung im Musiksaal des Schulzentrums über städtische Themen zu informieren und Fragen zu stellen.

Eigentlich hatte Bürgermeister Matthias Burth hierfür eineinhalb bis zwei Stunden eingeplant. Durch die rege Beteiligung der Anwesenden mit durchaus kritischen Anmerkungen und Fragen dauerte der Abend letztlich beinahe drei Stunden. Hauptdiskussionspunkt war der geplante Neubau des Kindergartens auf dem Areal des Schulzentrums.

„Neubau Kindergarten“ ist Hauptthema

Gut eine Stunde nahm allein das Thema „Neubau Kindergarten“ ein. Bürgermeister Burth berichtete von der Notwendigkeit, die ursprüngliche Planung von vier auf fünf Gruppen auszubauen. Zu den geschätzten Kosten in Höhe von rund 7,4 bis 7,5 Millionen Euro merkte er an, dass hierin auch die Kosten für den Aufwand der gesamten Parkplatzanlage für Schule und Kindergarten enthalten sei.

Dies mache einen Vergleich mit ähnlichen Neubauten anderer Kindergärten schwierig. Burth sprach von einem klaren Arbeitsauftrag des Gemeinderates, nach Einsparungen zu suchen und hofft, dass der geänderte Vorentwurf im Januar 2020 auf Zustimmung trifft und danach die Ausschreibungen erfolgen können.

„Wie in einer Baumkrone“

Im Anschluss erläuterte Architekt Andreas Hack anhand von Skizzen sehr detailliert die derzeitigen Planungen und erklärte Topografie und Raumbildung des Vorentwurfes. „Im Obergeschoss fühlt man sich wie in einer Baumkrone“, lautete seine Aussage zum Querschnitt des Gebäudes mit den großen Glasfronten.

In die weiteren Planungen seien die neuen Anforderungen der zusätzlichen Gruppe eingearbeitet worden. Die vom Gemeinderat geforderten Einsparungen lassen sich in diesem Stadium aus Architektensicht nur über eine Verkleinerung der Fläche verwirklichen.

Die Frage aus dem Publikum, ob denn das Design unbedingt so super schön sein müsse oder ob es nicht auch etwas einfacher ginge, beantwortete Hack mit den Worten: „Wir wollen nicht den teuersten Kindergarten aller Zeiten bauen. Aber wir möchten viel Transparenz schaffen und mit haltbaren Materialien arbeiten.“ Ein weiterer Zuhörer äußerte sich besorgt ob der Pflegeintensität der großen Glasflächen und sprach auch die Problematik der Beschattung an.

Bürgermeister wehrt sich gegen Luxus-Vorwurf

Ein anderer Zuhörer ermahnte den Bürgermeister im Rückblick auf vergangene Zeiten Aulendorfs als höchst verschuldete Kommune in Baden-Württemberg gar: „Es ist nach zehn oder zwölf Jahren vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten. Aber es ist sicher weiterhin gefordert, dass wir uns bei Investitionen am unteren Level bewegen und nicht am Luxus. Immerhin geht es um unsere Steuergelder und damit sollte verantwortungsvoll umgegangen werden.“

Bürgermeister Burth erwiderte, dass es sich hier nicht um Luxus handelt. Er gab jedoch zu, dass sich die Zahlen im oberen Bereich bewegen. „Aber wir sind im Vergleich nicht weit weg von allen anderen.“ Architekt Hack sprang Burth zu Hilfe und erläuterte die Problematik, die Planung „in Teilen einzudampfen“, aber dennoch mit neuen Berechnungen und kleinerer Fläche die Betriebserlaubnis zu erhalten.

Eine weitere Wortmeldung warf die Möglichkeit in den Raum, den Neubau viergruppig zu belassen und stattdessen im Obergeschoss des Kindergartens Blönried eine zweite Gruppe einzurichten, „wo man die bestehenden Örtlichkeiten mitnutzen könnte, was sicherlich kostengünstiger wäre“. Dies verwarf Matthias Burth mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Da seien im Kindergarten in Zollenreute Plätze frei gewesen, hätten bei den Eltern jedoch keine Akzeptanz erfahren.

Neben weiteren Tagesordnungspunkten wie der Sicherheitssituation auf öffentlichen Flächen, der städtischen Finanzsituation und -planung sowie weiteren Sachstandsberichten, gab es rege Beteiligung vor allem beim geplanten Kreisverkehr Schwarzhausstraße, dem Baugebiet „Buchwald“ und zur geplanten Windkraftanlage im Röschenwald. Die „Schwäbische Zeitung“ kommt in den kommenden Ausgaben auf einige der Themen zurück.

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