Aulendorfer Schachtalent misst sich mit der Weltspitze

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 Das elfjährige Schachtalent Marius Deuer aus Aulendorf liest gerne englische Schachbücher.
Das elfjährige Schachtalent Marius Deuer aus Aulendorf liest gerne englische Schachbücher. (Foto: Claudia-Evelyn Buchmüller)
Claudia Buchmüller

Marius Deuer erreichte bei U12 als jüngerer Jahrgang den 44. Platz und brachte mit 6 aus 11 das beste Ergebnis für Deutschland mit nach Hause.

Im chinesischen Weifang sind unlängst die Jugend-Weltmeisterschaften U8-12 im Schach ausgetragen worden. Mit dabei war der elfjährige Marius Deuer aus Aulendorf. Qualifiziert hatte sich das Schachtalent durch sein hervorragendes Abschneiden bei der Jugendmannschafts-Europameisterschaft in Tschechien, wo er fünf von sieben Punkten erobern konnte. Darauf wurde er vom deutschen Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler nominiert. Bei einem Besuch der SZ bei ihm Zu Hause erzählte der sympathische Blondschopf mit ungewöhnlicher Sprachgewandtheit von seiner großen Leidenschaft.

Marius war fünf, als er in der Kindertagesstätte, die er gemeinsam mit seiner älteren Schwester Katharina besuchte, erstmals mit dem strategischen Brettspiel in Berührung kam. Er kann sich noch gut erinnern, dass er den Größeren zugeschaut und sich die Spielzüge eingeprägt hatte. Die Eltern hätten bald bemerkt, dass er die Regeln kennt und ihm das Spiel Spaß macht. Mutter Almut Steinbach ist heute noch erstaunt über die hohe intrinsische Motivation ihres Sohnes und bekräftigt, dass gerade diese von innen kommende Begeisterung eine große Stärke seines Spieles ist.

„Jede Partie ist etwas Besonderes und es läuft immer anders. Man muss stets neu nachdenken und neue Ideen haben, das finde ich ganz toll beim Schach“, erklärt Marius die Faszination des Spiels. „Ich liebe diese unzähligen Möglichkeiten und das Umschalten von meinen eigenen zu den gegnerischen Plänen“, fügt er mit einem lausbübischen Grinsen hinzu. „Bei Wettbewerben werden alle Züge dokumentiert und im Anschluss mit dem Trainer analysiert“, berichtet er weiter und zeigt eine Aufstellung eines seiner Spiele aus China.

Manche Spiele dauerten fünf Stunden

In der Volksrepublik hatte er Partien, die nicht nur bis zu fünf Stunden dauerten, sondern dem Elfjährigen auch ein Wechselbad der Gefühle bereiteten. Gab es doch neben Gewinnen, zuletzt an Brett 1, auch Niederlagen zu bewältigen. Da seien dann auch Tränen der Enttäuschung geflossen, blickt Marius’ Mutter zurück. Dafür hätten sie dann am spielfreien Tag einen ganz tollen Ausflug gemacht, erinnert sich Marius und erzählt begeistert von der Millionenstadt Quingdao. Besonders auch vor dem Hintergrund, dass nur wenige Kinder in seinem Alter die Möglichkeit hätten, eine Reise nach China zu unternehmen.

Dass er dafür auch einiges auf sich nimmt, sieht er gelassen. Trotz täglichem Training am Computer, wöchentlichen Fahrten nach Ulm zum Schachverein Weiße Dame, Fahrten zum Kaderstützpunkt Baden-Baden und der Notwendigkeit, versäumten Schulstoff nachzuholen, hat er neben den vielen Schachturnieren am Wochenende tatsächlich noch Gelegenheit, zu lesen, sich mit Freunden zu treffen und bei der D-Jugend in Aulendorf Fußball zu spielen.

Familie sucht einen Sponsor

Einen Wermutstropfen aber gibt es: Kostengünstig ist das Hobby von Marius Deuer nicht. Zwar gab es für die Chinareise vom Verein und vom Land einen Zuschuss, der aber die Kosten bei Weitem nicht habe decken können, wie Almut Steinbach berichtet. Aus diesem Grund möchte die Familie für das Jahr 2020 einen Sponsor suchen. Aber zunächst freut Marius sich auf ein ganz besonderes Turnier, die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft in Düsseldorf im Dezember, bei der auch sein 82-jähriger Großvater mitspielt. „Hab‘ Schach, spiel Spaß“, mit dieser Wortkreation seines Heimatvereins Weiße Dame Ulm verabschiedet sich der junge Mann fröhlich.

Marius Deuer erreichte bei U12 als jüngerer Jahrgang den 44. Platz und brachte mit 6 aus 11 das beste Ergebnis für Deutschland mit nach Hause.

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