Aulendorfer Katholiken protestieren bei der bundesweiten Aktion Maria 2.0

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 Mit Liedern und Gebeten fand der Aulendorfer Protest zur Aktion MARIA 2.0 bei der Herz-Jesu-Statue im Stadtpark seinen Abschlus
Mit Liedern und Gebeten fand der Aulendorfer Protest zur Aktion MARIA 2.0 bei der Herz-Jesu-Statue im Stadtpark seinen Abschluss (Foto: Claudia Buchmüller)
Claudia Buchmüller

Am letzten Tag der einwöchigen bundesweiten Aktion Maria 2.0, nämlich am Samstagabend, ist eine kleine Gruppe von Katholiken in Aulendorf auf den Protestzug, der in Münster begann, aufgesprungen. Dort hat eine Gruppe katholischer Frauen, vielfach im kirchlichen Ehrenamt tätig, alle Frauen Deutschlands dazu aufgerufen, für eine Woche keine Kirche mehr zu betreten und solange auch ihre Aufgaben in den Gemeinden niederzulegen. Die Aktion richtet sich gezielt gegen die Machtstrukturen der katholischen Kirche und die damit verbundene Ausgrenzung von Frauen, gegen die Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger und gegen den Pflichtzölibat.

Claudia Reinhardt und Silvia Kellinger folgten dem Münsteraner Aufruf und organisierten neben einer Unterschriftenaktion einen friedlichen Protestmarsch zur Herz-Jesu-Statue im Stadtpark. Als Startpunkt hatten sie den Vorplatz von St. Martin gewählt, als Zeitpunkt eine Viertelstunde vor Beginn des samstäglichen Abendgottesdienstes. Viele Kirchgänger fragten im Vorübergehen nach, was denn Maria 2.0 sei und befürworteten mit ihrer Unterschrift die Aktion, gingen aber dennoch in die Messe. So waren es letztlich neben den Organisatoren nur eine Handvoll Frauen und zwei Männer, die sich auf Weg machten.

„Viele haben nicht die Courage, sich an der Protestaktion zu beteiligen“

Klaus Mayer aus Bad Waldsee hatte sogar ein Plakat mitgebracht, mit dem er explizit gegen die Missbrauchsfälle protestierte. Im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung kritisierte er, dass die Waldseer leider nicht die Courage gehabt hätten, sich an dieser Protestaktion zu beteiligen. Er ist überzeugt davon, dass Jesus, wenn er in der heutigen Zeit leben würde, entsetzt wäre, was aus seiner Lehre gemacht wurde. „Es geht um Freiheit – ich möchte die Stelle in der Bibel sehen, in der steht, dass Frauen keine Ämter haben dürfen“, erklärte sein männliches Pendant aus Aulendorf und verwies darauf, dass es Frauen waren, die zuerst von Jesu Auferstehung erfahren haben. Nach einem kurzen Impuls, bei dem die Figur Jesu im Vordergrund stand, zog die kleine Gruppe betend durch den Park. In einem leicht abgewandelten Rosenkranzgebet war von Liebe, Mut, Vergebung, Verständnis und Durchhaltevermögen die Rede. Dabei wurde insbesondere den Menschen gedacht, die durch kirchliche Amtsträger Leid erfahren haben. Gleichermaßen wurde für einen allgemeinen Aufbruch der Kirche, in der auch Geschiedene und gleichgeschlechtlich Liebende ihren Platz haben, gebetet.

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