Aulendorfer engagiert sich seit mehr als 50 Jahren in der Schönstattbewegung

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 Mann mit Gartenwerkzeug
Hans Eisele, der „Hausmeister“, engagiert sich seit 1965 in der Schönstattbewegung in Aulendorf. (Foto: Julia Kramer)
Julia Kramer

„Ich bin gleich so weit, aber diese Natursteine muss man unbedingt etwas begradigen, die sind ja eine regelrechte Stolperfalle, gerade für alte Leute“, sagt der fast 90-jährige „Hausmeister“ des Aulendorfer Schönstattzentrums, Hans Eisele, und scheint bei seinen Worten nicht zu merken, wie grotesk sich diese angesichts seines eigenen Alters anhören mögen. Nur zu Recht, da man ihm keine Mühe anzusehen scheint. Im lupenreinen Arbeits-Outfit garniert mit einer Spitzhacke drischt er kraftvoll wie gleichermaßen präzise auf das vor ihm liegende Gestein ein und scheint am Ende zufrieden. Hans Eisele ist quasi ein „Urgestein“ der Schönstattbewegung. Der gebürtige Steinbronner kam 1965 durch die Heirat mit seiner Frau Maria nach Aulendorf und stieg dort mit ihr auch sogleich in das Familienwerk der Schönstattbewegung ein. Dazu inspiriert wurde er jedoch längst vorher in seiner Heimatgemeinde durch den dortigen Dorfpfarrer. Dieser habe ihn auf die Kerngedanken der neuartigen christlichen Bewegung gebracht, für deren Ideale er sich sofort begeistern konnte, berichtet Eisele.

Die Selbsterziehung junger Menschen zu freien, christlichen Persönlichkeiten unter dem steten Schutz der Gottesmutter als Gegenpol zum fortschreitenden „Massenmenschentum“ war und ist Eisele bis heute eine große Lebenshilfe. „Schönstatt hat mich schon früh auf einen neuen Lebensweg gebracht und ist mir ein sicherer Halt im Leben geworden. So wurde die Bewegung für meine Frau und mich ein Wegweiser in der Selbst- und auch in der Kindererziehung“, erklärt Eisele mit ernstem, in sich ruhendem Blick. Genauso rasch wie eingetreten, übernahm der handwerklich begabte sechsfache Mädels-Vater neben Arbeit, Familie und Haus damals denn auch die ihm förmlich auf den Leib geschneiderte Rolle des „Mädchens für Alles“ in der Aulendorfer Schönstattgemeinde. Ob Rasen mähen, Buschwerk stutzen, Elektrik, Heizung und Sanitäranlagen, der mittlerweile über 30-fache Opa wusste sich in seiner Laufbahn alles Handwerkliche anzueignen.

Vater von sechs Töchtern

Quasi ein zweiter Vollzeitjob zugunsten der Familie? „Nein, vielmehr mit meiner Familie, für meinen Glauben und zum Vatikantarif“, meint Eisele augenzwinkernd. So seien seine Töchter auch allesamt in der Mädchenjugend der hiesigen Bewegung gewesen und hätten darüber hinaus auch früh bei allen ihnen damals möglichen Aufgaben mitgeholfen, berichtet der gelernte Landwirtschaftsmeister. „Nun ja, die Menschen, die sich zur Schönstattbewegung zählen, bringen sich alle, so gut es eben geht, ein. Das gehört zu uns.“ So habe auch Eisele bei eigenem Haus und großem Garten, sechs Töchtern mit allesamt eigenen Familien eben auch noch andere Verpflichtungen, welchen er unbedingt ebenso gerecht werden möchte. „Aber in letzter Zeit spüre auch ich, dass mir ganz langsam die Kräfte schwinden“, erklärt er nachdenklich.

Er kann auf ein langes und erfülltes Leben zurückblicken, erfüllt vor allem durch se=ine Kinder und seine verstorbene Frau. „Ich hatte und habe eine einmalige Frau, ich freue mich jetzt schon, wenn ich endlich wieder bei ihr sein darf“, sagt Eisele und seine Augen zeugen davon, wie ernst es diesem tiefgläubigen Menschen mit seiner Aussage ist.

Seit 50 Jahren CDU-Mitglied

Eisele hat wahrlich ein bewegtes Leben hinter sich. In der Kriegskindheit auf dem oberschwäbischen Land genoss er, wie er selbst sagt, eine „etwas unstete Schullaufbahn“. So hätten sie oftmals, statt Algebra und Orthographie zu pauken, Luftschutzübungen absolviert, im Sommer Tee für die Soldaten und im Winter Holz gesammelt, um ihre eigene Schule überhaupt heizen zu können. Und nach Kriegsende sei diese schließlich sowieso nahezu gänzlich für ein Jahr von den Franzosen besetzt gewesen. „Aber uns Menschen auf dem Land ist es trotz Krieg immer recht gut gegangen. Was wir zum Leben brauchten, haben wir selbst hergestellt“, erzählt Eisele in seiner stets optimistischen Lebenshaltung, während er spürbar in der Vergangenheit schwelgt und wie der Schuljunge von einst schelmisch kichernd anfügt: „Dadurch hatte ich sicherlich einige schulische Lücken, aber ich bin trotzdem immer recht gut durchs Leben gekommen.“Nach der ursprünglich landwirtschaftlichen Ausbildung dann als Buchhalter beim hiesigen Buchverlag angestellt, mähte er alsbald auch schon dort den Rasen ums Verlagsgebäude, putzte die Fenster und kümmerte sich um alles, „was eben so anfiel“. „Ich habe immer gesagt, ich mache jede Arbeit, zu schade bin ich mir für nichts, ich wüsste auch nicht, warum“, meint Eisele in seiner bescheidenen Art. Nach der dortigen Anstellung arbeitete Eisele bis zu seiner Pensionierung beim Tierärztlichen Untersuchungsamt und nebenher, sozusagen als „Ausgleichssport“, wie er lachend berichtet, rund um sein Schönstattzentrum.

Da liegt es nahezu auf der Hand, dass Eisele, der außerdem erst jüngst für seine über 50-jährige Mitgliedschaft bei der CDU geehrt wurde, und darüber hinaus Mitbegründer der „Jungen Union“ war, bei jeglichen Bau- und Erweiterungsmaßnahmen der Geschichte des Zentrums mit von der Partie gewesen ist, somit auch an der Errichtung der bekannten Kapelle auf dem Berg. „So, und jetzt machen wir schnell noch ein Foto, das Meiste über mich ist nämlich gesagt, und ich muss noch einiges schaffen heute“, erklärt Eisele mit gestrafften Schultern, schlagartig aus der Zeitreise zurückkehrend und ergänzt: „Aber ich brauche dabei auf jeden Fall ein Werkzeug in der Hand, sonst fühle ich mich einfach nicht vollständig.“

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