Aulendorf 21: Bahnhof soll barrierefrei werden

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Aulendorfer Bahnhof soll barrierefrei werden
Schwäbische Zeitung

Kein Aufzug, zu hohe Bordsteinkanten, zu wenig Licht. Der Aulendorfer Bahnhof fällt in puncto Barrierefreiheit eindeutig durch. Dabei steigen an dem Knotenbahnhof täglich rund 7700 Zugfahrer ein, aus und um. Bereits seit geraumer Zeit haben Behindertenverbände immer wieder auf den schlechten Zustand aufmerksam gemacht. Nun gehen die Stadt Aulendorf und die Bahn einen ersten Schritt hin zu einem barrierefreien Bahnhof. Denn der Gemeinderat hat am Montagabend 120 000 Euro für die Vorplanung einer Bahnhofsmodernisierung freigegeben. „Es ermöglicht einen Start“, sagte Michael Groh, Leiter des Regionalbereichs Südwest der Bahn, der die Pläne in der Sitzung vorstellte.

Von Aufzug bis Wetterschutz

Insgesamt, so nimmt die Bahn in einer ersten Grobschätzung an, wird das Projekt 7,7 Millionen Euro kosten – Abweichungen bis zu 20 Prozent seien möglich. Was genau dafür gemacht wird, werden die weiteren Planungen zeigen. Auf der bisherigen Liste stehen der Abriss des alten und der Neubau des Hauptbahnsteigs (Gleis 1) und des Mittelbahnsteigs der Gleise 2 und 3. Denn bisher passen die Höhe der Bahnsteigkanten nicht zu den Zügen, was das Einsteigen vor allem für diejenigen erschwert, die nicht gut zu Fuß unterwegs sind.

Bahnhofsunterführung im Blick

Bislang führen auch lediglich Treppenstufen zu den Gleisen. Ein Hindernis nicht nur für Rollstuhlfahrer, Kinderwagenschieber und Radfahrer, sondern auch für Reisende mit viel Gepäck. Mit der Modernisierung sollen künftig zwei Aufzüge am Hauptbahnsteig und am Mittelbahnsteig Reisende von der Unterführung zum Gleis bringen. Teil der Vorplanung wird auch sein, sich Gedanken über eine gestalterische Aufwertung der Bahnhofsunterführung zu machen. Auch auf den Bahnsteigen selbst könnte sich einiges tun. Neben einem Leitsystem für sehbehinderte Menschen geht es dabei um die Beschilderung, Sitzbänke, Mülleimer oder auch einen Wetterschutz in „erforderlichem Umfang“. Zudem ist vorgesehen, die Beleuchtung und die Lautsprecheranlage zu erneuern.

Gebäude ist außen vor

„Das Bahnhofsgebäude wird aber nicht modernisiert“, versicherte sich FWV-Rat Christof Baur und wies auf den dann doch irreführenden Begriff Modernisierung des Bahnhofs hin. Vom Bund gebe es lediglich Mittel für die Bahnsteige, erklärte Groh und wies auf die derzeit laufenden Schönheitsreparaturen an der Fassadenfront hin. Man könne sich auch vorstellen, das Bahnhofsgebäude an die Stadt zu verkaufen, die eventuell auf kommunale Fördertöpfe für eine Modernisierung zugreifen könnte, die der Bahn nicht offen stünden.

Nachdem der Gemeinderat nun einstimmig seine Zustimmung gegeben hat, wollen Stadt und Bahn nun einen ersten Finanzierungsvertrag schließen, der regelt, wie die Kosten für die Grundlagenermittlung und die Vorentwurfsplanung verteilt werden. Insgesamt rechnet die Bahn mit 240 000 Euro dafür. Aulendorf übernimmt pauschal festgeschrieben 120 000 Euro, also die voraussichtliche Hälfte der ersten Planungskosten. „Ich finde es gut, dass wir 120 000 Euro als Pauschale einsetzen“, lobte CDU-Rat Konrad Zimmermann den ersten Schritt, „auch wenn es einem bei den Gesamtbaukosten als Kommune schon grausen kann“.

Finanzierung noch offen

Wie es mit der Finanzierung des barrierefreien Ausbaus weitergeht, ist indes offen. Klar ist allerdings bereits jetzt, die Modernisierung ist auch finanziell ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Bahn, das ohne Förderung des Landes nicht machbar ist. Stadt und Bahn hoffen auf eine Fortsetzung des Bahnhofsmodernisierungsprogramms des Landes Baden-Württemberg. In das derzeit und noch bis 2019 laufende Programm wurde Aulendorf nicht aufgenommen. Wie sich die Baukosten letztlich verteilen ist offen. Mehr als ein Drittel der Kosten, so schätzt Groh, werde aber auch im neuen Modernisierungsprogramms kaum auf die Kommunen zukommen. „Wenn das neue Modernisierungsprogramm zustande kommt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Aulendorf aufgenommen wird, bei annähernd 100 Prozent“, glaubt Groh. Das Land habe aber, sollte es damit nicht klappen, LGVFG-Mittel in Aussicht gestellt.

Auf Fördertöpfe angewiesen

„Mit der Mitfinanzierung kauft man sich Zeit“, sagt der Regionalleiter über die Beteiligung der Stadt an den Planungskosten. Neben dem zeitlichen Vorteil lägen für den weiteren Weg, sollte Aulendorf ins Förderprogramm aufgenommen werden, bereits erste belastbare Zahlen auf dem Tisch. Neben der Planungssicherheit für die Projektpartner auch ein Zeichen dafür, dass es der Gemeinde ernst sei mit der Modernisierung. Die Frage, weshalb die Stadt sich an der Finanzierung überhaupt beteiligen müsse, nahm Groh vorweg: „Weil die Landesmittel nicht ausreichen, um alle Bahnhöfe in Baden-Württemberg zu modernisieren.“

Baubeginn 2020 möglich

Auch zur Zeitplanung äußerte sich Groh. Für die Vorentwurfsplanung ist ein dreiviertel Jahr angesetzt. „Ein Ergebnis wird aller Voraussicht nach im nächsten Jahr um diese Zeit vorliegen.“ Bis allerdings tatsächlich Handwerker anrücken, wird noch etwas Zeit vergehen. Neben der Finanzierungsfrage gilt es auch das Genehmigungsverfahren über die Bühne zu bringen. Der Regionalbereichsleiter rechnet daher damit, dass ein Baubeginn 2020 möglich ist. Nach etwa zwölf bis 18 Monaten könnte der barrierefreie Bahnhof „mit Stuttgart 21 fertig sein“, sprich Dezember 2021.

In der Zwischenzeit soll es, wie Groh auf Nachfrage von BUS-Rat Bruno Sing sagte, Übergangslösungen geben. Sing forderte etwa Schieberinnen an den Treppen für den Fahrradtransport zum Gleis. Auch vorläufige Blindenleitlinien sind laut Groh angedacht. Die Bahn suche derzeit nach einem Anbieter, der solch eine Übergangslösung zu einem vertretbaren Preis anbieten könne.

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