An der VHS geht es um das (Kennen-)lernen

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Crossmedia-Volontärin

Seit vielen Jahren unterrichtet Maria Eugenia Sánchez de Ruff Spanisch an der Volkshochschule (VHS) Oberschwaben. Ihr Unterricht findet klassisch im Klassenzimmer statt. Anders sieht die Waldwichtelgruppe von Michaela Gütler aus: Einmal pro Woche geht die Kursleiterin mit Kleinkindern und ihren Eltern zum Spielen in die freie Natur. In einem gemeinsamen Gespräch erzählen die beiden Kursleiterinnen von ihren unterschiedlichen Erfahrungen.

Viele Jahre sind vergangen, seitdem Maria Eugenia Sánchez de Ruff nach Deutschland gekommen ist. Sie hatte einen Deutschen in Mexico kennengelernt, mit ihm zog sie nach Friedrichshafen. „Ich habe nicht gedacht, dass der Anfang so schwer ist“, sagt sie und lacht laut. „Die Sprache und das Klima waren so anders als in meiner Heimat“. Sie hat schwarze Haare, ein breites Lächeln im Gesicht und wenn sie redet, dann reden ihre Hände mit. Als sie hierher kam wollte sie schnell die Sprache lernen und entschied sich für einen Kurs an einer VHS.

Mittlerweile gibt sie selbst seit mehreren Jahren Unterricht, in den Fächern Kunst und ihrer Muttersprache Spanisch. Schon in ihrem Heimatland war sie Kunstlehrerin. Stolz zeigt sie Fotos aus dieser Zeit. In Friedrichshafen hat sie ebenfalls erst einmal Kunststunden gegeben. Weil Lehrer fehlten, kam sie zum Spanischunterricht. „Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst“, sagt sie.

57 Kurse in sieben Jahren

Das hat sich mittlerweile gelegt. Als sie nach Aulendorf gezogen ist, suchte sie wieder die dortige VHS auf. Sie wollte erneut Kurse geben, in den letzten sieben Jahren kommt sie auf insgesamt 57 Stück. Momentan unterrichtet die quirlige Frau einmal pro Woche Spanisch für Erwachsene. Ihre Stunde läuft klassisch im Klassenzimmer ab. Ihre Schüler lernen mit dem Buch. An Weihnachten singen sie mexikanische Lieder.

Ganz anders sieht die Waldwichtelgruppe von Michaela Gütler aus. Ihre Teilnehmer sind zum einen deutlich jünger als die von Sánchez de Ruff, wenn man einmal von den Begleitpersonen absieht. Einmal pro Woche spielt sie mit Kleinkindern zwischen 1,5 und 3 Jahren im Wald. Sie ist selbst Mutter von drei Kindern. Mittlerweile sind sie fünf, sieben und acht Jahre alt. Die Idee zur Gruppe kam ihr mit ihrem jüngsten Kind: „Spielgruppen gibt es hier in der Region viele“, sagt sie. „Nur draußen nicht.“ Deshalb ist sie selbst aktiv geworden.

Schade findet sie es, dass so wenige bei der Volkshochschule nach Kursen wie ihrem suchen. „Viele Leute denken, dass es hier nur Sprachunterricht gibt oder was mit EDV“, sagt die 40-Jährige. Die Kursauswahl ist aber viel breiter gefächert. Es gibt Mal- und Yogakurse oder eben die Waldwichtelgruppe. Mittlerweile kommen zehn Kinder plus Erwachsene in den Kurs von Gütler.

Wegen des Wetters kann sie ihre Stunden nur schwierig planen. „Wenn das Wetter nicht passt, muss man spontan sein“, sagt sie. „Und auf die Stimmung der Kinder muss ich natürlich auch eingehen.“ Mit ihrer Gruppe macht sie kleine Ausflüge, bastelt etwas aus Naturmaterialen oder kocht Hollunderblütengelee. Immer an der frischen Luft und mit Bezug zur Natur. Eigentlich ist Gütler gelernte Zahnarzthelferin. Sie hat rote Harre und spricht mit ruhiger fester Stimme. Ihr Wissen für ihre Stunden hat sie zum Großteil aus Büchern. Die Arbeit mit Kindern macht ihr einfach Spaß: „So einen Kurs gibt man deshalb, weil man das, was man in seiner Stunde macht, wirklich gerne macht“, sagt sie. „Anders würde das auch gar nicht funktionieren.“

So sieht das auch Sánchez de Ruff. Sie liebt es den Leuten Spanisch und Kunst beizubringen. Außerdem ist sie gesellig und gern in Gesellschaft. Vor allem am Anfang ist es ihr in Deutschland schwergefallen. In ihren Kursen habe sie aber viele Freunde kennen gelernt. „Das war sehr wichtig für mich sagt die 65-Jährige und lächelt dabei. Regelmäßig trifft sie sich noch mit alten Schülern und sagt: „Como estas.“

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