170 Feuerwehrleute kämpften in Aulendorf gegen die Flammen

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(Foto: Claudia Buchmüller)
Redaktionsleiter
Claudia Buchmüller

Das Landwirtschaftliche Zentrum Baden Württemberg in Aulendorf ist eine Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft des Landes. Sie liegt auf dem Atzenberg und laut Aulendorfs Feuerwehrkommandant Markus Huchler auf dem höchsten Punkt auf Aulendorfer Gemarkung. Die rot glühenden Flammen waren weithin sichtbar. Die Bad Waldseer Feuerwehr konnten bei ihrer Anfahrt von Reute aus schon einen rot flackernden Punkt in der Dunkelheit erkennen. Je näher sie Aulendorf und dem LAZBW kamen, desto deutlicher wurde das Ausmaß des Großbrandes. Selbst das beleuchtete Aulendorfer Schloss geriet im Vergleich zu den hellen Flammen und dem weiß aufsteigenden Rauch in den Hintergrund. Erst Anfang Februar hatte es in Aulendorf einen Großbrand gegeben – auf dem Wertstoffhof. Damals wurde dazu aufgerufen, Fenster geschlossen zu halten. In diesem Fall war das nicht nötig, da keine potentiellen Gefahrenstoffe verbrannten. (hey/pau)

 

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Ein Sachschaden von rund drei Millionen Euro ist ersten Schätzungen zufolge in der Nacht von Sonntag auf Montag bei einem Großbrand auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg (LAZBW) in Aulendorf entstanden. Die Lehr- und Versuchsanstalt liegt auf einem Berg außerhalb der Kernstadt. Der Feuerschein der Flammen war schon von weitem zu sehen. Menschen wurden bei dem Großfeuer nicht schwer verletzt. Auch alle Kühe und Kälber konnten gerettet werden. Warum das Feuer – vermutlich im Bereich des Rauhfutterlagers – ausgebrochen ist, ist derzeit noch unklar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.

Schon wieder hat es in Aulendorf gebrannt. Diesmal am Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg. Erst im Februar war auf dem Aulendorfer Wertstoffhof ein Feuer ausgebrochen. Und auch diesmal geht der Schaden in die Millionen. Am Tag nach dem Großbrand haben die Aufräumarbeiten und auch die Suche nach der Brandursache begonnen.

Am Montagmorgen ragen dort, wo einen Tag zuvor noch ein Futterlager und drei Stallungen samt teuren Schulungsgeräten und Melktechnik standen, nur noch Ruinen in den Himmel. Verbogenes Metallgerippe und schwarz verkohlte Überreste dominieren das Bild, während die Feuerwehr die letzten Einsatzgeräte zusammenpackt und abrückt.

Einsatzleiter: Größter Brand meiner Karriere

Die Erschöpfung des nächtlichen Einsatzes ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Um 22 Uhr am späten Sonntagabend war die Aulendorfer Feuerwehr alarmiert worden und ausgerückt. „Man hat es schon von weitem gesehen. Als ich über die Brücke gefahren bin, habe ich sofort Vollalarm ausgelöst“, berichtet Gesamtkommandant und Einsatzleiter Markus Huchler. „In meiner insgesamt 36-jährigen Karriere war das mein größter Brand“, sagt er und schätzt die Brandfläche auf 4000 bis 4500 Quadratmeter „Das sind im Prinzip zwei Bauernhöfe.“

Kälber und Kühe hinausgetrieben

Die ausgebrannten Gebäude stehen quasi im Innenhof des Zentrums und sind von weiteren Lager-, Schulungs- und Verwaltungsgebäuden sowie einem Stall umgeben. Neben einem Futterlager und dem Melkstand umfasste der Gebäudekomplex auch Stallungen. Vor allem Kälber waren dort untergebracht. Lehrgangsteilnehmer, die den Brand bemerkt und Alarm geschlagen hatten, trieben die Kälber aus dem Stall und auf einer Wiese zusammen. Auch die 75 Kühe aus dem nahe gelegenen Milchviehstall wurden hinausgetrieben.

Rauchschwaden hätten dabei die Evakuierung erschwert, denn die Tiere mussten hinter dem brennenden Gebäude entlang geführt werden, berichtet Hansjörg Nußbaum, Fachbereichsleiter am LAZBW. Dass die Kühe trotzdem alle auf eine Weide unterhalb des Zentrums getrieben werden konnten, führt Nußbaum auch darauf zurück, dass die Tiere die Mitarbeiter gut kennen. „Ich habe die Tiere gerufen und sie sind mir gefolgt.

Schreiende Kühe

Der Feuerwehr bot sich in der Nacht indes ein Szenario, wie es die wenigsten schon erlebt haben. Eine Augenzeugin berichtet von schreienden Kühen, und von lautem Knallen, das von der brachialen Gewalt des Feuers herrührte. Die Feuerwehr habe, so berichtet Einsatzleiter Huchler, sofort begonnen, ein Übergreifen der Flammen auf den Milchviehstall zu unterbinden und Wasserleitungen zu verlegen. Die Löscharbeiten dauerten bis in den Morgen. Um genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben, wurden zwei Mal 1,8 Kilometer lange Schlauchleitungen von Hydranten in der Heine- und Ebisweilerstraße hinauf verlegt.

Rund zehn Landwirte lieferten in Fässern weiteres, dringend benötigtes Wasser zu. „Das hat super geklappt, sie waren so schnell da“, ist Huchler dankbar für die Unterstützung, überhaupt: „Es war eine echt gute Leistung von allen, da gibt es ein Riesenlob von mir.“ Insgesamt bekämpften rund 170 Einsatzkräfte der Aulendorfer Feuerwehr, aber auch der Wehren aus Bad Waldsee, Altshausen, Bad Schussenried und des Gerätewagens Atemschutz aus Weingarten die Flammen. Dabei waren auch vier Drehleitern im Einsatz.

Biogasanlage bereitet Sorgen

Neben der Wasserversorgung bereitete die Biogasanlage den Einsatzkräften Sorgen. Dort hatte sich Druck entwickelt, sodass eine Explosionsgefahr befürchtet wurde. Letztlich musste die Anlage geöffnet werden, damit das Gas austreten konnte. „Wir habe es dann mit einem Großraumlüfter in der Atmosphäre verteilt und Wasser beigemischt, sodass keine Gefahr für die Umwelt und die Einsatzkräfte bestand“, berichtet Huchler. Erhöhte Vorsicht während der Löscharbeiten war zudem geboten, da sich auf dem Dach des Gebäudes eine Solaranlage befand, deren Platten eventuell noch Strom führten. Von Problemen mit Schaulustigen weiß Huchler indes nichts zu berichten. Die Nachricht vom Brand hatte sich in Windeseile verbreitet. Der Weg zum Landwirtschaftlichen Zentrum hinauf wurde allerdings abgesperrt.

Minister sagt Unterstützung zu

Die Mitarbeiter des LAZBW waren am Montagmorgen damit beschäftigt, den Betrieb des Hofs zu organisieren und die Tiere zu versorgen. Die Kälber wurden in einen Stall bei Ebisweiler gebracht, die rund 75Milchkühe trieben Mitarbeiter am Vormittag zurück in den Milchviehstall. Nachdem der Melkstand komplett abgebrannt war, galt es vor allem eine Lösung für das Melken der rund 75 Milchkühe zu finden. Noch vor der Mittagszeit wurde dazu ein mobiler Melkstand angeliefert. Für den Nachmittag wurden Vertreter des zuständigen Ministeriums erwartet. Landwirtschaftsminister Peter Hauk sagte zu, sich für einen zügigen Wiederaufbau der zerstörten Gebäude stark zu machen. „Wir sind froh, dass weder Mensch noch Tier zu Schaden gekommen sind“, schreibt er am Montag in einer Pressemitteilung.

Die Feuerwehr musste aufgrund der Lage des LAZBW zwei Mal 1,8 Kilometer Leitungen mit je vier Pumpen dazwischen verlegen. Auch L
Die Feuerwehr musste aufgrund der Lage des LAZBW zwei Mal 1,8 Kilometer Leitungen mit je vier Pumpen dazwischen verlegen. Auch Landwirte halfen mit. (Foto: Claudia Buchmüller)

Das Landwirtschaftliche Zentrum Baden Württemberg in Aulendorf ist eine Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung und Grünlandwirtschaft des Landes. Sie liegt auf dem Atzenberg und laut Aulendorfs Feuerwehrkommandant Markus Huchler auf dem höchsten Punkt auf Aulendorfer Gemarkung. Die rot glühenden Flammen waren weithin sichtbar. Die Bad Waldseer Feuerwehr konnten bei ihrer Anfahrt von Reute aus schon einen rot flackernden Punkt in der Dunkelheit erkennen. Je näher sie Aulendorf und dem LAZBW kamen, desto deutlicher wurde das Ausmaß des Großbrandes. Selbst das beleuchtete Aulendorfer Schloss geriet im Vergleich zu den hellen Flammen und dem weiß aufsteigenden Rauch in den Hintergrund. Erst Anfang Februar hatte es in Aulendorf einen Großbrand gegeben – auf dem Wertstoffhof. Damals wurde dazu aufgerufen, Fenster geschlossen zu halten. In diesem Fall war das nicht nötig, da keine potentiellen Gefahrenstoffe verbrannten. (hey/pau)

 

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