Zum Abschied doch noch eine Lederhose

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 So kann man eine Musikkapelle auch dirigieren: beim Bozener Marsch kommt Johnny Ekkelboom, zur Freude des Publikums und seiner
So kann man eine Musikkapelle auch dirigieren: beim Bozener Marsch kommt Johnny Ekkelboom, zur Freude des Publikums und seiner Musikanten, nicht mehr um die Lederhose herum. (Foto: Johannes Rahn)
Johannes Rahn

Das Muttertagskonzert der Musikkapelle Eglofs war dieses Jahr etwas Besonderes. Neben zahlreichen Ehrungen übergab Dirigent Johnny Ekkelboom am Samstag Abend in einer voll besetzten Turn- und Festhalle nach zehn Jahren den Taktstock an seine Nachfolgerin Carina Wachter. Die 24-Jährige hat mit der Musikkapelle schon eines der Stücke für das Wertungsspiel in Scheidegg letztes Wochenende erarbeitet und dirigiert, sich in die Jugendarbeit eingebracht und die Kapelle gut kennengelernt.

Das musikalische Niveau der Kapelle ist exzellent: ein gepflegtes Klangbild, ein herrlicher Reigen an Klangfarben und Registermischungen, beides im Dienste einer ausgereiften Dynamik, mit der die ganze Gefühlsklaviatur von epischer Breite und Tiefe bis zu druckvollen Jazz und kammermusikalischer Intimität bedienen lässt. Johnny Ekkelboom, der die Musikkapelle eigentlich nur drei oder vier Jahre leiten wollte, hat ganze Arbeit geleistet. Weil – wie er betonte – die ganze Mannschaft mitgezogen hat. Der Zusammenhalt in Eglofs sei sehr stark, und das habe ihm gefallen.

Musikalisch war das Programm ein Ohrenschmaus, abwechslungsreich, anspruchsvoll und stilistisch vielfältig. „Sbandiamo“ von Jacob de Haan erklang hymnisch, festlich und etwas wehmütig, „The Legend of Maracaibo“ von Jose Alberto Pina blieb herrlich im Fluss, glänzte mit einer unglaublichen Spannbreite an Stimmungen und Klangfarben, vom ruhigen Blau des Meeres bis zum bis zum Toben der Elemente und auch „Cycles and Myths“ von Nuno Osorio schwang sich epischer Breite und Tiefe auf. Die Musik zum Disney-Film „Cinderella“ wechselte von Neid und Missgunst zu zauberhafter Stimmung, Sehnsucht und dem Läuten der Hochzeitsglocken.

„Songs from the Catskills“ von Johan de Meji beschwor den goldenen Herbst von Neu-England, gab sich aber auch tänzerisch mit eingängigen Melodien und lebendigen Rhythmen. Dann ging es in mit „Movie-Themes from 1984“ nach Hollywood, zu Ghost Busters, Footloose und den Beverly Hills Cops. Druckvoll, schmissig, wuchtig und sehr dicht wurde hier das Klangbild, und der Queen-Hit „Don‘t stop me now“ kam rhythmisch gestochen scharf und klanglich sehr direkt.

Dazwischen moderierte der gebürtige Niederländer Johnny Ekkelboom in seiner bekannt lakonisch-trockenen Art, und Rudi Hämmerle von Blasmusik-Kreisverband hatte zahlreiche Ehrennadeln für 10, 20, 40 und 50 Jahre Mitgliedschaft in der Musikkapelle zu verteilen. Auch er ist bekannt für seinen selbstironischen Humor, der seine Ansprachen zu einem Erlebnis macht. Doch dazwischen streut er seine Botschaft, dass das kulturelle Leben in der ländlichen Region von Leuten abhängt, die sich einbringen und begeistern lassen. Dazu gehören etwa Gottfried Bischofberger oder Martin Reischmann, die bereits 50 Jahre in einer Musikkapelle mitspielen.

Und begeistern lassen haben sich sowohl Johnny Ekkelboom wie auch die Musikkapelle Eglofs. Zehn Jahre lang haben sie hart zusammen gearbeitet, viel auf die Beine gestellt, sich weiterentwickelt und sichtlich immer Spaß daran gehabt. Diese enge Verbindung wurde bei der Verabschiedung sehr deutlich. Und natürlich hat er für eine entsprechende Nachfolge gesorgt: Carina Wachter aus Kirchdorf bei Bad Wörishofen. Die 24-jährige studiert Horn und die Leitung von Blasorchestern in Augsburg und Johnny Ekkelboom hat sie der Musikkapelle zunächst als Aushilfshornistin „untergeschoben“ und so für einen sanften Übergang gesorgt.

In seinem letzten Konzert kam Johnny Ekkelboom, der gern mit seiner niederländischen Herkunft kokettiert, nicht um eine Lederhose herum: Nachdem Carina Wachter den Kaiserin-Sissi-Marsch und „Wir Musikanten“ von Kurt Gäble dirigiert und die Kapelle ihr ein Jahrzehnt altes Versprechen, die niederländische Nationalhymne zu lernen, eingelöst hatte, stand Johnny Ekkelboom das erste (und letzte) Mal in einer Lederhose für den „Bozener Marsch“ am Dirigentenpult – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein Lotse geht von Bord, aber nicht ohne das Schiff auf einen sicheren Kurs gesetzt zu haben.

Diese Ehrungen gab es beim Konzert:

10 Jahre: Franziska Fuchs, Eva Hege, Sebastian Kempter, Johanna Rädler, Renate Weber

20 Jahre: Silvia Drews, Daniela Kresser, Markus Kesser, Wolfgang Kempter

40 Jahre: Edwin Griener, Armin Schennach, Rolf Zengerle

50 Jahre: Gotttfried Bischofberger, Martin Reischmann

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