WG-Autokennzeichen soll mehr Identität schaffen

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Landrat Harald Sievers verteidigt beim Eglofser Gericht seinen Standpunkt zum Thema „Vereinter Landkreis Ravensburg“. Die Beisi
Landrat Harald Sievers verteidigt beim Eglofser Gericht seinen Standpunkt zum Thema „Vereinter Landkreis Ravensburg“. Die Beisitzer des Gerichts (von links) Karl Milz, Georg Wagner und Wolfgang Sutter hörten aufmerksam zu. (Foto: Vera Stiller)
Schwäbische Zeitung
Vera Stiller
Redakteurin

Es hat längst Tradition: Beim Gerichtstag in Eglofs werden Verfehlungen wider das Allgäu geahndet. Vorrangig gilt es jedoch, bei Kässpatzen, Starkbier, Sketchen und zünftigen Klängen das „Wir-Gefühl“ zwischen den Menschen „heanat und deanat“ der Landesgrenze zu stärken. Eine der Höhepunkte der Veranstaltung ist die Vergabe des Allgäuer Heimatpreises. In diesem Jahr wurde Josef Wagner aus Oberstaufen geehrt.

An jedem Freitag nach Aschermittwoch knüpft der Gerichtstag in Eglofs an das an, was sich die Bauern einst an einmal erworbenen Privilegien immer wieder erkämpfen mussten. Und so wird Karl Stiefenhofer, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, nicht müde, an die Zeit zu erinnern, in denen König Rudolf I. den Eglofsern das Stadtrecht von Lindau verlieh und 600 Jahre lang an Pfingsten, Martini und Aschermittwoch Gericht gehalten wurde.

Umrahmt von Blasmusik der „Heublechler“ war der von André Rauch und Manuel Kimpfler gezeigte Sketch der beste Einstieg in die vorgebrachten Anklagepunkte der Neuzeit. Lustig verpackt sprachen „Michel und der Bürgermeister“ die von den Gästen des neuen Hotels gewünschte Nachtruhe an, blickten von einem der Zimmer in Richtung „Dauerbrenner Brücke“, amüsierten sich über den „Schwarzfahrer Buhmann“, der in seiner Eigenschaft als Bürgermeister von Gestratz für einen Ausflug „die Bahnkarte für einen falschen Tag“ gelöst hatte, und fragten sich, „ob der Kempter in Sachen Nahversorgung wohl Megletz angreift?“

Mit Blick auf den 100. Geburtstag der Bayerischen Verfassung schlug Karl-Heinz Marx zu Beginn seiner Regentschaft als Ammann vor, den Weg der freien Bauern vom „Oberen Sturz“ um Immenstadt zum Gerichtsplatz in Megletz in vier Abschnitten nachzuwandern. Mit dieser Idee rannte Marx im Saal offene Türen ein und forderte zum Mitmachen auf.

Als nach Eröffnung der Verhandlung allerdings jemand „Tempo 10“ für die Straße im „Tal der Rebellen“ forderte, rief nur Margret Mader, die stellvertretende Landrätin des Kreises Lindau, laut „Hurra!“. Nachdem sie ihre „volle Unterstützung“ zugesagt hatte, wurde das Urteil gefällt: Zukünftig soll die betreffende Straße mit dem Schild „Tal der Wellen“ geschmückt werden.

Zwei Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Maria-Thann war es ein Bedürfnis, die leidige Geschichte rund um das geplante Feuerwehrhaus vorzubringen. Sie hielten für die verzögerte Umsetzung aber gleich eine Erklärung parat: „Die entlang der Argen in Staudach gepflanzten Bäume sollten eigentlich als Bauholz verwendet werden. Nun hat sie ein Biber umgenagt und weggeschleift.“

Die geforderte Todesstrafe für das Tier wandelte Richter Marx so um: „Die Feuerwehrleute von Maria-Thann sollen zur Benefizveranstaltung zugunsten von ‚Lichtblick‘ ins Eglofser Feriendorf kommen, um sich von den Argenbühler Kameraden Ratschläge in Sachen ‚Eigenleistungen‘ geben zu lassen.“

Zu keinem wirklichen Ergebnis gelangte das, was Karl Stiefenhofer auf dem Herzen hatte. Es ging ihm – wie so oft – um die Identität des Allgäus und hatte für seine Forderung, das einstmals für den Altkreis Wangen abgeschaffte „WG“-Autokennzeichen wieder einzuführen, eine ganze Tüte voller Aufkleber mitgebracht. Hier nun schritt Landrat Harald Sievers ein. Er stellte das „Einzäunen des Gebietes“ der Vorstellung „Teil eines großen Ganzen“ zu sein gegenüber und sagte: „Es geht doch um die Frage nach dem, was ich bin, und nicht darum, wie ich heiße.“

Natürlich reichte das Stiefenhofer nicht. Sein Motto für das Zusammenwachsen von Schussental und Allgäu stellte er unter das Motto „Was der liebe Gott durch schlechte Straßen getrennt hat, soll der Mensch nicht verbinden“. Nachdem er davon gesprochen hatte, dass „jeder Mensch ein Farbenspektrum hat“, hielt es Isnys Bürgermeister Rainer Magenreuter nicht mehr auf seinem Platz auf. „Das Miteinander ist wichtig, das Überschreiten der Grenzen. Egal, was auf einem Auto drauf steht“, so sein Argument.

Für das Gericht war klar, dass es sich hierbei um keine Angelegenheit im Sinne der Gerichtstag-Statuten handeln würde und schloss die Verhandlung mit dem Urteil: „Die Mitglieder des Kreistages sollen sich mit dem Fall beschäftigen.“ Stiefenhofers Angebot an den Landrat rief schlussendlich Erheiterung hervor. Wörtlich sagte er: „Wenn Sie zwölf Jahre im Allgäu gelebt haben, können Sie den Allgäu-Ausweis beantragen.“

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