Spontan, familiär, mitreißend

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 Eine Sängerin mit einer reifen, flexiblen Stimme überzeugt beim Auftritt im Eglofser Dorfstadel: Johanna Rädler.
Eine Sängerin mit einer reifen, flexiblen Stimme überzeugt beim Auftritt im Eglofser Dorfstadel: Johanna Rädler. (Foto: Johannes Rahn)
Johannes Rahn

Drei Stunden nach Beginn des Vorverkaufs hat es für den zweiten „Stadelblues“ mit Johanna Rädler & Band keine Karten mehr gegeben. Der Eglofser Dorfstadel war am Freitagabend voll besetzt und die Erwartungen entsprechend hoch. Die Besucher wurden nicht enttäuscht.

Johannes Rädler hat gute Musiker um sich versammelt, die sie mit leichter Hand zusammenhält und die außerordentlich gut miteinander harmonieren: Wenzel Langenmayer (Piano) Manfred Rief (Gitarre), Magnus Stiefenhofer (Bass), Dominik Peter (Schlagzeug), Lukas Kolb (E-Gitarre) und als Background-Sängerinnen Regina Mader und Jasmin Stiefenhofer.

Alle zusammen fegten sie gut gelaunt und mit musikalischen Elan durch den Saal und bliesen den Winterblues aus den Köpfen – mit Musik, die von Queen über Janis Joplin und Dolly Panton, Lady Gaga, Jazzstandards und Filmmusik bis zu bayrischen Liedermachern wie Claudia Korek reichte.

Johanna Rädler, im flammenden Rot gekleidet, zeigte nicht nur eine reife und sehr wandlungsfähige Stimme, sondern auch ausgesprochene Entertainer-Qualitäten. Spontan, charmant, verschmitzt, mit blitzenden Augen und trockenem Humor machte sie den Abend richtig „rund“. Die Band hielt mit. Und wenn so viel Begeisterung, Herzblut und musikalisches Können aufeinandertreffen, hat das Publikum keine Chance: Es wird unrettbar in den Strudel der Musik hineingezogen, kann loslassen und sich im Wechsel der Stimmungen treiben lassen.

Die erste Komposition von Wenzel Langemayer und Johanna Rädler handelte vom Fluss der Zeit –und dass es Augenblicke gibt, an denen sie innehält. Der Freitag war so ein Moment des Innehaltens. Der Fluss der Zeit schien aufgehoben, das Zeitgefühl verwandelt.

Das galt auch für den Mittelteil, den Rädler nur mit Gitarre und Langenmayer am Klavier bestritt. Keinen Moment brach die Stimmung ein, kein Song blieb hinter seinen musikalischen und stimmungsmäßigen Möglichkeiten zurück.

Johanna Rädler führte die Zuhörer im Dorfstadel durch die ganze Palette an Stimmungen, Klangfarben und Stilrichtungen, die Choreografie passte perfekt. Fröhlicher Country-Stil, Rock und Jazz, lasziver Blues: Alles fügte sich zu einer Einheit zusammen.

Der Text des Schlusssongs des Abends, aus der Feder von Claudia Korek, brachte es auf den Punkt: „An me Obend, so wie heut, do lad i mir Freund ei und mach Musik“. Es fühlte sich alles sehr spontan und familiär an, Musik ebenso wie Moderation. Und man fühlte sich auch hineingenommen in diese vertraute Atmosphäre.

„Dont‘t stop“ forderte der Text der ersten Zugabe. Und das ist hoffentlich als Selbstverprflichung von Johanna Rädler & Band zu verstehen. Der Abend hatte Charme. Der Abend hat Witz. Und er hatte vor allem eines: mitreißende Musik und mitreißende Musiker.

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