Muttertagskonzert wird zu einem Geschenk für alle

Lesedauer: 5 Min
Der erst zwölfjährige Bernd Kempter trat beim Muttertagskonzert in Eglofs als Solist auf.
Der erst zwölfjährige Bernd Kempter trat beim Muttertagskonzert in Eglofs als Solist auf. (Foto: Fotos: Vera Stiller)
Schwäbische Zeitung
Vera Stiller
Redakteurin

Die Aufgabe der beiden Vorstandsmitglieder Gebhard Kempter und Stefan Gräser war es, an diesem Abend zwei verdiente Ausschussmitglieder zu verabschieden. Einmal Gerhard Hege, der seit 1985 mehrere Positionen innerhalb des Vereins wahrgenommen hatte, dann Armin Schennach, der 22 Jahre lang für die Noten zuständig war. Während Hege und Schennach der Kapelle Eglofs weiterhin als Musikanten zur Verfügung stehen, nahm Hans Schmid endgültig Abschied von den Kameraden. 56 Jahre lang hatte er aktiv das Horn geblasen. Seit Samstag darf er sich Ehrenmitglied nennen. (vs)

Bereits am Vorabend des für sie bestimmten Sonntags hat die Musikkapelle Eglofs den Müttern eine große Freude gemacht. Aber auch alle anderen Gäste in der Turn- und Festhalle Eglofs fühlten sich von einem Konzert beschenkt, das sorgfältig zusammengestellt und an Höhepunkten reich war. Es ging in seiner Leistung und Darbietung über das eines Laienorchesters hinaus. Garant dafür war Johnny Ekkelboom, der es wieder einmal verstand, aus den Instrumentalisten die in ihnen steckenden Fähigkeiten hervorzulocken.

Bereits zu Beginn überzeugten die Eglofser mit einer imposanten Vorstellung. Unter „Bergführer Ekkelboom“ bestieg das Publikum gemeinsam mit der Kapelle über den Königsweg den „Mont Blanc“. Von majestätischer Pracht zeigt sich nicht nur der mit 4810 Metern höchste Berg Europas, sondern auch das gleichnamige Werk von Otto M. Schwarz. Den Musikern gelang es, Würde und Dramatik der Komposition fein herauszuarbeiten, wobei Wetterextreme, Steinschlag oder Vogelgezwitscher mit Geräuschen wie Flüstern, Heulen oder Zischen erzeugt wurden.

Das „Benedictus“ von Karl Jenkins erinnert an die Opfer des Kosovo-Krieges. Hier hatte der erst zwölfjährige Bernd Kempter seinen gelungenen Soloauftritt. Die Musik war so eindrücklich, dass man sich seine persönlichen Bilder von Krieg und Zerstörung, aber auch von der Sehnsucht nach Frieden, „malen“ konnte. Der anschließende Titel „Alpina Saga“ von Thomas Doss barg ebenso die Kunst in sich, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Musikalisch beschrieben wurden Täler, Almen, schmale Abstiege und der herrliche Blick vom Gipfelkreuz aus.

Ein besonderes Glanzstück des Abends war zweifellos „Tirol 1809, der von Sepp Tanzer komponierte Klassiker für Blasorchester. Stimmig wurde ein Teil der Geschichte Tirols in drei Sätzen musikalisch umgesetzt. Im ersten Satz spürte man durch Trommel- und Flötenspiel sowie Trompetensignale die Bereitschaft der Tiroler, gegen Bayern und Franzosen aufzustehen. Zu Beginn des zweiten Satzes erklang ein Gebet, bevor im Marschrhythmus die Kampfesparole angedeutet wurde.

Als Fanfarenklänge die Marseillaise überstrahlten war die Auseinandersetzung am Berg Isel auf dem Höhepunkt angelangt: Kanonenschläge wurden laut, blitzschnelle Läufe erfolgten. Schließlich war es das Kornett, das bei der Heimkehr in Tirols schöne Täler vom Sieg „berichtete“.

Nach der Pause durfte laut Stefan Gräser, der im ersten Teil die Conference übernommen hatte, „in die Welt der Filme“ eingetaucht werden. Da war zunächst die sinfonische Suite „At world’s end“ aus dem von Hans Zimmer meisterhaft komponierten Soundtrack zum Streifen „Pirates of the caribbean“. Die atemberaubende Musik und die enorme Klangfülle ließen vor allem die Szene spürbar werden, in der das Piratenschiff „Black Pearl“ über den nebligen Ozean treibt und die Piraten nach einem harten Kampf ihren Sieg feiern.

Mit „Highlights from exodus“ wurden Erinnerungen an einen großen Film wach. Ernest Gold hat die Flucht zahlreicher Juden nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Schiff „Exodus“ von Zypern nach Palästina verarbeitet. Dies – und ebenso die Ereignisse bis zur Gründung des Staates Israel – brachten die Eglofser imposant zum Ausdruck.

Hollywood-Komponist James Horner sieht sich selber als „Maler musikalischer Gemälde“. So verhält es sich auch bei dem Mantel-und-Degen-Film „The Mask of Zorro“ aus dem Jahr 1998. Einprägsam, wie da eine besonders ausdrucksstarke Orchesterfarbe zum Klingen gebracht wurde, wie der Perkussionist stilvolle Takte mit den Kastagnetten lieferte – unter dem Strich war das ganz großes Kino. Und insgesamt ein begeisterndes Muttertagskonzert.

Die Aufgabe der beiden Vorstandsmitglieder Gebhard Kempter und Stefan Gräser war es, an diesem Abend zwei verdiente Ausschussmitglieder zu verabschieden. Einmal Gerhard Hege, der seit 1985 mehrere Positionen innerhalb des Vereins wahrgenommen hatte, dann Armin Schennach, der 22 Jahre lang für die Noten zuständig war. Während Hege und Schennach der Kapelle Eglofs weiterhin als Musikanten zur Verfügung stehen, nahm Hans Schmid endgültig Abschied von den Kameraden. 56 Jahre lang hatte er aktiv das Horn geblasen. Seit Samstag darf er sich Ehrenmitglied nennen. (vs)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen