Karl Stiefenhofer hat noch viele Ideen

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Karl Stiefenhofer hat für die Zukunft noch viele Pläne.
Karl Stiefenhofer hat für die Zukunft noch viele Pläne. (Foto: Stiller)

Wer sich mit Karl Stiefenhofer auf ein Gespräch einlässt, der muss Zeit mitbringen. Aber er wird es nicht bereuen. Gehört das Eglofser Urgestein – nein, es sollte besser Allgäuer Urgestein heißen – doch zu jenen Menschen, die etwas zu sagen haben. Die sich Gedanken über Gott und die Welt machen und erkennen lassen, dass sie zwar sehr emotional agieren, gleichzeitig jedoch versuchen, „alles logisch zu überdenken“.

Da ist zunächst einmal der Familienmensch Karl Stiefenhofer. Chronologisch zählt er die Reihe seiner Vorfahren auf. Beginnend vom Urahn Anton Stiefenhofer, der im selben Jahr wie Wolfgang Amadeus Mozart geboren wurde, akademischer Künstler war und während der Französischen Revolution ins Allgäu floh. Anton hieß auch der Vater, der 1907 das Erdenlicht erblickte, die 1921 geborene Mutter mit Namen Emma stammte aus Lippertsreute.

Karl, Jahrgang 1950, besuchte in Eglofs die Volksschule und später die Höhere Handelsschule, um Industriekaufmann zu werden. Den Weg bis zum Jahr 1990 nennt er „einen weiten“ mit verschiedenen Firmen, in denen er tätig war. An seinem 40. Geburtstag muss es gewesen sein, als er sich die entscheidende Frage stellte: „Wie soll es weitergehen?“ Nun, er wurde kaufmännische Führungskraft im Unternehmen „Simplex Armaturen“ in Eisenharz, übernahm 1991 die Tochterfirma „Sania“ und zeigte sich 1995 risikofreudig: Stiefenhofer kaufte dem Sohn des Inhabers die Firma ab.

„Mich interessiert immer das, was hinter der Tür ist“, sagt der 68-Jährige und kommt von Sania mit heute 25 Beschäftigten zu seiner Frau Irmgard, mit der er fünf Kinder und bislang vier Enkel hat. Die Tatsache, dass er das vom Vater gebaute Haus in Eglofstal zurückkaufte und es erweiterte, lässt Stiefenhofer an eine Zeit denken, in der es im Ort „fünf Häuser und 60 Kinder“ gab. Und in der der Nikolaus die Geschenke brachte und nicht das Christkind.

Gründung des Heimatvereins

Kirche, Staat und Gesellschaft sind überhaupt Karl Stiefenhofers Themen. Als 1982 „unsere Gesellschaft gerade in einer enormen Umbruchphase steckte, Argenbühl zur neuen Gemeinde pubertierte und das alte Dorf Eglofs seinen Platz darin suchte“, da hob er zusammen mit Freunden den Geschichts- und Heimatverein aus der Taufe.

„Wir hatten das unbewusste Gefühl, dass wir einen Raum brauchten, von dem aus wir wieder Boden unter die Füße bekamen“, erinnert sich Stiefenhofer und fügt an: „Die bedeutende Geschichte von Eglofs half uns dabei.“ Aus diesen gefühlsgelenkten Anfängen entwickelte sich im Laufe der Jahre „eine klare Vorstellung von unserer Aufgabe, die Heimat zu pflegen“. Wohl wissend, dass die Vergangenheit als Fundament und die Gegenwart als Werkstatt für die Zukunft fungiert. Mit den Worten des Vorsitzenden, der jetzt nach 38 Jahren den Vorsitz an Karl-Heinz Marx übergab, war es das Ziel, „einen Entwicklungsraum für Eglofs in einem von Landesgrenzen unabhängigen Allgäu“ zu schaffen.

Mit der Gründung des Vereins wurde das erste Theaterstück mit dem beziehungsvollen Titel „Stadtluft macht frei“ aufgeführt. Den Text schrieben damals Wolfram Benz und Lisa Zenker. Die aus der Feder von Karl Stiefenhofer stammenden Historienspiele werden bis heute fortgeführt. 1996 wurde er erster Vorsitzender vom „Heimatbund Allgäu“, der als Dach für derzeit 36 Vereine aus dem ganzen Allgäu mit zusammen 8000 Mitgliedern dient. Stiefenhofer ist ebenso erster Mann bei der Reservistenkameradschaft Eglofs und sieht seine Arbeit in der Pflege „einer gewissen Tradition“ und in der „Mahnung zum Frieden“.

Als der „Allgäuer mit Leib und Seele“ aus den Händen der Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch entgegennahm, da wurde den Gästen erst so recht bewusst, dass Stiefenhofers Arbeit „immer eine Arbeit mit den Menschen und für die Menschen“ war. Er gründete zu allem anderen die Allgäu-Heimat-Akademie, hielt und hält unzählige lokalgeschichtliche Vorträge, publiziert die Schriftenreihe „Us d’r Huimat“, machte sich zum Kenner und Sammler von Trachten, Kacheln und regionalen Geschichtswerken. Nicht zu vergessen den „Grüß-Gott-Verein“ der einen Siegeszug gegen „Hallo“ oder gar „Hi“ antrat.

„Ich habe das Amt als Vereinsvorsitzender vom Heimatverein abgegeben, um anderes zu verwirklichen“, erklärt Karl Stiefenhofer. Dazu gehört vor allem, die für ihn so wichtige „Gesprächskultur“ zu pflegen. Wöchentlich geführte „Männergespräche“ sollen „jammerfreie Stunden“ wie Überraschungsthemen und „Nachrichten des Tages“ bringen. Zudem will er an jedem Montag im Museum einen „Historischen Stammtisch“ einführen.

Und dann ist von Karl Stiefenhofer noch zu erfahren, wie hoch er die „Kraft der Vereine“ einschätzt. Weil es für ihn unabdingbar ist, dass sie einen breiteren Raum in der Gesellschaft einnehmen müssen und auch stärker gewürdigt gehören, schlägt er vor: „Der zweite Bürgermeister in der Gemeinde sollte ein Mann aus den Vereinen heraus sein!“

Schließlich lässt Stiefenhofer noch seinen Blick durch das Dorf schweifen und hält am „Stillen Winkel“ an. „Er entstand aus einem Saustall und einem mit Brennnesseln bewachsenen Hang und wurde einer der meistbesuchten Orte in der Gemeinde“, sagt Karl Stiefenhofer. Und seine Augen leuchten.

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