Herlazhofen ist neuer Stimmungsmeister

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Schwäbische Zeitung
Tine Steinhauser

Bereits zum siebten Mal hatte der Musikverein Siggen am Samstagabend zum Stimmungswettbewerb für Blaskapellen eingeladen. Sieger wurden die Bläser aus Herlazhofen.

„Drei Blaskapellen haben jeweils eine Stunde Zeit, um ein stimmungsvolles Programm zu präsentieren“, erklärte Ulrich Möschel vom Organisationsteam des Musikvereins Siggen. Die Wertung erfolgte über ein Lautstärkemessgerät, das den Jubel des Publikums maß. Zudem hatte jeder Zuhörer eine Stimme, die er in Form einer Metallplatte auf eine Waage legen durfte. „Die Teilnehmer werden über persönliche Kontakte ausgewählt. Die Kapelle, die Zeit und Lust hat, meldet sich an“, so Möschel.

Ein Qualifikationssystem gibt es nicht. Noch nicht. Denn offenbar treffen die Siggener Musikanten mit ihrer Vorreiterrolle als Veranstalter eines Stimmungswettbewerbs den Nerv der Zeit. Schon vor Beginn war die Festhalle in Christazhofen voll besetzt.

Möschel begrüßte rund 500 Freunde der Blasmusik und stellte die diesjährigen Teilnehmer des Contests vor. Da war die Musikkapelle Engerazhofen unter der Leitung von Johannes Sgier, die bereits zum zweiten Mal antrat, die Bläser aus Herlazhofen mit Dirigent Fabian Fischer und die Bolsternanger Musikkapelle, für die Raphael Ohmayer den Taktstock schwang. „Die Reihenfolge haben wir ausgelost“, sagte Möschel. Egal, wann man an der Reihe sei, das habe Vor- und Nachteile, fügte er hinzu.

Also, Ring frei für die Stimmungskanonen der Region. Die Engerazhofener durften zuerst auf die Bühne. Eins war klar: Es reichte nicht, Märsche, Polkas und andere Musikstücke zu beherrschen und musikalisch einwandfrei zu präsentieren. Das Publikum wartete auf Mehr. Die Kapellen reicherten ihr Repertoire um Gesangseinlagen, Sketche, Tänze, Witze und tolle Kostümierungen an.

„Was glaubt Ihr, warum Ihr gewinnt?“, fragte Möschel, der den Abend moderierte, den Engerazhofener Dirigent Sgier. „Wir haben wie im Fernsehen ein Casting veranstaltet und nun die besten Engerazhofener Talente mitgebracht“, lautete die Antwort. Darunter waren Elvis „Erwin“ Presley und die Schreiner der Gemeinde, deren Song „Ich und mein Holz“ hitverdächtig schien.

Im Anschluss gingen die Herlazhofener auf die Bühne, die recht klassisch-zünftig begannen, dann aber mit Gesangseinlagen und einer großen, bärtigen Blondine den Saal zum Kochen brachten. Das Publikum rief nach einer Zugabe, der Saal kochte. Die Musiker aus Bolsternang gingen zum Schluss an den Start und präsentierten ihr Programm.

Bei der Siegerehrung konnte Möschel das Ergebnis bekannt geben: Auf Platz drei landeten die Bolsternanger mit 1161 Punkten, Platz zwei errang die Musikkapelle Engerazhofen mit 1223 Punkten. Freudestrahlend hoben die Herlazhofener Musiker ihren Dirigenten Fischer zum „Stage-diving“ in die Höhe, nachdem ihr Sieg bekannt war. Aber klar war: An diesem Abend hat jeder gewonnen.

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