Bernd Stadelmann: „Dass der Raab schwer zu schlagen ist, wissen alle“

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Schwäbische Zeitung
Corinna Blum

Noch ist Bernd Stadelmann nicht heimgekehrt. Nach seinem Sieg am Samstag bei der TV-Show „Schlag den Raab“, bei dem er 3,5 Millionen Euro gewonnen hat, folgte der Auftritt in Stefan Raabs Fernsehsendung „TV Total“ am Montagabend. Vermutlich wird er am Mittwoch zurück nach Eisenharz kommen – zusammen mit seinen Geschwistern und seiner Freundin. Und einer Verletzung: Beim 15. und letzten „Schlag den Raab“-Spiel, bei dem sich der 27-Jährige und sein Kontrahent Raab mit Hilfe einer Schaufel durch einen riesigen Würfel aus Steckmoos graben musste, hat sich Bernd Stadelmann mit der Schaufel versehentlich in den Oberschenkel gestochen. Ans Aufgeben dachte er dennoch nicht. Hinterher musste die Wunde genäht werden.

Den 27-Jährigen zu erreichen ist in diesen Tagen nicht ganz einfach. Am Sonntag ging gar nichts – lediglich mit den Eltern des Landwirts konnte die Schwäbische Zeitung sprechen, und selbst die wurden von Medienanfragen überschüttet. Am Montag hingegen stellte Bernd Stadelmann sich sozusagen freiwillig den Medien. „Ich gebe jetzt ein paar Interviews, damit ich hoffentlich bald wieder ein möglichst normales Leben führen kann“, so der Landwirt im Gespräch mit der SZ. Mit mehreren Radiosendern wolle er sprechen, außerdem hätten ein paar Zeitungen um ein Interview gebeten. „Dann ist die Presse hoffentlich zufrieden, wenn sie alles bekommen hat“, sagte Stadelmann, „und dann können wir ganz normal Weihnachten feiern.“

Vollgepumpt mit Adrenalin

Im Telefonat mit der SZ am frühen Montagnachmittag sagt Bernd Stadelmann ganz lapidar über seine Verletzung: „Während dem Spiel hab ich das gar nicht gemerkt.“ Erst hinterher, lange, nachdem er die Glocke geläutet hatte, habe er gesehen, dass seine Hose blutig war. „Ich war einfach vollgepumpt mit Adrenalin und Glücksgefühlen.“ Später habe ihn der Arzt im Studio zusammengeflickt. „Das war nichts Schlimmes“, wiegelt der 27-Jährige die Verletzung ab, eventuell werde es eine Narbe geben. „Vielleicht ein nicht so schönes Andenken an einen schönen Tag.“

Dass das Publikum am Samstag von insgesamt fünf Kandidaten ausgerechnet ihn für die Show auswählen und dass er dann auch noch gegen Stefan Raab gewinnen würde, das hatte Bernd Stadelmann nicht erwartet. Auch im Vorfeld, als er, noch in Eisenharz, erfahren habe, dass er zu der Fernsehsendung eingeladen würde, sei er zwar aufgeregt gewesen, aber habe auch seine Gewinnchancen realistisch eingeschätzt: „So ungefähr fünf oder sechs Prozent.“ Von den bisherigen 37 Folgen der Show hätten insgesamt ein Drittel die Teilnehmer gewonnen.

„Dass der Raab schwer zu schlagen ist, wissen alle“, sagt Bernd Stadelmann. „Im Allgemeinwissen ist er der Wahnsinn.“ Er habe gewusst, dass er bei manchen Spielen sehr viel Glück brauchen würde. Wo er sich aber von Anfang im Vorteil wähnte, waren die sportlichen Spiele. „Ich bin doch etwas jünger als Stefan Raab, das ist einfach so.“ Dass sein Konkurrent sehr ehrgeizig ist und anscheinend auch kein guter Verlierer, das wusste Bernd Stadelmann ebenfalls vorab. Bestätigt hat sich dieser Eindruck während seines Aufenthaltes in Köln nur bedingt, sagt er. „Er ist wirklich sehr ehrgeizig“, sagt der 27-Jährige, „aber auch sehr fair. Wenn er ein Spiel verliert, dann gratuliert er und verhält sich sehr fair. Eigentlich ist er ein guter Verlierer und auch ein angenehmer Konkurrent.“

Generell sei der Aufenthalt in Köln zwar aufregend, aber sehr angenehm gewesen. „Wir sind schon einen Tag vor der Ausstrahlung angereist“, erzählt Bernd Stadelmann. „Da gab es dann ein gemeinsames Abendessen mit allen Teilnehmern, und das Team der Produktionsfirma war sehr freundlich. Sie haben alles getan, damit wir uns wohlfühlen.“

Millionengewinn noch nicht realisiert

Einen Abend später ging es dann ans Eingemachte – und äußerlich wirkte der Eisenharzer während der Show sehr ruhig. In vielen Spielen habe er von seiner Erfahrung in Wettkämpfen profitieren können, ruhig zu bleiben, sagt er. Auch hat ihm seine Schwester vorab ein Mental-Training geschenkt, das ihm die Nervosität nehmen sollte – anscheinend mit Erfolg. „Aber wahrscheinlich habe ich ruhiger gewirkt, als ich wirklich war“, vermutet Bernd Stadelmann. Dennoch habe er versucht, realistisch zu bleiben. „Meine Einstellung ist immer: Geld allein macht auch nicht glücklich. Wenn ich verloren hätte, wäre das zwar nicht so schön gewesen, aber auch kein Weltuntergang.“ Dass es sich mit einer Gewinnsumme von 3,5 Millionen Euro um einen ordentlichen Batzen Geld handelt, habe er zwar gewusst, „aber bewusst war mir das nicht“. Auch jetzt habe er diesen Millionengewinn noch nicht ganz realisiert.

Völlig verplant ist das Geld bisher noch nicht, sagt der bodenständige Landwirt. „Was wir aber auf jeden Fall tun werden, ist, das Dachgeschoss im Hof auszubauen“, sagt er. Mit „wir“ meint er sich und Freundin Heidi. „Und das vielleicht etwas nobler als geplant. Vielleicht gönnen wir uns manche Sachen, die bisher nicht so zur Diskussion gestanden sind.“ Zwar werde es keine Luxussuite, aber beispielsweise bei den Fliesen im Eingangsbereich müssten er und seine Freundin nun nicht mehr auf jeden Euro schauen.

„Und dass es eine Investition in die Landwirtschaft geben wird, ist auch sicher“, so der 27-Jährige. Was und wo genau investiert würde, sei allerdings noch nicht ganz klar. Zudem soll die TG Wangen/Eisenharz ein sogenanntes Bodenviereck für Wettkämpfe im Turnen bekommen – bisher trainierten die Sportler auf einer Bodenbahn. „Das auf jeden Fall. Aber ob ich das kaufe, oder ob wir eines mieten, das alles ist noch nicht ganz sicher.“

Wie es jetzt weitergeht? Mit seiner Musikkapelle geht Bernd Stadelmann ganz bodenständig zum Neujahrsblasen. Auch Silvester hat er schon lange geplant. Die 3,5 Millionen Euro bekommt er überwiesen – wann das passiert, sagt er im Telefonat mit der Zeitung, „das ist nicht wichtig“. Wichtiger ist ihm, dass allmählich wieder Ruhe einkehrt.

Argenbühler Gemüt in Wallung

In Eisenharz und ganz Argenbühl herrscht derweil noch immer Jubel: Der Landwirt ist das Dorfgespräch. „Der Sieg von Bernd Stadelmann war etwas, was unser Argenbühler Gemüt in Wallung gebracht hat“, sagte Bürgermeister Josef Köberle bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Montag. Der 27-Jährige habe mit klarer Überlegenheit gesiegt, war der Bürgermeister überzeugt. „Wir gönnen ihm alle den Sieg.“ Der Landwirt habe die Fahne fürs Allgäu hochgehalten und gezeigt, welche „Kerle“ von dort kommen.

Bereits am Wochenende hatte sich Köberle äußerst zufrieden zu Bernd Stadelmanns Sieg geäußert: „Der Bernd ist ein ganz ein geschickter Bursche. Er gehört nicht zu denen, die große Töne spucken – er schafft Fakten.“

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